Neuro-Depesche 9/2005

Patienten und Experten befragt

Präferenzen in der Kopfschmerztherapie

Auf die subjektiven Vorlieben der Patienten ausgerichtete moderne "Präferenzstudien" werden aufgrund offener methodischer Fragen intensiv diskutiert. Um die Praxisrelevanz gängiger Untersuchungsparameter in Studien zum Kopfschmerz zu untersuchen, wurden nun Kopfschmerz-Patienten und -Experten zu ihren Auffassungen befragt.

Der Fragebogen mit den Schwerpunkten Therapiezufriedenheit, ideale Medikation und bevorzugtes Studiendesign wurde 1112 Patienten zweier Kopfschmerzambulanzen und 22 auf Kopfschmerz spezialisierten und an klinischen Studien beteiligten Ärzten in Deutschland ausgehändigt. Von 612 zurückgesendeten Patientenbögen konnten 486 ausgewertet werden. Im Gegensatz zu den Angaben in der Literatur, nach denen die schnelle Schmerzbeseitigung als wichtigster Faktor für die Therapiezufriedenheit erscheint, hielten fast zwei Drittel der Antwortenden (61%) die "Schmerzfreiheit" für das wichtigste Kriterium. Dies wurde so aber nur von 32% der Ärzte geäußert. "Schmerzlinderung" nannten nur 15% der Patienten, aber 45% der Experten als wichtigstes Ziel. Zudem zogen 78% bzw. 80% der befragten Patienten eine langsamer wirkende, aber nebenwirkungsärmere Medikation bzw. eine langsamer einsetzende, aber länger andauernde Wirkung der jeweils umgekehrten Konstellation vor. Die Experten stimmten darin mit den Patienten überein: 20 der 22 Ärzte (91%) würden eher das Medikament mit langsamerem Wirkeintritt und weniger Nebenwirkungen, 73% eher das langsamer wirkende Medikament mit längerer Wirkdauer verschreiben. Eine wichtige Einschränkung dieser Studie liegt darin, dass nicht zwischen den verschiedenen Kopfschmerzerkrankungen differenziert wurde. Die Bereitschaft, an der Krankheitserforschung mitzuwirken, war hoch: 62,5% der befragten Patienten würden an offenen, 65% an plazebokontrollierten Studien teilnehmen, ebenfalls 65% gaben an, dass diese auch verblindet sein können. Die Experten befürworteten plazebokontrollierte Studien ebenfalls mehrheitlich (63%). Während sich 80% der Patienten wünschten, bei der Akuttherapie selbst über den Einnahmezeitpunkt entscheiden zu können plädierten die Ärzte überwiegend (59%) für einen zeitlich vorab definierten Zeitpunkt. Die Erforschung der Präferenzen sowohl von Patienten als auch von Ärzten steht noch am Anfang. Die Beachtung der Übereinstimmungen und der durchaus vorhanden Differenzen könnte die Therapie idiopathischer Kopfschmerzen verbessern. (MC)


Quelle: Leinisch-Dahlke, E: Patient preference in clinical trials for headache medication: the patient`s view, Zeitschrift: CEPHALALGIA, Ausgabe 24 (2004), Seiten: 347-355


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