Autismus, bipolare Störung und Suchtmittelgebrauch | Neuro-Depesche

ADHS häufig mit Komorbiditäten assoziiert

Bis zu 80% aller Erwachsenen mit einer ADHS weisen Komorbiditäten auf. Diese können eine ADHS begleiten, maskieren und verschlimmern. Deshalb stellt der Nachweis einer isolierten ADHS in der Praxis eher die Ausnahme dar. Mit welchen Komorbiditäten eine ADHS assoziiert sein kann, und welche therapeutischen Maßnahmen in diesen Fällen indiziert sind, wurde auf einem Satellitensymposium der Firma Medice im Rahmen des WPA/DGPPN-Kongresses in Berlin diskutiert.

Auch im Erwachsenenalter kann die ADHS mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) vergesellschaftet sein, erläuterte Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst, Freiburg. Die Reizoffenheit bei ASS kann zu einem „Sensory Overload“ und so zu Unruhe und Unaufmerksamkeit führen − Symptome,die leicht mit der für die ADHS charakteristischen Unaufmerksamkeit und Konzentrationsstörung verwechselt werden können. Sowohl bei ADHS als auch ASS wird eine Hyperfokussierung auf besondere Objekte etc. beobachtet. Aufgrund der bekannten Komorbidität von ADHS und ASS muss bei der Diagnose einer ADHS unbedingt auch an ASS als Differenzialdiagnose oder Komorbidität gedacht werden.

Auf Symptomebene gibt es auch zwischen ADHS und bipolarer Störung zahlreiche Überschneidungen, die die Differenzialdiagnose erheblich erschweren können. Neben depressiven Symptomen finden sich vor allem in der hypomanen Phase einer bipolaren Störung überlappende Symptome wie Logorrhö, Ablenkbarkeit, Antriebssteigerung, motorische Unruhe und Distanzlosigkeit, berichtete Prof. Andreas Reif, Frankfurt. Auf der anderen Seite weisen Erwachsene mit ADHS ohne bipolare Störung häufig Stimmungsschwankungen auf. In epidemiologischen Studien zeigte sich ein relativ konsistentes Bild mit einer Komorbiditätsrate der beiden Störungen von 10 bis 20%. Familienbasierte Studien unterstützen dies.

Medikamente der Wahl bei bipolarer Störung sind Stimmungsstabilisator, bei einer ADHS Stimulanzien wie Methylphenidat. Bei einer Komorbidität sollte das Stimulans gemeinsam mit einem antimanisch wirkenden Stimmungsstabilisierer gegeben werden. Ein Switch in die manische Phase kann so ausgeschlossen werden, betonte Reif.

Substanzmissbrauch ist die zweithäufigste Komorbidität bei Erwachsenen mit ADHS, schilderte Andreas Steimann, Rickling. Die Unausgewogenheit der dopminergen/noradrenergen Transmission bei der ADHS triggert höhere Impulsivität, Experimentierfreudigkeit und Unaufmerksamkeit. Die bei ADHS häufig beobachteten ungünstigen sozialen Interaktionen, können zu einer frühen sozialen Ausgrenzung und zur Hinwendung zu Randgruppen mit Suchtmittelkonsum führen. Verstärkt wird das hohe Risiko für einen frühen Suchtmittel-Erstkonsum durch die Gefahr der „Selbstmedikation“, denn niedrig dosiert können Cannabis, Amphetamine etc. die ADHS-Symptomatik reduzieren, betonte Steimann in Berlin.

Wie der Experte weiter erläuterte, kann  Methylphenidat bei missbräuchlicher Anwendung drogenähnliche Effekte im Sinne eines Amphetamin-Rausches verursachen. Daher sollte das Medikament bei ADHS-Patienten mit bekannter substanzbezogener Störung mit besonderer Vorsicht und nur in einem suchtspezifischen Therapiesetting verabreicht werden. Unabdingbare Voraussetzung ist dabei die vollständige Drogenabstinenz. GS

Quelle:

Symposium:
„Adulte ADHS und Komorbiditäten erkennen und richtig behandeln“, Weltkongress der Psychiatrie und Psychotherapie (WPA/DGPPN), Berlin, 11.10. 2017; Veranstalter: Medice Arzneimittel Pütter
Methylphenidat: Medikinet®, Medikinet® adult, Medikinet® retard

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