VNS bei therapieresistenten Kindern | Neuro-Depesche 4/2015

Aktueller Stand zur Langzeitwirksamkeit

Zertifizierte Fortbildung

Patienten mit partiell oder komplett therapierefraktären epileptischen Anfällen leiden. Dies trifft umso mehr auf Kinder zu. In einer großen deutschen Studie prüften nun Neuropädiater aus Lübeck retrospektiv, inwieweit pharmakoresistenten Kindern und Jugendlichen mit einer Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) als Zusatztherapie über zwei Jahre geholfen werden kann.

In der bislang größten Studie zu dieser Frage wurden die Daten von 347 Jungen und Mädchen (im Alter zwischen sechs Monaten und 17,9 Jahren) mit verschiedenen Anfallstypen (45% generalisierte, 41% fokale Anfälle) ausgewertet. Sie waren zuvor mit durchschnittlich 6,9 Antiepileptika behandelt worden. Alle unterzogen sich der Implantation eines VN-Stimulators. Das Follow-up erfolgte nach 6, 12 und 24 Monaten.
Primärerer Endpunkt war der Anteil an Patienten, die mit einer Anfallsreduktion ≥ 50% (des vorherrschenden Anfallstyps) ansprachen. Die Rate wurde mit zunehmender Dauer der VNS immer größer: Sechs Monate nach der Implantation waren dies 32,5%, ein Jahr danach 37,6% und zwei Jahre danach 43,8%. In diesen Zeiträumen anfallsfrei waren 17 (5,8%), 19 (5,5%) bzw. 17 Patienten (8,2%) der jeweils auswertbaren Population. Dabei waren die Ansprechraten in der Subgruppe von Patienten, bei denen die antiepileptische Medikation nicht verändert worden war, mit 39,3%, 46,2% bzw. 62,7% jeweils höher. Kinder < 12 Jahren sprachen besser an als jene ≥ 12 Jahren.
Auch in allen sekundären Outcome-Kriterien hatte die VNS positive Wirkungen. So sanken nicht nur die Schwere und Dauer der Anfälle sowie die postiktale Beeinträchtigung, auch die globale Krankheitsschwere nach CGI-I und die Lebensqualität besserten sich. Die VNS als Add-on wurde generell gut vertragen, Elektrodenbrüche traten bei 5,4%, Stimulator-Entfernung, -Wechsel oder -Infektion bei 3,7%, 4,2% bzw. 2,5% der Patienten auf, drei (0,8%) entwickelten eine Dysphonie.
Post-hoc-Analysen ergaben eine signifikante Dosis-Wirkungs-Korrelation, mit der VNS-Gesamtstimulations-Dosis pro Tag stieg die Responderrate. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

KOMMENTAR

Eine VNS-Zusatztherapie erwies sich in dieser retrospektiven Auswertung über zwei Jahre als zunehmend wirksam. Am Ende hatte fast die Hälfte der Behandelten angesprochen. Da ganz verschiedene Anfallstypen beeinflusst wurden, sehen die Autoren für die VNS eine breite Indikation. Sie kann zusätzlich zur Medikation bei therapieresistenten Kindern mit fokalen, läsionsbedingten Epilepsien eingesetzt werden, für die eine Chirurgie nicht in Frage kommt, aber auch bei Kindern mit vorherrschend generalisierten Anfällen einschließlich dem Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom.

Quelle:

Orosz I et al.: Vagus nerve stimulation for drugresistant epilepsy: a European long-term study up to 24 months in 347 children. Epilepsia 2014; 55(10): 1576-84

ICD-Codes: G40.3

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?