Neuro-Depesche 9/2015

Pflege von Demenzkranken

Welche Angehörigen werden depressiv?

Eine Demenzerkrankung trifft nicht nur den Erkrankten, auch die Familie wird schwer belastet. In einer Studie untersuchten italienische Psychiater und Gerontologen bei den pflegenden Angehörigen von Patienten mit Demenz, in welchem Ausmaß depressive Symptome vorlegen und welche Bedingungen deren Entstehung begünstigen.

Eingeschlossen wurden 150 Caregiver (mehrheitlich die Kinder, meist über 50 Jahre alt, 118 Frauen), die einer süditalienischen Betreuungseinrichtung angeschlossen sind. Bei ihnen wurde die Belastung durch die Pflege ihrer dementen Angehörigen (Clinical Dementia Rating Scale: ≥ 2) nach dem Caregiver Burden Inventory (CBI) in fünf Kategorien ermittelt: zeitlicher Aufwand und Gefühl der Isolierung sowie Belastungen körperlicher Art (Fatigue, körperliche Beschwerden), sozialer (Rollenkonflikte) und emotionaler Art. Die Prävalenz depressiver Symptome wurde anhand der Self-Rating Depression Scale (SDS) bestimmt (50–59: leichte; 60–69: mittelschwere; ≥ 70 schwere Depression). Außerdem wurden die möglichen Beziehungen zu soziodemographischen und anderen Variablen untersucht. Insgesamt wiesen mit 83 der 150 Teilnehmer (52%) mehr als die Hälfte einen CBI-Gesamtscore ≥ 36 auf, und 72% dieser 83 stark belasteten Angehörigen hatten nach SDS zumindest eine leichte Depression. 28 Caregiver (19%) waren mit einem CBI-Wert zwischen 24 und 36 mittelgradig belastet, unter ihnen war nach SDS noch nahezu ein Drittel 32% depressiv. Bei den übrigen Teilnehmern mit einem CBI-Score < 24 lag immerhin noch bei 5% eine Depression vor. Dem entsprechend fand sich zwischen Belastung und Depression eine signifikante Beziehung (x2 = 47,446; p < 0,001). In der multiplen linearen Regressionsanalyse ergab sich eine jeweils signifikante Korrelation zwischen der Depression und einer höheren Belastung auf körperlicher Ebene (ß = 0,666; p = 0,001) und im Gefühl der Isolierung (ß = 0,712, p < 0,001). Stärker noch korrelierte mit der Depression allerdings ein niedriger sozioökonomischer Status (ß = -4,282; p = 0,002) und das Leben in der Stadt (ß = 3,070; p = 0,012) sowie – tendenziell – ein höheres Alter (ß = 2,132; p = 0,08). JL

Kommentar

Die Belastung durch die Pflege Demenzkranker reicht von einfacher körperlicher Erschöpfung über Schlafstörungen, Angst und Depression bis hin zu Problemen in der Familie und am Arbeitsplatz, wobei die Depression auch Folgekrankheiten wie z. B. Bluthochdruck nach sich ziehen kann. Diese Studie bestätigt die Häufigkeit depressiver Symptome bei den pflegenden Angehörigen. Interessanterweise war die Depression aber stärker mit soziodemographischen Variablen assoziiert als mit der Belastung. Demnach sind die armen, alten, in Städten lebenden Menschen besonders gefährdet.


Quelle:

De Fazio P et al.: Depressive symptoms in caregivers of patients with dementia: demographic variables and burden. Clin Interv Aging 2015; 10: 1085-90



Link zur Originalarbeit Originalarbeit bestellen


ICD-Codes: F03

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Informationen mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2015, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum