Neuro-Depesche 7-8/2014

MS: Insuffiziente Therapie sofort umstellen

Die Freiheit von jeglicher klinischer und subklinischer Krankheitsaktivität gilt bei der MS heute als das ultimative Behandlungsziel. Um es zu erreichen, muss eine – als notwendig erachtete – Therapieeskalation vor allem rechtzeitig erfolgen. Dafür existiert mit Natalizumab eine hoch wirksame Option. Die berichten jetzt deutsche MS-Experten auf einer von Biogen Idec veranstalteten Pressekonferenz in Frankfurt.

Gemäß den Leitlinien, wie auch nach aktueller Datenlage, erläuterte PD Dr. Björn Tackenberg, Uniklinikum Marburg, sollte bei ungenügender Wirksamkeit der aktuellen Basistherapie nicht mehr zwischen einem Interferon und Glatirameracetat gewechselt werden. Vielmehr ist gleich eine Eskalation indiziert. Dies ist nicht zuletzt deshalb sinnvoll, weil jeder Schub das Risiko für irreversible Behinderungen birgt. Für eine Eskalation steht mit Natalizumab das momentan wohl „bestwirksamste MS-Medikament zur Verfügung“, sagte Tackenberg. Dass eine Langzeitbehandlung mit Natalizumab si- cher und effektiv ist, so der Experte weiter, belegen die kürzlich veröffentlichten Langzeitstudien mit einer Beobachtungsdauer von bis zu acht Jahren. Bei initial mit Natalizumab behandelten Patienten konnte die jährliche Schubrate in der STRATA-Studie auf 0,13 Schübe pro Jahr reduziert werden, in der TOP-Studie auf 0,21 bis 0,25. Die „Freiheit von klinischer und subklinischer Krankheitsaktivität“ ist das mittlerweile etablierte Behandlungsziel nach Diagnosestellung einer MS, erläuterte Dr. med. Boris Kallmann vom MS-Zentrum Bamberg. Damit Natalizumab seine Wirkung bestmöglich entfalten kann, ist es notwendig, die Therapie bei den entsprechenden Patienten noch innerhalb des therapeutischen Fensters zu eskalieren. „Es sollte also noch in der Phase der Entzündungsaktivität eingesetzt werden“, unterstrich Kallmann in Frankfurt, weil die Intervention danach, d. h. in der von der Degeneration dominierten Phase, keine Effekte mehr zeigt. Das therapeutische Fenster entspräche einem EDSS-Stadium bis 3, maximal 3,5. Zur einfachen Identifizierung der Patienten, bei denen eine Therapieoptimierung notwendig ist, stellte Kallmann das vor kurzem publizierte Multiple Sclerosis Decision Model (MSDM) vor: In vier Domänen, darunter Schubparameter und MRT-Befunde, werden Punkte vergeben, die jeweils eine Ampel von Grün auf Gelb oder Rot springen lassen. Ab einer bestimmten Ampelkonstellation wird im MSDM eine Modifikation der Behandlung empfohlen. RF


Quelle:

Pressekonferenz „Multiple Sklerose: Von Therapieeinstellung bis Langzeitbehandlung – Effektives Therapiemanagement mit Natalizumab“, Frankfurt, 3. Juni 2014; Veranstalter: Biogen Idec




ICD-Codes: G35.

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