Dementielle Syndrome

Systolischen Blutdruck stärker kontrollieren?
Ab 130 mmHg steigt das Demenzrisiko

50-Jährige mit einem systolischen Blutdruckwert ab 130 mmHg tragen ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben eine Demenz zu entwickeln – auch wenn die Betroffenen bisher keinen Schlaganfall erlitten hatten. Darauf deutet jetzt eine Auswertung der Whitehall-II-Studie hin. Eine entscheidende Rolle spielt hier wohl die Zeitdauer, den die Betroffenen mit einem erhöhten Blutdruck gelebt haben.

Quelle: Abell JG et al.: Association between systolic blood pressure and dementia in theWhitehall II cohort study: role of age, duration, and threshold used to define hypertension Eur Heart J 2018 [Epub 12. Juni; doi:10.1093/eurheartj/ehy288]

Neuer Bluttest zur Alzheimer-Demenz
Risiko acht Jahre vor Symptombeginn sichtbar
Die degenerativen Prozesse bei einer Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) lassen sich mittels eines neuen Bluttests bereits Jahre vor den ersten klinischen Zeichen vorhersagen. Der innovative Test, der das DAT-typische fehlgefaltete beta-Amyloid (Ab) im Blut nachweist, wurde von deutschen Wissenschaftlern entwickelt und jetzt getestet.
Nabers A et al.: Amyloid blood biomarker detects Alzheimer’s disease. EMBO Mol Med 2018; e8763 [Epub 04. April; doi: 10.15252/emmm.201708763]
20-Jahresdaten der Studie ARIC-NCS
Kognitiver Abbau und Demenz bei VHF?
Ein Vorhofflimmern (VHF) ist in der Bevölkerung mit 1 bis 2% alles andere als selten. Jetzt wurde anhand der Atherosclerosis Risk in Communities Neurocognitive Study (ARIC-NCS) über 20 Jahre untersucht, ob die Rhythmusstörung das Risiko für einen kognitiven Abbau und eine Demenz-Erkrankung erhöht.
Chen LY et al.: Association of atrial fibrillation with cognitive decline ... J Am Heart Assoc 2018; 7(6): pii: e007301 [Epub 7 März ; doi: 10.1161/ JAHA.117.007301]
Heimbewohner mit Demenz und Depression
Verbessern Analgetika den Schlaf?

Studien weisen darauf hin, dass eine adäquate Schmerzbehandlung den Schlaf von Pflegeheimbewohnern verbessern kann. Nun wurde in Norwegen Placebo-kontrolliert untersucht, ob die Langzeitbehandlung mit Analgetika den Schlaf dementer Pflegeheimbewohner mit komorbider Depression verbessern kann.

Quelle: Blytt KM et al.: Long-term pain treatment did not improve sleep in nursing home patients with comorbid dementia and depression: a 13-week randomized placebo- controlled trial. Front Psychol 2018; 9: 134 [Epub 13. Feb.; doi: 10.3389/fpsyg.2018.00134]

FDG-PET bei MCI-Patienten
Ist die Konversion zur Alzheimer- Demenz vorhersagbar?

Japanische Neurologen untersuchten in einer multizentrischen Studie, inwieweit die kombinierte Beurteilung der Befunde einer 18F-Fluorodesoxyglucose-PET (18F-FDG-PET) und einer strukturellen MRT die Konversion von einer Mild Cognitive Impairment (MCI) zu einer Alzheimer-Demenz voraussagen kann.

Quelle: Inui Y et al.: Longer-term investigation of the value of 18F-FDG-PET and magnetic resonance imaging for predicting the conversion of mild cognitive impairment to Alzheimer‘s disease: a multicenter study. J Alzheimers Dis 2017; 60(3): 877-87]

Kognitives Training am Computer
Demenz-Inzidenz um ein Drittel verringert

Spezielle Kognitionstrainings können die kognitiven Fähigkeiten verbessern und altersbedingte funktionelle Verschlechterungen verzögern. Können sie aber auch die Entstehung einer Demenz beeinflussen? Nun wurde untersucht, inwieweit drei verschiedene kognitive Trainingsinterventionen am Computer das Demenz-Risiko über zehn Jahre verringern können.

Quelle: Edwards JD et al.: Speed of processing training results in lower risk of dementia. Alzheimers Dement (NY) 2017; 3(4): 603-11

Jenseits des Morbus Alzheimer?
Demenz bei den Ältesten der Alten

Menschen im Alter > 90 Jahre stellen das weltweit am stärksten wachsende Bevölkerungssegment. Dass eine Demenz unter den Hochbetagten oft spezielle und vor allem multiple Ursachen hat, legen nun zwei kalifornische Forscherinnen dar.

