Varia Neurologie

Antisense-Oligonukleotid bei SMA
Wichtige motorische Meilensteine

Die spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine seltene, potentiell lebensbedrohliche neuromuskuläre Erkrankung. Mit dem Antisense-Oligonukleotid Nusinersen steht nun seit Juni vergangenen Jahres erstmals ein zugelassener Wirkstoff zur Verfügung. Die neue Behandlungsoption wurde auf einem von Biogen unterstützten Satellitensymposium beim DGKJ in Köln diskutiert.

Quelle: Satellitensymposium: „Neue Therapieoption für die Behandlung der spinalen Muskelatrophie“, Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Köln, 21. Sept. 2017. Veranstalter: Biogen Nusinersen: Spinraza®

Prävalenz, Merkmale und Verlauf
Pseudobulbäre Affektstörung bei ALS

Eine pseudobulbäre Affektstörung (PBA), gekennzeichnet durch pathologische (situativ unangemessene) Gefühlsäußerungen wie Weinen und Lachen ist bei Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) mit einer geschätzten Prävalenz von 20 bis > 50% alles andere als selten – und häufig fehl- bzw. unterdiagnostiziert. Zudem liegen nur begrenzte Informationen über assoziierte klinische Merkmale und auch den Verlauf vor. Damit befassten sich jetzt US-Neurologen.

Quelle: Thakore NJ, Pioro EP: Laughter, crying and sadness in ALS. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2017; 88(10): 825-31

Kindlicher IQ und Todesursachen
Kluge Kinder sterben seltener an ...

Studien haben gezeigt, dass intelligente Kinder länger leben. In einer prospektiven Studie an knapp 65 000 Menschen mit einem Follow-up von bis 68 Jahren fanden sich jetzt Verbindungen zwischen dem Intelligenzquotienten (IQ) im Kindealter und der Sterblichkeit an diversen Krankheiten, darunter KHK, Schlaganfall und Krebs.

Quelle: Calvin CM et al.: Childhood intelligence in relation to major causes of death in 68 year follow-up: prospective population study. BMJ; 357: j2708 [Epub 2017 28. Juni; doi: 10.1136/bmj.j2708]

Wirklichkeit im heutigen Europa
Euthanasie für psychisch Kranke

„Unerträgliches Leiden“ ist die zentrale Bedingung für die Durchführung einer Euthanasie. Sie ist allerdings nirgends präzise definiert. Welche Leidensumstände psychiatrische Patienten mit dem Wunsch nach einer Euthanasie schildern, legten jetzt Experten vom belgischen „Life End Information Forum“ dar. Die Ausführungen sprechen für sich.

Quelle: Verhofstadt M et al.: When unbearable suffering incites psychiatric patients to request euthanasia: qualitative study. Br J Psychiatry 2017; 211(4): 238-45

Global Burden of Disease Study
Tod und Behinderung durch neurologische Krankheiten nehmen weiter zu

Zur Global Burden of Disease Study 2015 wurde jüngst eine systematische Analyse zu der spezifischen Krankheitslast durch neurologische Erkrankungen veröffentlicht. Bei den Disability-adjusted life-years (DALY‘s) und den Todesfällen belegten sie den ersten bzw. zweiten Platz. Insgesamt am häufigsten litten die Patienten noch vor demenziellen Syndromen unter Kopfschmerz-Erkrankungen.

Quelle: GBD 2015 Neurological Disorders Collaborator Group: Global, regional, and national burden of neurological disorders during 1990-2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015. Lancet Neurol 2017 [Epub 15. Sept.; doi: 10.1016/S1474- 4422(17)30299-5]

European Academy of Neurology, 24.–27. Juni 2017 in Amsterdam
Multiple Sklerose, Demenz und Migräne − Neues vom EAN

In Amsterdam trafen sich die europäischen Neurologen zu ihrem Jahreskongress − mehr als 6000 Besucher kamen. Das übergreifende Thema des 3rd Congress der European Academy of Neurology (EAN) war „Outcome measures in Neurology“. Die Sessions umfassten das gesamte Spektrum der neurodegenerativen, entzündlichen, traumatischen und übrigen neurologischen Erkrankungen

Pharma-Neu
Nusinersen gegen spinale Muskelatrophie

Das Antisense-Oligonukleotid Nusinersen (Spinraza®, Biogen) wurde am 30. Mai 2017 durch die Europäische Kommission zur Behandlung der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie (5q-SMA) zugelassen. Die 5q-SMA ist mit ca. 95% aller Fälle die häufigste SMAForm. Zumeist tritt sie bei ...

