Post-stroke-Depression | Neuro-Depesche 1-2/2016

Anders als andere depressive Erkrankungen?

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Der Anteil an Schlaganfallpatienten, die innerhalb der ersten zwei Jahre nach dem Ereignis eine klinisch relevante depressive Symptomatik entwickeln, beträgt bis zu einem Drittel. In den Niederlanden wurde nun in einer multizentrischen Studie untersucht, welche Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zu depressiven Erkrankungen in anderen Patientenpopulationen bestehen.

Die Studie an drei Krankenhäusern und sieben Praxen umfasste 382 in der Klinik behandelte Patienten mit einem hämorrhagischen oder ischämischen Insult, 1160 Patienten aus Allgemeinarztpraxen (PREDICT-NL) und 530 Patienten mit symptomatischen Gefäßveränderungen wie KHK, PAVK etc. (SMARTMedea).
Die Schlaganfallpatienten waren durchschnittlich 69 Jahre alt, kognitiv nicht beeinträchtigt und ohne Aphasie. Die Prävalenz einer Major Depression (nach DSM-IV) betrug unter ihnen 14,1% (54/382), in der SMART-Medea-Gruppe 5,4% und in der PREDICT- NL-Gruppe 12,9%.
Der Vergleich der depressiven Patienten der drei Kohorten ergab weitgehend ähnliche Profile der einzelnen depressiven Symptome. Dies betraf explizit auch die körperlichen Depressionssymptome. Gewisse Unterschiede in der Prävalenz von Symptomen wie Anhedonie, Appetitmangel, Konzentrationsstörungen zwischen den Gruppen verschwanden in den Multivarianzanalysen, wenn die Daten auf Alter und Geschlecht der Teilnehmer adjustiert wurden.
Allerdings war die Depressionsschwere nach dem medianen Summenscore des Patient Health Questionnaire mit 9 Items (PHQ-9) mit 15 Punkten bei den Schlaganfallpatienten deutlich stärker als in der SMART-Medea- und der PREDICT-NL-Gruppe mit 9 bzw. 7 Punkten. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Es ist gut, mit Daten belegt zu sehen, dass sich die Post-stroke-Depression von den depressiven Erkrankungen anderer Populationen qualitativ praktisch nicht unterscheidet. Somit können sowohl die gleichen diagnostischen Kriterien angelegt als auch die gleichen therapeutischen Wege beschritten werden. Allerdings litten die Schlaganfall-Patienten etwas häufiger und vor allem wesentlich stärker unter ihren depressiven Symptomen, die allesamt häufiger waren als in den Vergleichsgruppen. Neben den Prognoseverschlechternden Effekten der Depression unterstützt dies die Notwendigkeit, die Patienten frühzeitig adäquat psychiatrisch zu betreuen.

Quelle:

de Man-van Ginkel JM et al.: Clinical manifestation of depression after stroke: is it different from depression in other patient populations? PLoS One 2015; 10(12): e0144450 [Epub 4. Dez.; doi: 10.1371/journal.pone.0144450]

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