Neuro-Depesche 11-12/17

iCBT und Körperübungen

Langzeiteffekte auf Beschäftigungsstatus?

Eine Depression torpediert u. a. die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen. Die Langzeiteffekte einer internet-basierten kognitiv-behavioralen Therapie (iCBT) und körperlicher Übungen auf Beschäftigungsstatus und Krankschreibungen wurde anhand von Subgruppenanalysen einer großen randomisierten kontrollierten Studie beschrieben.

Für die ursprüngliche dreiarmige Studie waren 945 vom Hausarzt ambulant behandelte Patienten mit einer Depression (Score des Patient Health Questionnaire-9 ≥ 10) zu einer iCBT, zu drei Intensitäten körperlicher Aktivierung (kA) oder einer Kontrollgruppe mit Standardbehandlung (Treatment as usual, TAU) randomisiert worden. Beide Interventionen hatten gegenüber der Kontrollkondition positive Kurzzeiteffekte auf das klinische Outcome (Senkung der Depressivität, Besserung der psychosozialen Funktionen) und die Arbeitsfähigkeit gezeigt. Für zwei Subgruppenanalysen zur Langzeitwirksamkeit (nach drei und zwölf Monaten) wurde die auswertbare Gesamtkohorte (n = 821; 73,4% weiblich) jetzt unterteilt in die anfänglich arbeitslosen (n = 118) und beschäftigten (n = 703) Patienten. In der Gruppe der 118 anfänglich Unbeschäftigten aller Studienarme konnten nach einem Jahr 52,6% einen Arbeitsplatz vorweisen. Nach drei Monaten zeigten dabei gegenüber der TAU-Gruppe sowohl die kA- (Risikorate [RR]: 0,44) als auch die iCBT-Gruppe (RR: 0,37) paradoxerweise schlechtere Ergebnisse, allerdings hatte sich dieser Effekt nach einem Jahr in beiden Gruppen verflüchtigt und unterschied sich zwischen den Gruppen jetzt nicht mehr (RR: 0,97 bzw. 1,23). Bei den 703 initial Beschäftigten ergab sich eine Reduktion der Langzeitkrankschreibungen nach einem Jahr von 7,8% auf 6,5%, aber weder in der kA- noch in der iCBT-Gruppe (RR: 1,4 bzw, 0,99) war der Unterschied gegenüber den Kontrollen signifikant. Die selbstbeurteilte Arbeitsfähigkeit (nach dem Work Ability Index) als sekundärer Endpunkt nahm ebenfalls zu – doch nach einem Jahr erneut ohne signifikante Unterschiede zwischen den drei Studienarmen. JL

Kommentar

Enttäuschenderweise blieben die kurzfristigen Erfolge von ICBT und körperlicher Aktivierung auf den Beschäftigungsstatus (bei den initial Arbeitslosen) bzw. auf die Krankschreibungen (bei den initial Beschäftigten) nicht aufrechterhalten. Offenbar reicht eine klinisch relevante Besserung von Symptomen (und Funktionalität) nicht aus, um die Arbeitssituation der Patienten auf Dauer zu verbessern, d. h. es bedarf zusätzlicher Maßnahmen.


Quelle:

Kaldo V et al.: Effects of internet-based cognitive behavioural therapy ... Occup Environ Med 2017 [Epub 26. Sept.; doi: 10.1136/oemed-2017-104326.]



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