Multiple Sklerose

7th Joint ECTRIMS/ACTRIMS Meeting, 25.−28. Okt. 2017 in Paris
Progressive MS-Formen im Fokus von Forschung und Therapie

Ende Oktober fand das 7. gemeinsame Treffen des European und Americas Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS/ACTRIMS) statt. Wie die Organisatoren mitteilten, fanden 10 157 Besucher aus fast 100 Ländern den Weg nach Paris. Ein klarer wissenschaftlicher Fokus lag auf diesem Kongress bei den progressiven Verlausformen. Dies betraf sowohl den Übergang von einer schubförmigen MS (RRMS) in eine sekundär-progressive MS (SPMS) und den Verlauf bei Patienten mit primär-progressiver MS (PPMS) als auch neue bzw. zukünftige Behandlungsoptionen. Neben zahlreichen Erstpräsentationen neuer Phase-II- und -III-Studienergebnisse wurden neue MS-Leitlinien und überarbeitete Diagnosekriterien vorgestellt.

Hochdosiertes, pharmazeutisch reines Biotin bei progredienter MS
MD1003 auch im „Real life" wirksam

MD1003 hat sich in der Behandlung von Patienten mit primär und sekundär progredienter MS in der Phase-III-Studie MS-SPI in der Verbesserung vorbestehender Behinderungen als wirksam erwiesen. Jetzt wurden auf einem von MedDay unterstützten Satellitensymposium auf dem 7. gemeinsamen ECTRIMS/ACTRIMS-Treffen neue unterstützende klinische Daten vorgestellt.

Quelle: Satellitensymposium: „New horizons in progressive multiple sclerosis“, 7. gemeinsames ECTRIMS/ACTRIMS-Treffen, 26. Okt. 2017, Paris. Unterstützt von MedDay

Erste orale Kurzzeittherapie
Neue ECTRIMS-Daten zu Cladribin

Seit September dieses Jahres sind Cladribin-Tabletten auch in der EU für MS-Patienten mit hoher Krankheitsaktivität zugelassen. Die Kurzzeittherapie mit oraler Verabreichung an maximal 20 Tagen innerhalb von zwei Jahren hat nachweislich eine bis zu vier Jahre anhaltende klinische Wirkung. Die Wirksamkeit von Cladribin bei schubförmiger MS bestätigen nun verschiedene Studienauswertungen, die beim 7. gemeinsamen ECTRIMS/ACTRIMS-Kongress in Paris vorgestellt wurden. Außerdem belegen neue Sicherheitsanalysen das positive Risiko-Nutzen-Profil dieser oralen Kurzzeittherapie.

Quelle: Poster Poster P1143, P1878, P1142, P667, P1141 und P770, 7. gemeinsamer ECTRIMS-/ACTRIMS-Kongress, Paris, 24–28. Okt. 2017 Cladribin-Tabletten: Mavenclad®

COPTIVITY-Analyse beim ECTRIMS
Vorteile nach Umstellung auf GA40

Seit etwa drei Jahren ist das immunmodulatorische Glatirameracetat (GA) für Patienten mit schubförmiger MS auch als dreimal wöchentliche Injektion von 40 mg (GA40) verfügbar. Ein beim ECTRIMS 2017 in Paris vorgestelltes, von TEVA unterstütztes Poster belegt nun anhand der Interimsanalyse der nicht-interventionellen Studie COPTIVITY das Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofil in der „Real world“. Neben der Schubrate besserten sich auch Patient-reported Outcomes (PRO) wie Fatigue und Kognition.

Quelle: Poster Ziemssen T et al.: Multicenter open-label non-interventional study assessing the alteration of activity in ambulatory patients with relapsing forms of MS (RMS) under treatment with COPAXONE 40 mg tiw – results of an interim analysis of the NIS COPTIVITY, Poster P2.1273, ECTRIMS 2017, Paris. Unterstützt von Teva Glatirameracetat: Copaxone®

Subanalysen der MS-STAT-Studie
Doch mehr dran an Statinen bei SPMS?

In der randomisierten, Placebo-kontrollierten MS-STAT-Studie hatte hochdosiertes Simvastatin bei Patienten mit sekundär-progressiver MS (SPMS) die jährliche Hirnatrophie- Rate verringert. Jetzt wurden diverse sekundäre Endpunkte wie Kognition, neuropsychiatrische Symptome (NPS) und Lebensqualität ausgewertet.

Quelle: Chan D et al.: Effect of high-dose simvastatin on cognitive, neuropsychiatric, and health-related quality- of-life measures in secondary progressive multiple sclerosis: secondary analyses from the MS-STAT randomised, placebo-controlled trial. Lancet Neurol 2017; 16(8): 591-600

Dimethylfumarat und Natalizumab
Die Therapie an der MS-Aktivität ausrichten

Mit Dimethylfumarat (DMF) steht seit mehr als drei Jahren für die schubförmige MS eine orale verlaufsmodifizierende Therapie zur Verfügung. Für Patienten mit (hoch) aktiver MS besteht mit Natalizumab eine hochwirksame Option. Der Stellenwert dieser Therapien und aktuelle Behandlungsdaten aus der „Real world“ waren Gegenstand eines Biogen-Symposiums auf dem 90. DGN-Kongress in Leipzig.

