Pränatale Exposition | Neuro-Depesche 3/2019

ADHS-Risiko durch Valproat verdoppelt

Zertifizierte Fortbildung

Bekanntlich geht die Valproat-Gabe in der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Missbildungen und Störungen der kognitiven Entwicklung bei den Kindern einher. Jetzt prüften dänische Wissenschaftler, ob dieses und andere Antiepileptika auch die Gefahr für eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) des Nachwuchses steigert.

In der Kohortenstudie wurden die Daten aller 1997 - 2011 in Dänemark lebenden Einzelkinder (n = 913.302; Durchschnittsalter 10,1 Jahre) ausgewertet. Die vorgeburtliche Antiepileptika(AED)-Exposition (Carbamazepin, Clonazepam, Lamotrigin, Oxcarbazepin, Valproat) wurde anhand des nationalen Verschreibungsregisters erfasst und mit der ADHS-Inzidenz der Kinder abgeglichen. Unter den 912.722 Kindern ohne Valproat- Exposition war bei 3,2 % (n = 29.396) eine ADHS diagnostiziert worden.
Unter den 580 in utero exponierten Kindern aber bei 8,4 % (n = 49). Adjustiert auf ADHS-Risikofaktoren entspricht dies einem um 48 % erhöhten ADHS-Risiko (adj. Hazard Ratio: 1,48; 95 %-KI: 1,09 - 2,00).
Beschränkt auf die 7.620 Mütter mit einer Epilepsie fand sich bei den 516 Kindern von 7.104 mit Valproat-Exposition ein um 39 % höheres ADHS-Risiko (aHR: 1,39; 95 %-KI: 1,00 - 1,93). Ein derartiger Risikoanstieg zeigte sich bei den 64 Kindern von Valproat einnehmenden Müttern ohne Epilepsie aber nicht (aHR: 1,89; 95 %-KI: 0,76 - 4,68).
War Valproat Teil einer Kombination, ergab sich unter den 149 Kindern (vs. keine AED-Exposition) ein ADHS-Risikoanstieg 52 % (s. Abb.). Zwischen ADHS und den übrigen AED in Monotherapie waren auch Assoziationen gegeben, diese waren aber statistisch nicht signifikant (s. Abb.).
Gegenüber Lamotrigin als Referenz war das ADHS-Risiko ebenfalls am stärksten unter Valproat erhöht, und zwar um mehr als das Doppelte (aHR: 2,16). Signifikant erhöhten das Risiko auch Clonazepam um 96 % und Carbamazepin um 79 %, während der Risikoanstieg vs. Lamotrigin unter Oxcarbazepin um 58 % nicht signifikant ausfiel (aHR: 1,58; 95 %-KI: 0,91 - 2,58). JL
 

 



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Ein um das Doppelte erhöhtes ADHS-Risiko der Kinder von mit Valproat behandelten Müttern bestätigt, dass mit diesem Wirkstoff bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht nur wegen des Fehlbildungsrisikos vorsichtig umgegangen werden sollte. Die Ergebnisse widersprechen im Übrigen einer kürzlich durchgeführten Metaanalyse von vier Studien mit insgesamt 750 Teilnehmern (Veroniki AA et al., 2017), in der sich kein Zusammenhang zwischen pränataler Valproat-Exposition und ADHS fand.

Quelle:

Christensen J et al.: Association of prenatal exposure to valproate and other antiepileptic drugs... JAMA Netw Open 2019; 2(1): e186606 [Epub 4. Jan.; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2018.6606]

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