Neuro-Depesche 11/2009

Komorbidität bei Schizophrenie

Gehäuft Zwänge unter Clozapin

Die erhöhte Prävalenz von Zwangserkrankungen bei Schizophrenie-Kranken könnte durch einige atypische Antipsychotika, insbesondere wohl Clozapin, (mit-)verursacht sein. Nun wurde dazu eine britische Kohorte näher untersucht.

Die 59 seit durchschnittlich zehn Jahren an Schizophrenie erkrankten Patienten nahmen Clozapin zumeist als einziges Antipsychotikum ein. 14 von ihnen (24%) wiesen nach dem Item H des Mini-International Neuropsychiatric Interview (MINI) für Zwangserkrankung eine entsprechende Symptomatik auf (durchschnittl. Y-BOCS-Wert: 17,6). Eine klinisch relevante Zwangsstörung (≥ 16 Y-BOCS-Punkte) zeigten 64%. Nur sieben Betroffene (50%) waren zuvor diagnostiziert und mit SSRI behandelt worden.

Die durchschnittliche Clozapin-Dosis betrug 432 mg/d (vs. 351 mg/d bei den Patienten ohne Zwang). Obwohl das Reserve-Antipsychotikum eher keine extrapyramidalen Symptome (EPS) auslöst, wiesen die Zwangserkrankten gegenüber den übrigen Schizophrenie-Patienten deutlich stärkere Bewegungsstörungen nach der Abnormal Involuntary Movement Scale (4,4 vs. 1,3) und EPS nach der Simpson Angus Scale (5,1 vs. 2,6) auf (je p = 0,01), die auf eine stärker gestörte Basalganglienfunktion hinweisen. Darüber hinaus ergaben sich bei den sieben SSRI-Behandelten signifikante stärkere EPS als bei jenen ohne SSRI (p = 0,03). Die stärkere Beeinträchtigung nach Sheehan Disability Scale (SDS) und Clinical Global Impression verfehlte knapp die Signifikanz.

Mit allen Einschränkungen einer nicht kontrollierten Studie weisen die Ergebnisse auf eine Häufung komorbider Zwangsstörungen bei Clozapin-behandelten Schizophrenie-Patienten hin, die zudem vermehrt unter motorischen Störungen leiden. Bei Clozapin-Therapie sollten also Zwangssymptome und Bewegungsstörungen kontrolliert werden. JL


Quelle: Mukhopadhaya, K: Obsessive-compulsive disorder in UK clozapine-treated schizophrenia and schizoaffective disorder: a cause for clinical concern., Zeitschrift: JOURNAL OF PSYCHOPHARMACOLOGY, Ausgabe 23 (2009), Seiten: 6-13


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