Klinische Alzheimer-Krankheit

Neuro-Depesche 7-8/2021

Antivirale Behandlungen senkten das Risiko

Zertifizierte Fortbildung
In registerbasierten Studien fand sich ein Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV1) bzw. dessen Reaktivierung in Kombination mit Alzheimer-Suszeptibilitäts-Genen und einem erhöhten Risiko für eine Alzheimer-Krankheit (AD). Zudem scheint eine antivirale Behandlung das Risiko für die Entwicklung schwerwiegender neurokognitiver Störungen zu verringern. Dazu wurde nun eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt – mit eindeutigen Ergebnissen.
262 Personen der großen nordschwedischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie Betula (n = 4425), die später eine Alzheimer-Krankheit (AD) entwickelten, wurden mit einer auf Alter, APOEε4- Status etc. gematchten Kontrollgruppe von 262 Personen ohne spätere AD verglichen.“ Alle waren HSV1-Träger. Das Durchschnittsalter betrug etwa 70 Jahre, jeweils 75 % waren Frauen und jeweils 49 % wiesen mindestens ein APOEε4- Allel auf. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 9,7 bzw. 13,5 Jahre.
 
Risiko mehr als 70 % geringer
Antivirale Medikamente (d. h. Nukleosid- Analoga; ATC-Code J05AB) hatten 20 der über die Jahre kognitiv unauffällig gebliebenen Teilnehmer erhalten, aber nur sechs derjenigen mit späterer AD (7,6 % vs. 2,3 %; p = 0,006). Angepasst an die Follow-up-Dauer zeigte die Regressionsanalyse eine signifikante Reduktion des AD-Risikos um mehr als 70 %, wenn früher ein antivirales Medikament verordnet worden war (Odds Ratio [OR]: 0,287, p = 0,018) (Abb.).
Die Subgruppenanalyse ergab eine Assoziation der antiviralen Therapie mit einem verringertem AD-Risiko sowohl bei den 134 Nicht-APOEε4-Trägern (um ca. 75 %; OR: 0,242; p = 0,042) als auch bei den 128 Allel-Trägern (um ca. 63 %; OR: 0,370, p = 0,227; nicht signifikant). JL
 

 



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine antivirale Behandlung tatsächlich das Risiko einer späteren HSV1-assoziierten Alzheimer-Krankheit reduziert. Um zu klären, ob antivirale Medikamente über die Verhinderung der HSV1-Reaktivierung protektiv eingesetzt werden können, und um ggf. Patientengruppen zu identifizieren, die davon profitieren, sind entsprechende Längsschnittstudien erforderlich.
Quelle: Hemmingsson ES et al.: Antiviral treatment associated with reduced risk of clinical Alzheimer‘s disease-A nested case-control study. Alzheimers Dement (NY) 2021; 7(1): e12187 [Epub 9. Juni; doi: 10.1002/trc2.12187]
ICD-Codes: G30.9
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