Quelle: Satellitensymposium: „Therapie der Multiplen Sklerose: Vielfalt – Individualisierung – Orientierung“, 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Leipzig, 21. Sept. 2017. Unterstützt von Biogen Dimethylfumarat (DMF): Tecfidera® Natalizumab: Tysabri

Achtjahresdaten
Persistenz und Adhärenz unter „Injectables"

Ein kanadisches Team untersuchte über annähernd acht Jahre die Persistenz mit den klassischerweise als First-line-Therapie eingesetzten Basistherapeutika, die Gründe für Therapieunterbrechungen und die Adhärenz der Patienten.

Quelle: Melesse DY et al.: Persistence to disease-modifying therapies for multiple sclerosis in a Canadian cohort Patient Prefer Adherence 2017;11: 1093-101

RMS- und PPMS-Therapie mit Ocrelizumab
ECTRIMS: Neue Daten und neue Endpunkte

Beim ECTRIMS in Paris vorgestellte Daten zur Therapie mit Ocrelizumab bei schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) und primär progredienter MS (PPMS) bestätigen die hohe Wirksamkeit und das günstige Sicherheitsprofil des Anti-CD20-Antikörpers. Zudem wurden mit „PIRA“ und „SEL“ zwei neue Parameter vorgestellt, mit denen sich die Progression bzw. MRT-Aktivität bei progressiven MS-Formen besser erfassen lassen.

Quelle: Satellitensymposien: „Beyond the lightbulb: exploring the known unknown“ und „Turning the lights on: Seeing is believing“, 7. gemeinsamer ECTRIMS-/ACTRIMS-Kongress, Poster und Präsentationen, Paris, 26. bzw. 27. Okt. 2017 Ocrelizumab: voraussichtlicher Handelsname Ocrevus®

Über 60 Jahre nachverfolgt
Sterblichkeit und Todesursachen bei MS

In einer norwegischen Kohortenstudie wurde über 60 Jahre nachverfolgt, woran MS-Patienten sterben und ob ihre Mortalität gegenüber der Bevölkerung erhöht ist. Das scheint auch heute noch so zu sein, aber offenbar geht es bergauf.

Quelle: Lunde HMB et al.: Survival and cause of death in multiple sclerosis: a 60-year longitudinal population study. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2017; 88(8): 621-25

90. Kongress der DGN, 20.–23. September 2017 in Leipzig
Update des Neurologie-Spektrums

Zum 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Leipzig kamen rund 6000 deutsche und internationale Besucher. Die vier Tage waren dem Update des gesamten Spektrums der Neuromedizin gewidmet – von Schlaganfall über Demenzen, Bewegungsstörungen, MS etc. bis zu seltenen Erkrankungen.

„Innenwahrnehmung"
Fatigue und autonome Symptome korrelieren

Die Annahme, dass die bei MS-Patienten häufigen subjektiven kognitiven Fatigue-Erscheinungen und Symptome des autonomen Nervensystems auf dem gemeinsamen interozeptiven Netzwerk beruhen, untersuchte jetzt ein deutsch-niederländisches Team.

Quelle: Sander C et al.: Subjective cognitive fatigue ... Front Neurol 2017; 8: 475 [Epub 13. Sept.; doi:10.3389/ fneur.2017.00475]

MS-Behandlung mit Ocrelizumab
Behinderungsprogression schon früh gebremst

Sowohl bei der schubförmig-remittierenden MS (RRMS) als auch bei der primär und sekundär progredienten MS (PPMS, SPMS) ist das zentrale Behandlungsziel, die Behinderungsprogression möglichst früh im Verlauf zu verlangsamen. Dass das in klinischer Prüfung befindliche Ocrelizumab die Krankheitsprogression zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung bremsen kann, berichten jetzt Experten auf einem Satellitensymposium des Unternehmens Roche beim diesjährigen DGN-Kongress in Leipzig.

Quelle: Satellitensymposium: „RMS und PPMS – Gemeinsamkeiten und Unterschiede“, 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Leipzig, 21. Sept. 2017. Veranstalter Roche Ocrelizumab: voraussichtl.Handelsname Ocrevus®

Drei Fallberichte
CAVE: Leberschäden nach Kortikosteroidpuls

Hochdosiertes Methylprednisolon i.v. (IVMP) für drei oder fünf Tage ist die Standardbehandlung eines akuten MS-Schubes. Jetzt berichten spanische Neurologen von drei Fällen einer schwerer Hepatotoxizität – und machen Vorschläge für das Management dieser vielleicht doch nicht so seltenen Komplikation.

