Review und Metaanalyse | Neuro-Depesche 10/2016

Aerobe Übungen bessern die Kognition

Zertifizierte Fortbildung

Kognitive Defizite sind ein Kernsymptom der Schizophrenie und beeinträchtigen nahezu alle Lebensbereiche der Patienten. Die Behandlungsoptionen sind jedoch begrenzt. In einem systematischen Review und einer Metaanalyse wurde jetzt untersucht, inwieweit aerobe körperliche Übungen die Kognition in dieser Patientengruppe bessern können. Das Ergebnis ist eindeutig.

Bei der Literatursuche (bis April 2016) fanden sich zehn geeignete Studien mit insgesamt 385 Schizophrenie-Patienten, 186 in den Übungsund 199 in den Kontrollgruppen. Die Übungsprogramme dauerten 4 bis 24, durchschnittlich 12,2 Wochen und umfassten 2 bis 4, durchschnittlich 2,9 Sitzungen mit einer Dauer von 20–60 Minuten. Die gepoolten Effekte aus verschiedenen neurokognitiven Tests wurden zu einem globalen Score zusammengefasst und statistisch als „Hedges g“ ausgedrückt.
Ohne eine maßgebliche Heterogenität zwischen den Studien (I2 = 0%) verbesserten die Übungen die globale Kognition gegenüber der Kontrollkondition signifikant (g = 0,33, 95%-KI: 0,13–0,53; p = 0,001). Die Effektgröße in den sieben randomisierten kontrollierten Studien (n = 297) betrug g = 0,43 (p < 0, 001).
Die Meta-Regressionsanalyse ergab, dass längere Übungen (Min pro Woche) tendenziell mit stärkeren Besserungen der globalen Kognition einhergingen (ß: 0,005, p = 0,065). Ferner waren Übungen, die von professionellen Trainern überwacht wurden, signifikant wirksam (g = 0,47; p < 0,001), die von anderen Personen (Medizinern, Forschern, Hilfskräften) geleiteten Übungen aber nicht (g = 0,2; p = 0,5).
Die Übungen wirkten sich signifikant positiv auf drei von sieben kognitiven Domänen aus: Arbeitsgedächtnis (g = 0,39; p = 0,024; sieben Studien mit 282 Teilnehmern), „soziale Kognition“ (g = 0,71; p = 0,002; drei Studien mit 81 Teilnehmern) und Aufmerksamkeit/Vigilanz (g = 0,66; p = 0,005; drei Studien mit 104 Teilnehmern). Nicht signifikant gebessert wurden Verarbeitungsgeschwindigkeit, verbales und visuelles Gedächtnis, logisches Denken/Problemlösen. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die positive Botschaft dieser Studie ist, dass sich die beeinträchtigten kognitiven Leistungen schizophren erkrankter Menschen durch körperliche Übungsprogramme – zumindest teilweise – verbessern lassen. Dies dürfte sich vorteilhaft auf die Privat- wie die Berufssphäre der Patienten auswirken. Für die Praxis wichtig ist, dass die „Dosis“ der Übungen nicht zu gering sein darf und dass sie von professionellen Trainern geleitet werden sollten.

Quelle:

Firth J et al.: Aerobic exercise improves cognitive functioning in people with schizophrenia: a systematic review and meta-analysis. Schizophr Bull 2016; pii: sbw115. [Epub 11. Aug.; doi:10.1093/schbul/ sbw115]

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