Epilepsie

Epilepsie-Patienten mit Angststörung oder Depression
Kognitive Verhaltenstherapie nutzt kaum

Patienten mit Epilepsie leiden häufig auch unter Depressionen und Angststörungen. Generell empfohlen werden hier psychotherapeutische Maßnahmen, vor allem die Kognitive Verhaltenstherapie (Cognitive behavior therapy, CBT). Die Ergebnisse einer systematischen Überprüfung relevanter Studien waren jedoch ernüchternd: Für die CBT wurde bei depressiven Epilepsie-Patienten ein nur geringer Nutzen festgestellt.

Quelle: Noble AJ et al.: Cognitive-behavioural therapy does not meaningfully reduce depression ... J Neurol Neurosurg Psychiatry 2018 (Epub: 7. Mai 2018; doi: 10.1136/jnnp-2018-317997)

Enzyminduzierende Antiepileptika
CAVE: Netzhaut- und Nierengefäße leiden

Die bei vielen Patienten notwendige antiepileptische Langzeittherapie kann die Atherosklerose großer Gefäße fördern. Eine taiwanische Arbeitsgruppe fand jetzt auch eine erhöhte Rate mikroangiopathischer Veränderungen in Netzhaut und Niere.

Quelle: Chen NC et al.: Risk of microangiopathy in patients with epilepsy under long-term antiepileptic drug therapy. Front Neurol 2018; 9: 113 [Epub 12. März.; doi: 10.3389/fneur.2018.00113]

Vagusnervstimulation (VNS)
Response mittels HRV vorhersagbar?

Bei Patienten mit arzneimittelresistener Epilepsie wird häufig die Vagusnervstimulation (VNS) eingesetzt, doch ob und wie stark die Patienten ansprechen, ist schwer vorherzusagen. Eine chinesische Forschergruppe untersuchte nun, inwieweit sich die präoperative Herzraten-Variabilität (HRV) als Prognosefaktor für eine Response eignet.

Quelle: Liu HY et al.: Preoperative heart rate variability as ... Scientific reports 2018; 8, 3856 (Epub ahead 01. März 2018; doi: 10.1038/s41598-018-21669-3)

Systematische Übersicht
Wie wirksam ist die Radiotherapie bei therapierefraktärer fokaler Epilepsie?

Geschätzte 20–40% der Erwachsenen mit epileptischen Anfällen sind therapieresistent. Mit den Erfolgsaussichten und Risiken einer Bestrahlung von Patienten mit nicht-onkologisch bedingten fokalen Krampanfällen befasste sich nun ein Team von Maastrichter und Dresdner Radiologen, Neurochirurgen und Onkologen in einer systematischen Übersichtsarbeit.

Quelle: Eekers DBP et al.: Evidence on the efficacy of primary radiosurgery or stereotactic radiotherapy for drug-resistant non-neoplastic focal epilepsy in adults: A systematic review. Seizure 2018; 55: 83-92

Therapierefraktäre Patienten mit Lennox-Gastaut-Syndrom
Cannabidiol als Add-on ist wirksam

Das Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) ist ein seltenes, schweres Epilepsiesyndrom, das häufig mit starken kognitiven Beeinträchtigungen einhergeht. Die allermeisten LGSPatienten sind gegenüber den üblicherweise eingesetzten Antikonvulsiva therapierefraktär. In einer klassischen randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie wurde erstmals geprüft, ob sich Cannabidiol als Zusatztherapie auf die Krampfanfälle bei therapierefraktären LGS-Patienten auswirkt.

Quelle: Thiele EA et al. für die GWPCARE4 Study Group: Cannabidiol in patients with seizures associated with Lennox-Gastaut syndrome... Lancet 2018; [Epub 25. Jan.; doi: 10.1016/S0140-6736(18)30136-3]

Bevölkerungsbasierte Längsschnittstudie
Therapie und Ressourcennutzung bei therapierefraktärer Epilepsie

Die Beeinträchtigungen der Patienten durch eine mehrfach therapierefraktäre Epilepsie sind enorm. Anhand deutscher Versicherungsdaten wurden jetzt retrospektiv über drei Jahre Morbidität und Mortalität dokumentiert sowie die Ressourcennutzung und die Kosten erfasst.