Netzwerk-Metaanalyse zu Antiepileptika in der Schwangerschaft
CAVE: Fehlbildungsrisiko teils stark erhöht

Bei Schwangeren kann die Antiepileptika-Therapie das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und Fehlgeburten erhöhen. Bei geschätzten 4% bis 8% der in utero exponierten Kinder kommt es zu angeborenen Fehlbildungen. Eine multidisziplinäre Forschergruppe in Toronto und Ottawa untersuchte anhand einer Übersichtsarbeit und einer vergleichenden Netzwerk-Metaanalyse nun die Sicherheit verschiedener Antiepileptika im Hinblick auf Fehlbildungen der Neugeborenen und Spontanaborte.

Quelle: Veroniki AA et al.: Comparative safety of anti-epileptic drugs during pregnancy: a systematic review and network meta-analysis of congenital malformations and prenatal outcomes, BMC Med 2017; 15(1): 95 [Epub 5, Mai; doi: 10,1186/s12916-017-0845-1]

Phase-2-Daten zu Erenumab bei chronischer Migräne veröffentlicht

Im Fachmagazin Lancet Neurolgy wurde nun eine Phase-2-Studie zum CGRP-Rezeptor-Inhibitor Erenumab veröffentlicht. In die Studie eingeschlossen waren 667 Patienten mit chronischer Migräne und initial etwa 18 Migräne-Tagen pro Monat. Über zwölf Wochen erhielten die Patienten ...

69th Annual Meeting der AAN, 22.–28. April 2017, Boston/USA
Neue Entwicklungen und Therapien

Das 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN) lockte Ende April 2017 13 000 Fachbesucher nach Boston. Neben zahlreichen Veranstaltungen und Postern zur Multiplen Sklerose wurden viele neue Entwicklungen bei Kopfschmerz, Demenz, Epilepsie, Parkinson-Syndrom und anderen, selteneren Krankheiten vorgestellt.

Behandlung von zervikaler Dystonie und Spastik
Flexibler durch komplexproteinfreies BoNT/A?

Die individuell angepasste Therapie mit höherer Flexibilität der verabreichten Dosis und Injektionsintervalle kann die Behandlung von Patienten mit zervikaler Dystonie (ZD) verbessern. Dafür bietet das einzige Komplexprotein-freie BoNT/A-Präparat Incobotulinumtoxin A (Xeomin®) gute Voraussetzungen, schilderten jüngst renommierte Experten auf einem von Merz unterstützten Satellitensymposium beim 6. Deutschen Botulinumtoxin- Kongress. Bei mehr als zehnjähriger Anwendung wurde kein Fall eines Antikörper-induzierten Therapieversagens bei therapienaiven Patienten beobachtet.

Quelle: Satellitensymposium: „Patientenorientierte Behandlung mit Xeomin®“ am 5. Mai 2017 im Rahmen des 6. Deutschen Botulinumtoxin- Kongresses, Baden Baden. Veranstalter: Merz Pharmaceuticals Incobotulinumtoxin A: Xeomin®

Schäden der weißen Substanz bei Frühchen
MRT-Auswertung zeigt die Risiken für spätere Entwicklungsstörungen

Frühgeborene haben nicht selten Schäden der weißen Substanz, die ihre weitere Entwicklung erheblich beeinträchtigen können. Dafür werden sensitive neonatale Risikomarker gebraucht. In einer kanadischen Bildgebungsstudie wurden nun Lokalisation und Ausmaß der Schäden bestimmt und das daraus resultierende Risiko für spätere kognitive, sprachliche und motorischen Probleme kalkuliert.

Quelle: Guo TS et al.: Quantitative assessment of white matter injury in preterm neonates. Neurology 2017: [Epub 18. Jan. 2017; doi: 10.1212/ WNL.0000000000003606]

28. Deutscher Schmerz- und Palliativtag, 22. –25. 03.2017, Frankfurt
Evidenz UND die Erfahrung nutzen!

Die Forderung nach Evidenz-basiertem Vorgehen lässt sich in der Schmerzmedizin nur selten mit dem Wunsch nach individualisierter Therapie in Einklang bringen. Mit der systematischen Sammlung und Auswertung von Versorgungsdaten sowie der Vernetzung aller beteiligten Fachgebiete soll die Schmerzkompetenz gebündelt werden. So die auf dem 28. Deutscher Schmerz- und Palliativtag geäußerte Absicht.

Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIPD)
IVIG: belegte Wirksamkeit und Verträglichkeit

In der Behandlung von CIPD-Patienten besitzen polyvalente intravenöse Immunglobuline (IVIG) für die Induktions- und Erhaltungstherapie einen hohen Evidenzgrad (Level A). Dank eines innovativen Herstellungsverfahren wird jetzt der Anteil unerwünschter Isoagglutinine im 10%-igen IVIG IgPro10 drastisch gesenkt. Dies erleichtert die Entscheidung für eine IVIG-Therapie zusätzlich, berichteten Experten auf einem von CLS-Behring unterstützten Satellitensymposium auf dem 89. DGN-Kongress in Mannheim.

Quelle: Meet the expert:„Update Neuroimmunologie und Immunglobuline: Was beschäftigt Experten in Klinik und Praxis?“ 89. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Mannheim, 22.Sept. 2016. Veranstalter: CSL Behring IgPro10: Privigen®

Perspektiven
Antisense-Oligonukleotid gegen SMA

Zur Therapie der spinalen Muskelatrophie (SMA) hat nach der FDA nun auch die EMA den Antrag von Biogen auf Zulassung des Prüfpräparates Nusinersen angenommen. Beide Behörden haben beschleunigte Beurteilungsverfahren bewilligt. Die Anträge basieren auf Zwischenauswertungen der ...

Eisenmangel im Gehirn auch bei RLS?
Mit 7-Tesla-Aufnahmen quantifiziert

Nicht nur Parkinson-Patienten, auch RLS-Erkrankte scheinen unter einem Eisenmangel im Gehirn zu leiden – jedenfalls in bestimmten Strukturen. Nun untersuchte ein Forscherteam mithilfe eines hochauflösenden 7-Tesla-MRT, ob und welche Regionen bei Patienten mit einem idiopathischen RLS verringerte Eisenkonzentrationen aufweisen und ob diese mit klinischen Merkmalen zusammenhängen.

Quelle: Li X et al.: Brain iron deficiency in idiopathic restless legs syndrome measured by quantitative magnetic susceptibility at 7 tesla. Sleep Med 2016; 22: 75-82

2. Jahrestreffen der EAN, 28. bis 31. Mai in Kopenhagen
Das interessierte die europäische Neurologen-Community

Der 2. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) fand Ende Mai 2016 in Kopenhagen statt. Mehr als 6000 Teilnehmer aus europäischen und auch nicht-europäischen Ländern kamen. Internationale Experten präsentierten wichtige Trends und Highlights der modernen neurologischen Forschung und Therapie. Wie immer wurden die Ergebnisse vieler aktueller Studien präsentiert.

20. MDS-Kongress, 19. bis 23. Juni 2016 in Berlin
Neues zu Parkinson, RLS und Co.

Mehr als 5000 Besucher aus 86 Ländern kamen zum 20th International Congress of Parkinson's Disease and Movement Disorders (MDS) nach Berlin, um sich mit den neuesten Forschungsergebnissen und dem State of the art der Behandlungen von Morbus Parkinson, Restless-Legs-Syndrom (RLS), Dystonien und anderen Erkrankungen vertraut zu machen.

3rd International Congress on Treatment of Dystonia, Hannover, 4. bis 7. Mai 2016
Neues zu Botulinumtoxin und THS

Etwa 500 Teilnehmer aus 37 Ländern zog der 3rd International Congress on Treatment of Dystonia (ICD) Anfang Mai 2016 nach Hannover. Wie in den Jahren zuvor ging es darum, den State of the Art der Behandlung von Dystonien und verwandten Erkrankungen darzustellen und die neuesten Therapiefortschritte zu präsentieren. Neben Verfahren zur Beeinflussung verschiedener Musikerdystonien standen dabei die Dystoniebehandlung mit Botulinum Neurotoxin (BoNT) und neurochirurgische Verfahren wie die Tiefe Hirnstimulation (THS) im Mittelpunkt.

Individuell angepasste BoNT-Behandlung der CD
Injektionsintervalle optimierbar

Unter der Behandlung mit dem einzigen komplexproteinfreien Botulinum- Neurotoxin Typ A (BoNT/A)-Präparat IncobotulinumtoxinA (Xeomin®) wurde seit mehr als zehn Jahren kein einziger Fall eines Antikörper-induzierten Therapieversagens bei therapienaiven Patienten beobachtet. Dies bietet eine sehr gute Voraussetzung, um die Injektionsintervalle flexibler auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten anzupassen. Diese und weitere aktuelle Anforderungen an die BoNT-Therapie der zervikalen Dystonie (CD) schilderten jetzt renommierte Experten auf einem Satellitensymposium von Merz beim 3. ICD in Hannover.

Quelle: Satellitensymposium: „Practical guidance for management involving treatment of botulinum toxin: a consensus statement“, 3. International Congress on Dystonia (ICD), Hannover, 5. Mai 2016. Veranstalter: Merz Pharmaceuticals

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2018, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum