Neuro-Depesche 9/2015

Analgetika-Kopfschmerz

Lebensqualiät prädiziert Therapierfolg

Bei Patienten mit Analgetika-induziertem Kopfschmerz („Medication-overuse headache", MOH) kommt es nach einem Entzug in 24% bis 43% der Fälle zu einem Rückfall. Valproat (VPA) kann dem entzugsbedingten Kopfschmerz vorbeugen und die Rückfallwahrscheinlichkeit reduzieren. Italienische Forscher versuchten jetzt, die VPA-Responder bzw. -Non- Responder vorab zu identifizieren.

88 Patienten der Doppelblindstudie SAMOHA hatten im Übermaß entweder Schmerzmittel allein oder aber Analgetika-, Medikamentenbzw. Triptan-Kombinationen konsumiert. Sie führten eine sechstägige Entgiftung durch und nahmen dann über 12 Wochen täglich 800 mg VPA oder Placebo. Dieser Behandlungsphase schloss sich ein dreimonatiges Follow up ohne weitere medikamentöse Therapie an. Zum Einsatz kamen u. a. Fragebögen zur Abhängigkeit (Leeds Dependence Questionnaire, LDQ), zu migränebedingten Beeinträchtigungen (Migraine Disability Questionnaire, MIDAS) und zur krankheitsspezifischen Lebensqualität (Migraine-Specific Quality of Life Questionnaire, MSQ).
Nach 24 Wochen hatten 31 Patienten auf Entzug und VPA mit einer Reduktion der monatlichen Tage mit Kopfschmerz ≥ 50% angesprochen, 51 nicht.
Zwischen den ansprechenden und nicht ansprechenden Patienten zeigten sich nur ein einziger signifikanter Unterschied, nämlich in der besseren initialen Lebensqualität der Responder: Dies betraf den niedrigeren (= besseren) Gesamtwert der MSQ (33 vs. 40 Punkte; p = 0,018) und zwei der drei MSQ-Unterkategorien: die zur Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten (U1) und emotionalem Wohlbefinden (U2). Diese drei Unterschiede blieben auch nach Berücksichtigung der Therapie (VPA/Placebo) signifikant.
Die Wahrscheinlichkeit (Odds Ratio, OR) einer Rückfallfreiheit war bei einer initial besseren Lebensqualität deutlich höher: MSQ (OR: 1,04; p = 0,0249), MSQ-U1 (OR: 1,15; p = 0,0163) und MSQ-U2 (OR: 1,14; p = 0,0257).
Merkmale wie Alter und Geschlecht sowie die übrigen klinischen Parameter wie Häufigkeit, Dauer oder Intensität der Kopfschmerzen und die Werte von LDQ und MIDAS hatten auf den Therapieerfolg erstaunlicherweise ebenso wenig einen Einfluss wie der Typ der zuvor eingenommenen Analgetika. NW

Kommentar

Patienten mit Kopfschmerz aufgrund eines übermäßigen Schmerzmittelkonsums sprachen auf eine Entgiftung plus anschließender Valproat-Gabe insbesondere schlechter an, wenn ihre Lebensqualität (nach MSQ) vor der Behandlung stärker eingeschränkt war. Replizierung des Zusammenhangs in weiteren Studien vorausgesetzt, könnte der – leicht zu erhebende – MSQ-Wert der Identifizierung rückfallgefährdeter Patienten dienen.


Quelle:

Caproni S et al.: Migraine-specific quality of life questionnaire and relapse of medication overuse headache. BMC Neurol 2015; 15: 85 [Epub 21. Mai; doi: 10.1186/s12883-015-0339-8]



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