Neuro-Depesche 5

Mesenchymale Stammzellen aus dem Fettgewebe

AdMSC in Phase-I/II-Studie zumindest sicher

Für Patienten mit sekundär-progressiven MS (SPMS) sind die Behandlungsoptionen nach wie vor begrenzt. Mit der Infusion autologer mesenchymaler Stammzellen aus dem Fettgewebe (Adipose-derived mesenchymal stem cells, AdMSC) besteht ein neuer Therapieansatz, dessen Machbarkeit und Sicherheit jetzt in einer kleinen randomisierten, Placebo-kontrollierten und dreifach verblindeten Phase-I/II-Studie geprüft wurde.
Das mittels Lipektomie gewonnene Fettgewebe (≥ 30 ml) wurde in zahlreichen Schritten gereinigt und expandiert. Die Stammzellen mussten etliche immunophänotypisch Bedingungen erfüllen. Von 34 SPMS Patienten mit Lipektomie wurden vier aufgrund von Karyotyp-Anomalien ausgeschlossen, 30 bildeten die Intention-to-treat (ITT) Population.
Die Patienten (70% Frauen) im Alter zwischen 31 und 61, durchschnittlich 44 bis 48 Jahren waren seit 8 bis 38, durchschnittlich 35 bis 19 Jahren an MS-erkrankt. Ihr EDDS-Wert lag zwischen 5,5 und 9, durchschnittlich bei 7,5–7,8. Alle mussten trotz immunmodulatorischer Therapie in der Behinderung fortgeschritten sein. Nur zwei Patienten (7%) hatten in den letzten zwei Jahren ≥ 1 Schub erlitten.
Eine zweistündigen i.v.-Einzelinfusion von AdMSC in niedriger (1 x 106 Zellen/kg KG) Dosis erhielten 10 und in hoher Dosis (4 x 106 Zellen/kg KG) 9 Patienten, Placebo 11 Patienten. Primärer Endpunkt waren die Sicherheit anhand von Vitalzeichen (inkl., Spirometrie), Laborbefunde und Nebenwirkungen.
Im Follow up über ein Jahr häufigste unerwünschte Ereignisse (UE) waren Infekte der Atem- oder Harnwege sowie Anämie. Unter der aktiven Behandlung wurden dabei nur drei UE dokumentiert, die mit der Therapie möglicherweise oder wahrscheinlich zusammenhingen. Ein schweres UE (4%) bestand in einer Harnwegsinfektion in der Hochdosisgruppe, die aber als nicht mit der Studienmedikation in Zusammenhang stehend beurteilt wurde, während unter Placebo drei SUE (27%) auftraten. Keiner der vielen untersuchten Sicherheitsparameter zeigte eine relevante Veränderung. Die Wirksamkeit war kein primärer Studien-endpunkt. Einige der dennoch erhobenen Wirksamkeitsparameter (Gesamthirnvolumen, evozierte Potenziale) zeigten einen tendenziellen oder signifikanten Therapieeffekt gegenüber Baseline, nicht aber im Vergleich der Behandlungsgruppe. So ergab sich in der durchschnittlichen und intraindividuellen EDSS-Veränderung ebenso wenig eine Signifikanz wie in der Zahl aktiver, GD-anreichernder T1-Läsionen oder anderer MRT-Parameter. Dies galt auch für die Befunde der Liquoruntersuchung, der optischen Kohärenztomographie, der Kognition und der Lebensqualität. HL

Kommentar

Die i.v.-Infusion der minimal invasiv gewonnenen und extrakorporal aufbereiten AdMSCs erscheint bei SPMS-Patienten „feasible“ und sicher. Klare Hinweise auf Therapieeffekte ergaben sich aber nicht. Größere, evt. bei Patienten in früheren SMPS-Stadium durchgeführte Studien sind notwendig, so die Autoren, um diesen vielversprechenden Behandlungsansatz zu untersuchen. In MS-Tiermodellen hatten Stammzellen ZNS-Reparaturmechanismen gefördert.


Quelle: Fernández O et al. für die Research Group Study EudraCT: Adipose-derived mesenchymal stem cells (AdMSC).... PLoS One 2018; 13(5): e0195891. [Epub 16. Mai; doi: 10.1371/journal.pone.0195891]


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