Neuro-Depesche 10/2017

Große schwedische Kohortenstudie

Parkinson-Risiko nach Vagotomie verringert

Morbus Parkinson ist durch eine a-Synucleinopathie gekennzeichnet, die in olfaktorischen und gastrointestinalen Nerven zu beginnen und auch den Nervus vagus zu betreffen scheint. Jetzt wurde in einer schwedischen Register-basierten Kohortenstudie untersucht, ob eine Vagotomie dementsprechend das Parkinson-Risiko reduzieren kann.

Die Kohorte umfasste 9430 zwischen 1970 und 2010 vagotomierte Personen und – in einer 40:1-Rate – 377 200 Referenzpersonen aus der Bevölkerung. Die Vagotomie (in > 85% wegen eines Magengeschwürs) war in 3445 Fällen trunkal und in 5978 Fällen selektiv (nur den Magen denervierend) erfolgt. Die Berechnung des Parkinson-Risikos wurde adjustiert auf Geburtsland, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Diabetes mellitus, rheumatologische und Gefäßerkrankungen, Gesamtkomorbidität nach Komorbiditätsindex (KI) etc. durchgeführt.
In 7,3 Millionen Personenjahren traten 4930 Parkinson-Erkrankungen auf. Unter den Vagotomierten waren es 1,07%, unter den Kontrollpersonen 1,28%. Der Unterschied im Parkinson- Risiko zugunsten der Vagotomierten war aber nicht signifikant (Hazard Ratio: 0,96; 95%-KI: 0,78 bis 1,17). Dies änderte sich aber bei Unterscheidung nach dem Vagotomie-Typ: Bei 1,02% der Parkinson-Fälle mit trunkaler und bei 1,10% mit selektiver Vagotomie war das Risiko für Erstere deutlich verringert (HR: 0,78; 95%-KI: 0,55–1,09), nicht aber für Letztere (HR: 1,09; 95%-KI: 0,85–1,40). Der Zusammenhang war maßgeblich getrieben von denjenigen Patienten, die mindestens fünf bzw. zehn Jahre vor der Parkinson-Diagnose trunkal vagotomiert worden waren (HR: 0,59; 95%-KI: 0,37–0,93 bzw. 0,62; 95%-KI: 0,36–1,08).
Eine selektive Vagotomie schützte auch in keiner der anschließenden Analysen vor einer Parkinson-Erkrankung. HL

Kommentar

Dass die trunkale Vagotomie das Parkinson- Risiko signifikant (um mehr als 40%!) reduziert, lässt sich dadurch erklären, dass dabei viele Organe denerviert werden, bei der selektiven Vagotomie dagegen nur der Magen. Die sich der Theorie nach Prion-artig ausbreitende a-Synucleinopathie findet im letzten Fall also noch viele Pforten, um vom peripheren in das zentrale Nervensystem zu gelangen. Es darf darüber spekuliert werden, inwieweit sich dieser präventive Effekt klinisch nutzen lässt.


Quelle:

Liu B et al.: Vagotomy and Parkinson disease: A Swedish register-based matched-cohort study. Neurology 2017; 88(21): 1996-2002



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