CIRCLE-Studie bei früher Psychose | Neuro-Depesche 9/2019

KM zum Cannabis-Konsum wirksam?

Zertifizierte Fortbildung
Nach Ausbruch einer Psychose geht fortgesetzter Konsum von Cannabis mit einem schlechteren funktionellen und klinischen Outcome der Patienten einher. In der Studie CIRCLE wurde nun untersucht, ob ein Kontingenz-Management-Programm (KM) zum Cannabis-Konsum die Anzahl akutpsychiatrischer Aufnahmen verringern kann.
Über Early Intervention in Psychosis (EIP)-Dienste wurden für die Studie CIRCLE in England 511 Cannabis-konsumierende (und zumeist -abhängige) Patienten zwischen 18 und 36 Jahren mit kürzlich diagnostizierter (affektiver oder nicht affektiver) Psychose rekrutiert. Sie wurden webbasiert zu einem zwölfwöchigen KM plus Psychoedukations(PE)-Paket (sechs Sitzungen) oder zu einem Kontrollarm mit PE allein randomisiert. Eine Cannabis-Abstinenz wurde mit maximal 240 GBP belohnt. Primärer Endpunkt war die Zeitspanne bis zur ersten psychiatrischen Akutaufnahme über 18 Monate. 272 (98 %) bzw. 259 Patienten (95 %) konnten ausgewertet werden.
Der Cannabis-Konsum wurde in der KM-Gruppe nur geringfügig reduziert (Hazard Ratio: 0,86). Nach 18 Monaten waren 90 Teilnehmer (33 %) der KM-Gruppe und 85 (30 %) der Kontrollen mindestens einmal akutpsychiatrisch aufgenommen worden. Zudem fand sich im Zeitraum bis dahin kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen (HR: 1,03). Nur die Dauer des Klinikaufenthalts fiel mit median 196 vs. 245 Tagen zugunsten der KM aus. Zwar ergab die Kosten-Nutzen-Analyse eine Wahrscheinlichkeit für eine Kostenwirksamkeit der KM von 81 % (hauptsächlich bedingt durch höhere stationäre Kosten in der Kontrollgruppe), doch war der Kostenunterschied zwischen den Gruppen nicht signifikant. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Dieser randomisierten kontrollierten Studie zufolge scheint die KM keine wirksame Maßnahme zu sein, um maßgeblich die Zeit bis zu einer akutpsychiatrischen Aufnahme zu verkürzen oder den Cannabis-Konsum zu verringern. Diese Ziele stellen eine Herausforderung dar, für die es, so die Autoren, vermutlich eines substanziellen anderen Ansatzes bedarf.
Quelle: Sheridan Rains L et al.: Clinical and cost-effectiveness of ... BMC Med 2019 17(1): 161 [Epub 15. Aug.; doi: 10.1186/s12916-019-1395-5
ICD-Codes: F12.1

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