Quelle: Strzelczyk A et al.: The burden of severely drug-refractory epilepsy: a comparative longitudinal evaluation of mortality, morbidity, resource use, and cost using German health insurance data. Front Neurol 2017; 8: 712 [Epub 22. Dez.; doi: 10.3389/fneur.2017.00712]

Sudden unexpected death in epilepsy (SUDEP)
Prävalenz, Risikofaktoren und Praxisempfehlungen

Ein Subkomitee der American Academy of Neurology (AAN) und der American Epilepsy Society (AES) hat im Rahmen einer Praxis-Guideline zur Inzidenz, zu den Risikofaktoren und zur Patientenberatung beim Sudden unexpected death von Epilepsie-Patienten (SUDEP) Stellung genommen.

Quelle: Harden C et al.: Practice guideline summary: Sudden unexpected death in epilepsy incidence rates and risk factors: Report of the Guideline Development, Dissemination, and Implementation Subcommittee of the American Academy of Neurology and the American Epilepsy Society. Neurology 2017; 88(17): 1674-80

Kopfschmerz bei Epilepsie-Patienten
Gegenseitige Komorbidität und gemeinsame Pathomechanismen?

Epilepsie und Kopfschmerz, insbesondere Migräne, teilen außer genetischen Dispositionen auch klinische Merkmale und pathophysiologische Mechanismen. Koreanische Neurologen fassten nun die Charakteristika des Kopfschmerzes bei Epilepsie-Patienten sowie pathophysiologische Gemeinsamkeiten zusammen.

Quelle: Kim DW, Lee SK: Headache and Epilepsy. J Epilepsy Res 2017; 7(1): 7-15

Kinder mit TS-bedingten Anfällen
Ketogene Diät wirkt auch auf die Kognition und das Verhalten

Die Tuberöse Sklerose (TS) führt bei bis zu 90% der Kinder zu – häufig schwer behandelbaren – Krampfanfällen. In einer retrospektiven Studie wurden die Effekte einer ketogenen Diät auf die bislang therapierefraktären Anfälle der Kinder mit TS sowie auf Kognition und Verhalten geprüft.

Quelle: Park S et al.: Ketogenic diet for the management of epilepsy associated with tuberous sclerosis complex in children. J Epilepsy Res 2017; 7(1): 45-9

Von DESITIN gesponsort: Wissenschaftspreis der GNP 2017
Neuropädiatrie-Preis für die Erforschung des mTOR1-Signalwegs bei der Tuberösen Sklerose

Die Gesellschaft für Neuropädiatrie e.V. (GNP) verleiht jedes Jahr den von der DESITIN Arzneimittel GmbH in Hamburg gesponserten Wissenschaftspreis. In diesem Jahr wurde Dr. Darius Ebrahimi-Fakhari für die Arbeit „Impaired Mitochondrial Dynamics And Mitophagy In Neuronal Models Of Tuberous Sclerosis Complex“* ausgezeichnet. Die Preisübergabe erfolgte auf der 43. Jahrestagung der GNP in Bad Nauheim am 28.4.2017.

Erwachsene mit refraktärem Status epilepticus
Tod und Behinderung nach einem Jahr?

Ein refraktärer bzw. superrefraktärer Status epilepticus (rSE bzw. srSE) geht erfahrungsgemäß mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher. In einer retrospektiven populationsbasierten Studie prüften finnische Mediziner an erwachsenen, auf einer Intensiv- Station behandelten Patienten, wie das Outcome über ein Jahr ist.

Quelle: Kantanen AM et al.: Long-term outcome of refractory status epilepticus in adults: A retrospective population- based study. Epilepsy Res 2017;133: 13-21

Frontale Lobektomie bei Pharmakoresistenz
Wie ist das neuropsychologische und motorische Outcome?

Bei Patienten mit mehrfacher Therapieresistenz werden auch frontale Lobektomien durchgeführt. Nach diversen Berichten über negative Folgen untersuchten Epileptologen aus Cleveland/USA anhand einer größeren retrospektiven Kohortenstudie, welche neuropsychologischen und motorischen Folgen zu erwarten sind.

Quelle: Busch RM et al.: Neuropsychological outcome following frontal lobectomy for pharmacoresistant epilepsy in adults. Neurology 2017; 88(7): 692-700

Epileptische Anfälle bei MS
Große Metaanalyse: Welche Risikofaktoren gibt es?

Im Krankheitsverlauf kann es bei MS-Patienten gar nicht so selten auch zu epileptischen Anfällen kommen, doch die Risikofaktoren für diese schwerwiegende Komplikation sind weitgehend unbekannt. Mit dieser Thematik befasste sich nun ein italienisches Teams anhand einer Metaanalyse.

