Ein Gläschen in Ehren …

Neuro-Depesche 11/2011

Alkohol unterstützt „gesundes Altern“

Als Erfolgsrezept für ein gesundes Älterwerden empfehlen Hochbetagte häufig ein Gläschen Wein, Bier oder Schnaps am Abend. Dass hinter dieser Lebensweisheit durchaus eine medizinische Realität stecken könnte, belegen jetzt Analysen einer großen US-amerikanischen Studie an älteren Frauen.

Ausgewertet wurden die Daten von knapp 14 000 Teilnehmerinnen der „Nurses Health Study“. Diese hatten seit 1980 anhand des Fragebogens Food Frequency Questionnaire (FFQ) regelmäßig auch Auskunft über ihre Trinkgewohnheiten gegeben.

Etwa 11% von ihnen waren ohne größere gesundheitliche Probleme, d. h. ohne relevante chronische Erkrankungen, kognitive, mentale oder körperliche Einschränkungen, mindes­tens 70 Jahre alt geworden. Nach statistischer Eliminierung potenzieller Störfaktoren wie Nikotinkonsum, BMI, sportlicher Aktivität und Ernährungsgewohnheiten wurde der Einfluss des Alkoholkonsums im mittleren Lebensalter (durchschnittlich mit 58 Jahren) auf dieses gesunde Altern untersucht.

Insbesondere ein moderater Alkoholkonsum von 15–30 g/Tag erwies sich als positiv: Frauen, die im Durchschnitt ein bis zwei Gläser Wein oder bis zu einem Liter Bier täglich tranken, erlebten mit einer um 28% höheren Wahrscheinlichkeit ein gesundes Alter als Abstinenzlerinnen (Odds Ratio: 1,28). Bei einem täglichen Alkoholkonsum von bis zu 5 g fand sich eine OR von 1,11, bei 5–15 g betrug sie 1,19. Auch bei einem mehr als mäßigen Konsum von 30–45 g/Tag waren die Frauen mit einer OR von 1,24 noch im Vorteil. Stärkere Trinkerinnen waren von der Studie ausgeschlossen worden.

Unabhängig von der Alkoholmenge erwies sich die Regelmäßigkeit des Konsums als einflussreichste Größe. So hatten Frauen, die 5- bis 7-mal pro Woche einen Drink zu sich nahmen, rechnerisch eine um 47% höhere Chance (OR: 1,47), gesund alt zu werden als Nichttrinkerinnen. Bei jenen, die nur ein bis zwei Mal pro Woche Alkohol tranken, betrug die OR dagegen nur noch 1,10. Die meisten Frauen tranken in dieser Untersuchung übrigens bevorzugt Wein, für andere Spirituosen scheinen die Zusammenhänge nicht ganz so deutlich zu sein. CW

Kommentar
?! Die körperlichen und psychischen Schäden durch einen übermäßigen Alkoholkonsum sind Legende. Andererseits scheint ein mäßiger, dabei vor allem regelmäßiger Alkoholgenuss das Risiko für chronische Erkrankungen und kognitiven Abbau zu verringern und ein „Successful ageing” zu fördern, wie diese groß angelegte Studie erneut nahe legt. Da die Teilnehmer ausschließlich weiblich und größtenteils europäischer Abstammung waren, lassen sich die Ergebnisse allerdings nicht ohne weiteres auf Männer oder andere ethnische Gruppen übertragen.
Quelle: Sun Q et al.:: Alcohol consumption at midlife and successful ageing in women: a prospective cohort analysis in the nurses' health study., Zeitschrift: PLos Medicine, Ausgabe (2011)
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