Neuro-Depesche 4/2018

Schon eine Zigarette am Tage ist zu viel

Auch geringster Nikotinkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko

In einer systematischen Übersicht und Metaanalyse wurden die Risiken für einen Schlaganfall und eine koronare Herzkrankheit (KHK) bei einem Konsum von nur ein bis fünf Zigaretten quantifiziert. Die Gefährdung war ganz erheblich größer als erwartet: Anscheinend gibt es für den Nikotinkonsum nach unten keine Sicherheitsgrenze.

In einer Medline-Recherche (1946–2015) wurden 55 Publikationen zu 141 prospektiven Kohortenstudien mit insgesamt mehr als drei Mio. Teilnehmern identifiziert, in denen die Wahrscheinlichkeiten (Hazard Ratios etc.) für eine KHK und/oder einen Schlaganfall bei Rauchern (1, 5 oder 20 Zigaretten täglich) gegenüber Nichtrauchern beziffert worden waren. Primärer Endpunkt war der Anteil der wenig Konsumierenden am Exzess-Risiko der Vielraucher.
Für einen Schlaganfall betrug das gepoolte relative Risiko (RR) der Männer bei Auswertung aller Studien beim Rauchen einer Zig. täglich 1,25 und bei 20 Zig. täglich 1,64. Bei ausschließlicher Betrachtung aller Studien, in denen die Risiken auf mehrere Variablen (Alter, Cholesterinwerte und andere potenziell beitragende Faktoren) adjustiert worden waren, lag das RR für einen Schlaganfall bei 1,30 bzw. 1,56. Bei den Frauen betrugen die entsprechenden gepoolten RR für einen Schlaganfall bei einer Zig. täglich 1,31 und bei 20 Zig. täglich 2,16 (adjustierte RR 1,46 bzw. 2,42). Das Exzess-Risiko für einen Schlaganfall bei einer/fünf Zigarette/ n täglich lag bei 41%/52% (Männer) bzw. 34%/44% (Frauen) des Risikos derjenigen Personen, die 20 Zig. täglich rauchten. Und nach Mehrfachadjustierung war das RR sogar noch höher: z. B. betrug es bei einer Zig. täglich 64% (Männer) bzw. 36% (Frauen).
Für die KHK-Risiken ergaben sich ganz ähnliche Zahlen: Hier betrug das gepoolte RR der Männer für eine KHK bei einer Zig. 1,48 und bei 20 Zig. 2,04 (RR in Studien mit Mehrfachadjustierung 1,74 bzw. 2,27). Für Frauen betrugen die entsprechenden gepoolten RR für eine KHK bei einer Zig. täglich 1,57 und bei 20 Zig. täglich 2,84 (adjustierte RR: 2,19 bzw. 3,95). Das KHK-Exzess- Risiko bei einer Zig. lag bei 46% (M) bzw. 31% (F) des Risikos unter 20 Zig. – und bei Mehrfachadjustierung sogar 53% (M) bzw. 38% (F). JL

Kommentar

Schon das Rauchen einer Zigarette am Tag erhöht die Gefahr für eine KHK und/oder einen Schlaganfall ganz erheblich (bei Frauen stärker als bei Männern): Das Risiko steigt keineswegs linear an, es beträgt statt zu erwartender 5% bei einer Zigarette täglich schon etwa 25% bis 50% des Risikos der Raucher, die 20 Zigaretten am Tage konsumieren. Anders als vielleicht bei Krebserkrankungen gibt es also offenbar keine Schwelle, unterhalb derer diese Gesundheitsgefahren vernachlässigbar wären. Die klinische Implikation liegt auf der Hand: Um KHK und Schlaganfall vorzubeugen, sollte der Zigarettenkonsum nicht reduziert, sondern definitiv gestoppt werden.


Quelle:

Hackshaw A et al.: Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports. BMJ 2018; 360: j5855 [Epub 24. Jan.; doi: 10.1136/bmj. j5855]



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