Quelle: Gasparini S et al.: Risk factors for unprovoked epileptic seizures. Neurol Sci 2017 Epub 04.01.2017; doi: 10.1007/s10072-016-2803-7

Pharma-NEU
Everolimus bei TSC-assoziierter Epilepsie

Die Tuberöse Sklerose (TSC) ist eine relativ seltene genetische Systemerkrankung. Etwa 85% der Patienten entwickeln eine Epilepsie, meist im ersten Lebensjahr, die ohne adäquate Behandlung zu Entwicklungsverzögerungen führen kann. Unter Antiepileptika erreichen nur ca. 60% ...

CAVE teratogenes Potenzial
Kein Pregabalin bei Schwangeren?

Vor knapp einem Jahr wurde erstmals eine Studie zu einem erhöhten teratogenen Potenzial von Pregabalin veröffentlicht. Jetzt fassten zwei US-Neurologen die Studienevidenz zusammen – und auch sie warnen vor dem Einsatz bei schwangeren Frauen.

Quelle: Jutzeler CR et al.: Journal Club: Pregnancy outcome following maternal exposure to pregabalin may call for concern. Neurology 2017; 88(1): e5-e7 [Epub 3. Jan.; doi: 10.1212/WNL.0000000000003458];

Winterfeld U et al.: Pregnancy outcome following maternal exposure to pregabalin may call for concern. Neurology 2016; 14; 86(24): 2251-7

Schlafbezogene hypermotorische Anfälle
Langzeit-Outcome in großer Kohorte

Eine schlafbezogene hypermotorische Epilepsie (SHE) ist charakterisiert durch fokale Anfälle vorwiegend während des Non-REM-Schlafs. Das Langzeit-Outcome der SHEPatienten wurde in einer retrospektiven Studie über bis zu 30 Jahre untersucht.

Quelle: Licchetta L et al.: Sleep-related hypermotor epilepsy: Long-term outcome in a large cohort. Neurology 2017; 88(1): 70-7

Fallbericht: Unerwarteter Tod nach Fieberanfall
Ähnliche Pathophysiologie wie beim SUDEP?

US-Neurologen beschreiben den plötzlichen Tod eines 33 Monate alten Mädchens, das zuvor wiederholt komplexe Fieberanfälle hatte. Sie vermuten ähnliche pathophysiologische Mechanismen wie beim Sudden unexpected death in epilepsy (SUDEP).

Quelle: Dlouhy BJ et al.: Unexpected death of a child with complex febrile seizures – pathophysiology similar to sudden unexpected death in epilepsy? Front Neurol 2017; 8: 21 [Epub 1. Feb.; doi: 10.3389/fneur.2017.00021]

Pharma Neu
ESL jetzt für Kinder

Seit 2009 ist Eslicarbazepinacetat (Zebinix®, Eisai; Lizenzgeber BIAL) als Zusatztherapie für Erwachsene mit fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung zugelassen. Die Europäische Kommission hat der Indikationserweiterung auf die einmal tägliche ...

Antiepileptika-Therapie
Das sind die wesentlichen Prädiktoren für die Nicht-Adhärenz

Antiepileptika werden von vielen Patienten nicht zuverlässig eingenommen oder wieder abgesetzt. Wie groß das Problem ist und welche Merkmale die Betroffenen kennzeichnen, zeigt jetzt ein Forscherteam in einer Querschnittsstudie in Äthiopien auf.

Quelle: Getnet A et al.: Antiepileptic drug nonadherence and its predictors among people with epilepsy. Behav Neurol 2016; 3189108 [Epub 8. Dez.; doi: 10.1155/201 6/3189108]

Ketogene Diät bei Kindern
Weniger Notaufnahmen und weniger Klinikaufenthalte

Etwa ein Drittel aller Epilepsie-Patienten erweist sich gegenüber der Antiepileptika-Behandlung als refraktär. Besonders für die Kinder unter ihnen kommt die ketogene Diät in Frage. In den USA wurde nun anhand retrospektiver Daten geprüft, ob und inwieweit diese Therapie die Notaufnahmen und die stationären Klinikaufenthalte sowie die entsprechenden Kosten reduzieren kann.

Quelle: Kayyali HR et al.: Ketogenic diet decreases emergency room visits and hospitalizations related to epilepsy. Epilepsy Res Treat 2016: 5873208 [Epub 26. Sept.; doi: 10.1155/2016/5873208]

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