Kopfschmerz/Schmerz

AAN 2018: Fremanezumab bei episodischer Migräne
Kopfschmerztage und Beeinträchtigung signifikant verringert
Eine episodische Migräne (EM) neigt zur Progression zur chronischen Migräne. Die Wirksamkeit des – noch nicht zugelassenen – humanisierten monoklonalen CGRP-Antikörpers Fremanezumab bei EM-Patienten zeigt jetzt u. a. ein auf der 70. AAN-Jahrestagung von Teva unterstütztes Poster. Für beide Dosierungen wurde eine signifikante Prävention der monatlichen Tage mit Kopfschmerz und Einnahme einer Akutmedikation belegt. Die kopfschmerzbedingten Beeinträchtigungen wurden signifikant geringer.
Posterpräsentation: P4.093 Dodick D et.: Efficacy and safety of 2 dose regimens of subcutaneous administration of fremanezumab versus placebo for the preventive treatment of episodic migraine. 70. Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN), Los Angeles, 25. April 2018. Poster unterstützt von Teva.
Telemedizinische Betreuung bei Kopfschmerz
Genauso wirksam und sicher wie der Arztbesuch?

In einer randomisierten Nicht-Unterlegenheitsstudie (‚noninferiority trial‘) in Norwegen wurde untersucht, ob die telemedizinische Betreuung von Patienten mit nicht-akutem Kopfschmerz auf längere Sicht genauso wirksam und sicher ist wie eine herkömmliche ärztliche Konsultation.

Quelle: Müller KI et al.: A randomized trial of telemedicine efficacy and safety for nonacute headaches. Neurology 2017; 89(2): 153-62

Riesige Metaanalyse zur Migräne
Hohe Schlaganfall- und Herzinfarktgefahr
Das bei Migränepatienten erhöhte Risiko für kardio- bzw. zerebrovaskuläre Ereignisse bestätigt jetzt eine große Metaanalyse an zusammen mehr als einer Million Studienteilnehmern auf sehr eindrucksvolle Weise. Das Langzeitrisiko der Migränekranken über fast 20 Jahre war um 42% bzw. 23% erhöht. Aura-Patienten starben häufiger.
Mahmoud AN et al.: Migraine and the risk of cardiovascular and cerebrovascular events: a meta-analysis of 16 cohort studies including 1 152 407 subjects. BMJ Open 2018; 8(3): e020498 [Epub 27. März; doi: 10.1136/bmjopen-2017-020498]]
Schlafdaten vom Handgelenk
Migräneattacken zu 84% schon am Vortag vorhersagbar
Bei Patienten mit häufiger Migräne kann die nächste Attacke allein anhand der − mittels komplexer Algorithmen individuell ausgewerteten − Schlafdaten eines Handgelenk-Trackingarmbandes mit einer hohen Genauigkeit berechnet werden. Dies ist das Ergebnis einer sehr kleinen explorativen Studie finnischer Forscher.
Siirtola P et al.: Using sleep time data from wearable sensors for early detection of migraine attacks. Sensors (Basel) 2018; 18(5): pii: E1374 [Epub 28. Apr.; doi: 10.3390/s18051374]
Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz
Welche Patienten sind besonders gefährdet?
Die Risikofaktoren für die Entwicklung eines Analgetika- bzw. Medikamentenübergebrauchs- Kopfschmerzes (MOH) wurden bislang hauptsächlich in der Bevölkerung, kaum in klinischen Patientengruppen untersucht. Dies leistete jetzt ein US-Team bei Patienten, die wegen einer primären Kopfschmerzerkrankung ärztliche Hilfe gesucht hatten. Es konnten drei Faktoren ermittelt werden.
Peck KR et al.: Faktors associated with medication- overuse headache in patients seeking treatment for primary headache. Headache 2018 [Epub 9. März; doi: 10.1111/head.13294]
Nach einer Kopfverletzung
Kopfschmerzrisiko fast verdoppelt

Nach Kopfverletzungen sind Kopfschmerzen das häufigste Akutsymptom. In der Nord-Trøndelag Health Study (HUNT) wurde jetzt überprüft, ob die Inzidenz eines erstmaligen Kopfschmerzes bzw. die Wahrscheinlichkeit für eine Exazerbation in den Jahren nach der Kopfverletzung erhöht ist. Die norwegischen Forscher fanden eine deutliche Risikosteigerung.

Quelle: Nordhaug LH et al.: Headache following head injury: a population-based longitudinal cohort study (HUNT). J Headache Pain 2018;19(1): 8 [Epub 22. Jan.; doi: 10.1186/s10194-018-0838-2]

Eurolight-Studie zur Migräne
Viele Patienten sind unzureichend behandelt

Eurolight ist eine Fragebogen-basierte Querschnittsstudie in zehn europäischen Ländern. Jetzt wertete ein internationales Team von Kopfschmerzexperten die Daten zur Akutbehandlung und Prävention der Migräne durch Haus- und Fachärzte aus. Danach ist die Migräne heute massiv unterdiagnostiziert und unterbehandelt.

Quelle: Katsarava Z et al.: Poor medical care for people with migraine in Europe - evidence from the Eurolight study. J Headache Pain 2018; 19(1): 10 [Epub 1. Feb.; doi 10.1186/s10194-018-0839-1]

Placebo-kontrollierte Studien
Drei CGRP-Antikörper zur Prävention der Migräne in der Entwicklung

In Entwicklung befindliche Antikörper gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bzw. dessen Rezeptor haben sich in drei jüngst hochrangig veröffentlichten Phase-III- bzw. IIb-Studien in der Prävention der episodischen bzw. chronischen Migräne als wirksam erwiesen. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Quelle: Goadsby PJ et al.: A controlled trial of erenumab for episodic migraine. N Engl J Med 2017; 30; 377(22): 2123-32; Silberstein SD et al.: Fremanezumab for the preventive treatment of chronic migraine. N Engl J Med 2017; 377(22): 2113-22; Skljarevski V et al.: Effect of different doses of galcanezumab vs placebo for episodic migraine prevention: a randomized clinical trial. JAMA Neurol 2018; 75(2): 187-93

Stellenwert, Chancen und Risiken
CGRP-Antikörper zur Migräne-Prävention

Der Stellenwert monoklonaler Antikörper in der Behandlung des chronischen Rückenschmerzes und der Migräne-Prophylaxe wurde von Schmerzexperten auf einem von Teva unterstützten Satellitensymposium auf dem Deutschen Schmerzkongresses 2017 dargelegt. Das hohe Potenzial der – noch nicht zugelassenen – Antikörper gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) in der Migräne-Prävention belegen u. a. die aktuellen Ergebnisse der Phase-II- und -III-Studien zu Fremanezumab.

Quelle: Satellitensymposium: „Die Herausforderungen in der Behandlung der Volkskrankheiten Migräne und Chronischer Rückenschmerz“, Deutscher Schmerzkongress (DGSS), Mannheim, 13. Okt. 2017. Veranstalter: TEVA

Chronischer Cluster-Kopfschmerz
Das optimale Vorgehen bei der THS

Etliche Patienten mit chronischem Cluster-Kopfschmerz (CCH) sprechen auf die Therapie mit Sauerstoffinhalation, Triptanen, Verapamil etc. nicht oder nicht ausreichend an. In diesen Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation (THS) des ventralen tegmentalen Areals (VTA) Erleichterung bringen. Britische Neurologen/Neurochirurgen berichten anhand einer kleinen Fallserie über die Ergebnisse der hochfrequenten THS bei mehrfach therapierefraktären CCH-Patienten. Sie stellen ihr prä- und intraoperatives Vorgehen dar und beschreiben die optimalen Zielstrukturen innerhalb des VTA.

Quelle: Akram H et al.: Optimal deep brain stimulation site and target connectivity for chronic cluster headache. Neurology 2017; 89(20): 2083-91

Schlaganfallgefahr bei Frauen mit Migräne
Aktuelle Konsensempfehlungen zur Kontrazeptiva-Verordnung

Migräne-Patienten haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, vor allem jene mit Aura. Mit der Frage, ob das Risiko durch hormonelle Kontrazeptiva noch vergrößert wird, befasste sich eine Arbeitsgruppe der European Headache Federation (EHF) und der European Society of Contraception and Reproductive Health (ESC). Nach ihrer systematischen Datenschau formulierten die Fachgesellschaften 13 Konsensus-basierte Empfehlungen.

Quelle: Sacco S et al.: Hormonal contraceptives and risk of ischemic stroke in women with migraine: a consensus statement from ... J Headache Pain 2017; 18(1): 108 [Epub 30. Okt.; doi: 10.1186/s10194-017-0815-1]

Prävention bei vestibulärer Migräne
Venlafaxin, Flunarizin und Valproat verglichen

Die Behandlungsoptionen bei vestibulärer Migräne (VM) sind eher experten- als evidenzbasiert. Nun wurden mit Venlafaxin, Flunarizin und Valproat drei prophylaktisch eingesetzte Medikamente in einer kleinen Head-to-head-Studie miteinander verglichen. Vorrangig ging es um die Schwindelvermeidung.

Quelle: Liu F et al.: The efficacy of venlafaxine, flunarizine, and valproic acid in the prophylaxis of vestibular migraine. Front Neurol 2017; 8: 524 [Epub 11. Okt.; doi: 10.3389/fneur.2017.00524]

Monoklonale CGRP-Antikörper
Eine neue Ära der Migräneprophylaxe?

Zwei ausgewiesene Kopfschmerzexperten aus Großbritannien befassten sich in einer Übersichtsarbeit mit den neuen, noch in klinischer Prüfung befindlichen monoklonalen Calcitonin gene-related peptide (CGRP)-Antikörpern zur Prävention von Migräneattacken. Eine Übersicht und ein Statement.

Quelle: Tso AR, Goadsby PJ: Anti-CGRP monoclonal antibodies: the next era of migraine prevention? Curr Treat Options Neurol 2017; 19(8): 27 [Epub 27. Juni; doi: 10.1007/s11940-017-0463-4]

Chronischer Kopfschmerz
Gibt es prognostische Faktoren?

Werden Migräne und Spannungskopfschmerz chronisch, leidet die Lebensqualität der Betroffenen massiv. In einem systematischen Review befasste sich nun ein britisches Team mit möglicherweise prognostisch relevanten Faktoren für das Outcome von Patienten mit chronischen Kopfschmerzerkrankungen – sowohl in klinischen Studien als auch bezüglich der Gesamtprognose.

Quelle: Probyn K et al für das CHESS Team: Prognostic factors for chronic headache: A systematic review. Neurology 2017; 89(3): 291-301

Chronischer Kopfschmerz
Hilft PEGASUS?

In einer schwedischen randomisierten Studie wurde der Nutzen des strukturierten Edukationsprogramms Psychoeducational groups for adults with ADHD and their significant others (PEGASUS) geprüft.

Quelle: Hirvikoski T et al.: Psychoeducational groups for adults ... Eur Psychiatry 2017;44: 141-52

Orale Migräne-Prävention
Die Abbruchraten sind extrem hoch

Derzeit werden zur präventiven Migränebehandlung verschiedene orale Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika eingesetzt, die sich nicht immer durch die beste Verträglichkeit auszeichnen. Anhand von US-Verschreibungsdaten wurde nun untersucht, wie viele Patienten mit chronischer Migräne diese Prophylaktika absetzen und wie viele auf ein anderes Medikament wechseln. Die Abbruchraten sind, wie den klinischen Efahrungen nach zu erwarten war, extrem hoch.

Quelle: Hepp Z et al.: Persistence and switching patterns of oral migraine prophylactic medications among patients with chronic migraine: A retrospective claims analysis. Cephalalgia 2017; 37(5): 470-85

Episodische Migräne
Komorbide Schmerzen sprechen für spätere Kopfschmerz-Chronifizierung

Migräne-Patienten haben eine hohe Komorbidität an anderen Schmerzbildern. Tragen diese zum Übergang von einer episodischen zu einer chronischen Migräne bei? Dieser Frage gingen US-Forscher anhand der großen Chronic Migraine Epidemiology and Outcomes Study (CaMEO) nach.

Quelle: Scher AI et al.: Comorbid pain and migraine chronicity: the Chronic Migraine Epidemiology and Outcomes Study. Neurology 2017; 89(5): 461-68

European Academy of Neurology, 24.–27. Juni 2017 in Amsterdam
Multiple Sklerose, Demenz und Migräne − Neues vom EAN

In Amsterdam trafen sich die europäischen Neurologen zu ihrem Jahreskongress − mehr als 6000 Besucher kamen. Das übergreifende Thema des 3rd Congress der European Academy of Neurology (EAN) war „Outcome measures in Neurology“. Die Sessions umfassten das gesamte Spektrum der neurodegenerativen, entzündlichen, traumatischen und übrigen neurologischen Erkrankungen

Vermehrtes periaquäduktales Grau
Biomarker für die episodische Migräne?

Migräne-Patienten zeigen in der Bildgebung gegenüber Gesunden diverse regionale Hirnvolumen-Abweichungen. In einer MRT-Pilotstudie untersuchten chinesische Wissenschaftler, ob die Größe des periaquäduktalen Grau (PAG) bei Patienten mit episodischer und chronischer Migräne verändert ist und ob dies ggf. mit klinischen Variablen in Zusammenhang steht.

Quelle: Chen Z et al.: Volume expansion of periaqueductal gray in episodic migraine: a pilot MRI structural imaging study. J Headache Pain 2017;18(1): 83 [Epub 15. Aug 15; doi: 10.1186/s10194-017-0797-z]

Begleitsymptome der Migräne
Individuelle und ökonomische Belastungen durch Übelkeit und Erbrechen

Neben Photo- und Phonophobie sind Übelkeit und Erbrechen sehr häufige Begleitsymptome von Migräne-Attacken. Wie stark sind die Belastungen der Patienten wirklich? Die individuellen und auch die ökonomischen Folgen wurden jetzt in den USA an einer großen Zahl von Migräne-Patienten untersucht.

Quelle: Gajria K et al.: Humanistic and economic burden of nausea and vomiting among migraine sufferers. J Pain Res 2017; 10: 689-98

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