ADHS des Nachwuchses | Neuro-Depesche 6/2015

Alkohol und Passivrauchen erhöhen das Risiko

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Vermutlich wird eine ADHS durch das Zusammenspiel genetischer und Umweltfaktoren verursacht. In einer großen populationsbasierten Studie untersuchten südkoreanische Präventionsmediziner, ob die pränatale Exposition gegenüber Alkohol und Zigarettenrauch die Wahrscheinlichkeit der Kinder erhöht, an einer ADHS zu erkranken.

Ausgewertet wurden die Fragebögen von 19 940 Personen. 14 493 Kinder (72,7%) waren gegenüber Passivrauchen exponiert und 2416 (12,1%) gegenüber Alkohol. Nach der koreanischen DuPaul Rating Scale (K-ARS) litten 1769 (8,9%) unter einer ADHS.
Das ADHS-Risiko der Kinder stieg bei einem pränatalen Alkoholkonsum der Mutter signifikant um das 1,55-Fache an (95%-KI: 1,33–1,82), Hatte die Mutter während der Schwangerschaft geraucht, war das ADHS-Risiko um den Faktor 2,64 erhöht (95%-KI: 1,45-4,80), bei einem rauchenden Vater (= Passivrauchen der Föten) um den Faktor 1,17 (95%-KI: 1,98–1,39).
Unter jenen Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft nicht geraucht haben, wurde eine Analyse an vier Subgruppen durchgeführt: Gegenüber keinerlei Exposition war die Prävalenz einer ADHS der Kinder mit Passivrauchen allein 1,16-fach höher, bei Alkohol-Exposition war sie 1,19-fach höher und bei Exposition gegenüber beiden Faktoren 1,58-fach höher: Bei Passivrauchen-Exposition plus Alkohol-Konsum der (nicht-rauchenden) Mutter betrug die ADHS-Prävalenzrate 12,8% vs. 7,5%. Alle Unterschiede zwischen den Gruppen erwiesen sich als jeweils signifikant (p < 0,0001). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Besonders die gleichzeitige Exposition der Kinder im Mutterleib gegenüber Alkoholkonsum der Mutter und Passivrauchen führte zu einem Anstieg des ADHS-Risikos der Nachkommen um fast 60%. Bei Passivrauchen allein immerhin um 16%. Eine wichtige Einschränkung der Studie besteht darin, dass der Konsum an Alkohol und Zigaretten nicht quantifiziert wurde. Daher ließ sich insbesondere die Förderung einer ADHS durch schweres Trinken nicht bestimmen.

Quelle:

Han JY et al.: The effects of prenatal exposure to alcohol and environmental tobacco smoke on risk for ADHD: a large population-based study. Psychiatry Res 2015; 225(1-2): 164-8

ICD-Codes: G90.0

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