Quelle: Pierce AL, Kawas CH; Dementia in the oldest old: Beyond Alzheimer disease. PLoS Med 2017; 14(3): e1002263 [Epub 21. März; doi: 10.1371/journal. pmed.1002263]

Prävalenz und Diskriminierung
Neuropsychiatrische Symptome bei MNCD

Die im DSM-5 definierte „Leichte neurokognitive Störung“ (Mild neurocognitive disorder, MNCD) ist ein diagnostisches Konstrukt, das weitgehend mit dem einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (Mild cognitive impairment, MCI) übereinstimmt. Wie häufig sind neuropsychiatrische Symptome (NPS) bei MNCD-Patienten?

Quelle: Levada OA et al.: Neuropsychiatric symptoms in patients with the main etiological types of mild neurocognitive disorders: a hospital-based case-control study. Front Psychiatry 2017; 8: 75 [Epub 4. Mai; doi: 10.3389/fpsyt.2017.00075]

„Lancet Commission" zur Demenz
Synopsis zu Prävention, Interventionen und Pflege

Weltweit leiden derzeit knapp 50 Millionen Menschen unter einer Demenz. Obwohl sich die Inzidenz in einigen Ländern in letzter Zeit verringert hat, wird sich diese Zahl bis zum Jahre 2050 verdreifachen. In einer Übersichtsarbeit formulieren Demenzexperten einer „Lancet Commission“ Empfehlungen zur Prävention, zu Interventionen und zur Pflege demenzkranker Menschen.

Quelle: Livingston G et al.: Dementia prevention, intervention, and care. Lancet 2017 [Epub 19. Juli; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31363-6]

Perspektive
Alzheimer-Liqui-Patch

Das Berliner Unternehmen epinamics hat mit dem Liqui-Patch das weltweit erste Wirkstoff- Sprühpflaster entwickelt, das den Wirkungsgrad und die Hautverträglichkeit gegenüber konventionellen Wirkstoffpflastern deutlich erhöht. Auf die Haut gesprüht, bildet sich in 90 Sek. ein...

European Academy of Neurology, 24.–27. Juni 2017 in Amsterdam
Multiple Sklerose, Demenz und Migräne − Neues vom EAN

In Amsterdam trafen sich die europäischen Neurologen zu ihrem Jahreskongress − mehr als 6000 Besucher kamen. Das übergreifende Thema des 3rd Congress der European Academy of Neurology (EAN) war „Outcome measures in Neurology“. Die Sessions umfassten das gesamte Spektrum der neurodegenerativen, entzündlichen, traumatischen und übrigen neurologischen Erkrankungen

Digitalisierter Uhrenzeichnen-Test
Demenz-Screening deutlich verbessert

Der Uhrenzeichen-Test (Clock Drawing Test, CDT) ist ein im klinischen Alltag seit langem zum Demenz-Screening eingesetztes Instrument. Er ist einfach und unaufwändig, weist aber Nachteile wie Ungenauigkeit, eine niedrige Interrater-Zuverlässigkeit und eine mangelnde Änderungssensitivität auf. Kann die digitalisierte Form des Tests (dCDT) die kognitiven Beeinträchtigungen besser erfassen?

Quelle: Müller S et al.: Increased diagnostic accuracy of digital vs. conventional clock drawing test for discrimination of patients in the early course of Alzheimer‘s disease from cognitively healthy individuals. Front Aging Neurosci 2017; 9: 101 [Epub 11. Apr.; doi: 10.3389/ fnagi.2017.00101]

Schon bei leichter Demenz
Erhöhen depressive Symptome die Mortalität?

Sowohl eine Depression als auch eine Demenz gehen bei älteren Menschen mit einer erhöhten Sterblichkeit einher. Wie verhält es sich bei Komorbidität beider Erkrankungen? Nun wurde die Mortalität bei Patienten mit einer erst leichten Demenz und depressiven Symptomen verschiedener Schwere untersucht. Die Ergebnisse zeigen dringenden Handlungsbedarf an.

Quelle: Petersen JD et al.: Major depressive symptoms increase 3-year mortality rate in patients with mild dementia. Int J Alzheimers Dis 2017; 7482094 [Epub 6. Apr.; doi: 10.1155/2017/7482094]

69th Annual Meeting der AAN, 22.–28. April 2017, Boston/USA
Neue Entwicklungen und Therapien

Das 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN) lockte Ende April 2017 13 000 Fachbesucher nach Boston. Neben zahlreichen Veranstaltungen und Postern zur Multiplen Sklerose wurden viele neue Entwicklungen bei Kopfschmerz, Demenz, Epilepsie, Parkinson-Syndrom und anderen, selteneren Krankheiten vorgestellt.

a-Synucleinopathien
Neuropathologie beeinflusst Demenz- Entstehung und das Überleben

Die strukturellen Veränderungen bei den großen neurodegenerativen Erkrankungen wie den verschiedenen Demenzformen und Parkinson-Syndromen werden im Hinblick auf die Pathogenese und ihren Nutzen als Biomarker intensiv beforscht. Eine US-Arbeitsgruppe befasste sich jetzt mit den Einflüssen verschiedener histopathologischer Befunde auf die Genese von a-Synucleinopathien und den klinischen Verlauf. Sie fanden u. a. Korrelation mit dem Überleben der Patienten.