Quelle: Hidalgo de la Cruz M et al.: Hepatotoxicity after high-dose intravenous methylprednisolone in multiple sclerosis patients. Clin Case Rep 2017; 5(8): 1210-12

Anti-CD52-Antikörper Alemtuzumab
Auch die Hirnatrophie-Zunahme wird verlangsamt

Ohne eine kontinuierliche MS-Medikation kann mit einer Impulstherapie mit Alemtuzumab den klinischen Studien zufolge eine anhaltende klinische Wirksamkeit erzielt werden. Diese umfasst sowohl eine anhaltende Schubratenreduktion als auch die Verlangsamung der Behinderungsprogression. Diese Effekte einschließlich der positiven Wirkungen des monoklonalen CD52-Antikörpers auf die Hirnatrophie, schilderten nun MS-erfahrene Neurologen auf einem von Sanofi Genzyme unterstützten Satellitensymposium beim 90. DGN-Kongress in Leipzig.

Quelle: Satellitensymposium: „Der sichere Umgang mit Multiple Sklerose-Patienten“, 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Leipzig, 21. Sept. 2017. Unterstützt von Sanofi Genzyme Alemtuzumab: Lemtrada®

Azathioprin, Mitoxantron, Cyclophosphamid
CAVE: Krebsrisiko unter Immunsuppressiva

Die Studienlage ist uneinheitlich: Entwickeln MS-Patienten gehäuft maligne Neubildungen oder nicht? Und hat die Behandlung, besonders mit klassischen Immunsuppressiva, auf das Krebsrisiko einen Einfluss? Diese Zusammenhänge wurden jetzt in einer großen italienischen Kohortenstudie untersucht.

Quelle: Ragonese P et el.: Association between multiple sclerosis, cancer risk, and immunosuppressant treatment: a cohort study. BMC Neurol 2017; 17(1): 155 [Epub 8. Aug.; doi: 10.1186/s12883-017-0932-0]

Pharma Neu
Cladribin-Tabletten zugelassen
Die Europäische Kommission hat am 25. Aug. 2017 die Marktzulassung für Cladribin-Tabletten (MAVENCLAD® 10 mg) des Unternehmens Merck für die Behandlung der schubförmigen MS bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität in den 28 Ländern der EU und in Island,
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European Academy of Neurology, 24.–27. Juni 2017 in Amsterdam
Multiple Sklerose, Demenz und Migräne − Neues vom EAN

In Amsterdam trafen sich die europäischen Neurologen zu ihrem Jahreskongress − mehr als 6000 Besucher kamen. Das übergreifende Thema des 3rd Congress der European Academy of Neurology (EAN) war „Outcome measures in Neurology“. Die Sessions umfassten das gesamte Spektrum der neurodegenerativen, entzündlichen, traumatischen und übrigen neurologischen Erkrankungen

Oxidativer Stress bei progressiver MS
Glutathion-Mangel korreliert mit Hirnatrophie

Der Theorie nach wird die Hirnatrophie durch oxidativen Stress gefördert. Ob die Konzentrationen an Glutathion (g-L-Glutamyl-L-Cysteinylglycin; GSH) als dem wichtigsten nicht-enzymatischen Antioxidans im Hirngewebe bei Patienten mit progressiver MS verringert ist, wurde jetzt in vivo in einer US-Bildgebungsstudie geprüft.

Quelle: Choi IY et al.: In vivo evidence of oxidative stress in brains of patients with progressive multiple sclerosis. Mult Scler 2017; 1352458517711568 [Epub 1. Juni; doi: 10.1177/1352458517711568]

Teriflunomid in der MS-Therapie
Auch wichtige Effekte auf die Fatigue und die Kognition

Beim „3. MS Special(ists)-Presseworkshop“ von Sanofi-Genzyme schilderten MS-Experten in Hamburg, wie sich die orale Therapie mit Teriflunomid auf Symptombereiche wie Fatigue und kognitive Beeinträchtigungen sowie auf die Therapiezufriedenheit der Patienten auswirkt. Sie plädieren dafür, diese „unsichtbaren Symptome“ der MS von Anfang an im Blick zu haben.

Quelle: Presseworkshop: MS-Workshop „3. MS Special(ists)“, Hamburg, 09.08.2017. Veranstalter: Sanofi Genzyme Teriflunomid: Aubagio®

Ocrelizumab bei schubförmiger MS
Schnelle Kontrolle der Krankheitsaktivität

Das in den USA bereits zugelassene und in Europa im Zulassungsverfahren befindliche Ocrelizumab führt innerhalb weniger Wochen nach Behandlungsbeginn zu einer signifikanten Reduzierung der klinischen und radiologischen MS-Aktivität. Diese Daten zu dem B-Zell-depletierenden monoklonalen Anti-CD20-Antikörper wurden auf einer „Platform Presentation“ zur MS beim 69. Jahrestreffen der AAN in Boston vorgestellt.

Quelle: Scientific Presentation: Hauser SL: Rapidity of onset of ocrelizumab clinical efficacy in relapsing multiple sclerosis. Platform Presentation „MS Therapeutics and Clinical Research II“ (S31.002), 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN), Boston, 26.04.2017 Ocrelizumab

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