Quelle: Irwin DJ et al.: Neuropathological and genetic correlates of survival and dementia onset in synucleinopathies: a retrospective analysis. Lancet Neurol 2017; 16(1): 55-65

Langzeitstudie über zwölf Jahre
CAVE: Polypharmazie erhöht das Demenz-Risiko

In einer Fallkontrollstudie, die in eine zwölfjährige Längsschnittstudie eingebettet war, wurde in Südkorea untersucht, ob Mehrfachmedikationen das Risiko älterer Menschen erhöhen, an einer Demenz zu erkranken. Berücksichtigt wurde auch der Einfluss häufiger potenziell ungeeigneter, also kognitionsverschlechternder Medikamente.

Quelle: Park HY et al.: The association between polypharmacy and dementia: a nested case-control study based on a 12-year longitudinal cohort database in South Korea. PLoS One 2017; 12(1): e0169463. [Epub 5. Jan.; doi: 10.1371/journal.pone.0169463]

Für kognitive Störungen (mit)verantwortlich?
Aß-Pathologie auch bei Patienten mit geriatrischer Depression?

Amyloid(Aß)-Ablagerungen sind ein Merkmal der Alzheimer-Demenz. In einer Pilotstudie wurde mittels PET-Aufnahmen untersucht, inwieweit bei geriatrischen Patienten mit einer Depression ebenfalls Aß-Deposite vorliegen – und ob diese mit spezifischen kognitiven Defiziten in Zusammenhang stehen.

Quelle: Kim HG et al.: Association between cerebral amyloid deposition and clinical factors including cognitive function in geriatric depression: pilot study using amyloid positron emission tomography. Clin Psychopharmacol Neurosci 2016; 14(4): 378-82

Mild Cognitive Impairment
Hippokampus-Volumen sagt DLB-Risiko voraus

Patienten mit einer Mild Cognitive Impairment (MCI) haben ein erhöhtes Risiko für demenzielle Erkrankungen. Dies betrifft auch das Risiko für eine Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB). Nun wurde in einer Bildgebungsstudie von Neurologen, Radiologen und Psychologen der Mayo Clinic in Rochester untersucht, ob neben dem MCI-Subtyp auch neuroanatomische Veränderungen das DLB-Risiko voraussagen können. Dies scheint auf das Volumen des Hippokampus, der ja stark in die Gedächtnisfunktionen eingebunden ist, tatsächlich zuzutreffen.

Quelle: Kantarci K et al.: Hippocampal volumes predict risk of dementia with Lewy bodies in mild cognitive impairment. Neurology 2016; 87(22): 2317-23

Demenz, Parkinson, Multiple Sklerose
Inzidenz durch Straßenverkehr erhöht?

Es mehren sich Hinweise, dass sich das Wohnen an vielbefahrenen Straßen negativ auf die Kognition auswirkt. Nun wurde in einer kanadischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie nach einer Relation zur Inzidenz von Demenz-Erkrankungen, Morbus Parkinson und MS gesucht. Im Fall der Demenz wurden die Forscher tatsächlich fündig.

Quelle: Chen H et al.: Living near major roads and the incidence of dementia, Parkinson's disease, and multiple sclerosis: a population-based cohort study. Lancet 2017; pii: S0140-6736(16)32399-6 [Epub 4. Jan.; doi: 10.1016/S0140-6736(16)32399-6]

Alzheimer, DBL, VaD und FTLD
Psychische und Verhaltensprobleme bei den vier häufigsten Demenzen

Ausgeprägte Verhaltensprobleme und psychische/psychiatrische Symptome können die Prognose von Demenzkranken verschlechtern und die Belastung der pflegenden Angehörigen massiv erhöhen. Wie sich diese Symptomatiken bei Patienten mit den vier häufigsten Formen der Demenz darstellen, wurde jetzt in einer Studie untersucht.

Quelle: Kazui H et al.: Differences of behavioral and psychological symptoms of dementia in disease severity in four major dementias. PLoS One 2016; 11(8): e0161092 [Epub 18. Aug.; doi: 10.1371/journal.pone.0161092]

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