Zerebrovaskuläre Erkrankungen

Der Pflegeschlüssel kann entscheiden.

Nach einer prospektiven multizentrischen Studie aus den USA besteht eine dosisabhängige Assoziation zwischen der Mortalität bei Schlaganfall und der Zahl der Patienten pro spezialisierter Pflegekraft. Kamen 1,5 Pflegekräfte auf zehn Betten, lag die Mortalität nach Schlaganfall über 30 Tage bei 15,2%...

Quelle: Bray BD et al.: Associations between stroke mortality and weekend working by stroke specialist physicians and registered nurses. PLoS Med 11 (2014)

90. Kongress der DGN, 20.–23. September 2017 in Leipzig
Update des Neurologie-Spektrums

Zum 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Leipzig kamen rund 6000 deutsche und internationale Besucher. Die vier Tage waren dem Update des gesamten Spektrums der Neuromedizin gewidmet – von Schlaganfall über Demenzen, Bewegungsstörungen, MS etc. bis zu seltenen Erkrankungen.

Kälberblutextrakt
Kognition nach Schlaganfall gebessert?

Der deproteinierte Kälberblutextrakt Actovegin entfaltet verschiedene pleiotrope Effekte. Seine Wirksamkeit auf kognitive Beeinträchtigungen nach Schlaganfall wurde jetzt in der randomisierten, kontrollierten Studie ARTEMIDA (A Randomized Trial of Efficacy, 12 Months International Double-Blind Actovegin) untersucht.

Quelle: Guekht A et al.: ARTEMIDA Trial (A Randomized Trial of Efficacy, ... Stroke 2017; 48(5): 1262-70

Patienten mit Schlaganfall
MRT zeigt Zeichen für vorbestehende Hirnschädigung

Schon vor einem akuten Schlaganfall können vaskuläre Risikofaktoren zur zerebralen Hypoperfusion beitragen und damit auch den vulnerablen Hippokampus schädigen. Die Zusammenhänge zwischen vaskulären Risikofaktoren, ischämischem Schlaganfall und MRT-Markern der Hirnalterung wurden nun in der australischen Studie Cognition and Neocortical Volume After Stroke (CANVAS) untersucht.

Quelle: Werden E et al.: Structural MRI markers of brain aging early after ischemic stroke. Neurology 2017; 89(2): 116-24

Registerstudie zu spontanen Hirnblutungen
Cholesterin-Spiegel korrelieren negativ mit dem Outcome

Epidemiologische Studien zeigten Zusammenhänge zwischen einer Hypercholesterinämie und einem niedrigen Hirnblutungsrisiko. Der Einfluss der Cholesterin-Spiegel sowohl auf die Blutungsschwere als auch auf das Dreimonats-Outcome der Patienten wurde jetzt in einer taiwanesischen Registerstudie überprüft.

Quelle: Chen YW et al.: Low cholesterol level associated with severity and outcome of spontaneous intracerebral hemorrhage: Results from Taiwan Stroke Registry. PLoS One 2017; 12(4): e0171379 [Epub 19. Apr.; doi: 10.1371/journal.pone.0171379]

Kinder mit TS-bedingten Anfällen
Ketogene Diät wirkt auch auf die Kognition und das Verhalten

Die Tuberöse Sklerose (TS) führt bei bis zu 90% der Kinder zu – häufig schwer behandelbaren – Krampfanfällen. In einer retrospektiven Studie wurden die Effekte einer ketogenen Diät auf die bislang therapierefraktären Anfälle der Kinder mit TS sowie auf Kognition und Verhalten geprüft.

Quelle: Park S et al.: Ketogenic diet for the management of epilepsy associated with tuberous sclerosis complex in children. J Epilepsy Res 2017; 7(1): 45-9

Movement Disorders Society (MDS)
Neue Diagnosekriterien für die PSP

Die internationalen Experten der MDS-endorsed PSP Study Group haben evidenz- und konsensbasiert neue klinische Diagnosekriterien für die Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP) erarbeitet. U.a. definierten sie vier neue Diagnosekategorien.

Quelle: Höglinger GU et al. für die Movement Disorder Society- endorsed PSP Study Group: Clinical diagnosis of progressive supranuclear palsy: The movement disorder society criteria. Mov Disord 2017; 32(6): 853-64

Ein neuer, revolutionärer Therapieansatz?
microRNA's bei ischämischem Schlaganfall

Ein Neurologen-Team legte in einem Review dar, warum sog. microRNA‘s bei Schlaganfällen einen neuen Behandlungsansatz darstellen könnten. Sie wirken auf vielfältige Art den ischämischen Hirngewebsschädigungen entgegen.

Quelle: Khoshnam SE et al.: Emerging roles of microRNAs in ischemic stroke as possible therapeutic agents. J Stroke 2017 [Epub 8. Mai; doi: 10.5853/jos.2016.01368]

Service
Schlaganfall: Neue Motivationsbroschüre

Für Menschen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko ist eine dauerhafte Lebensstiländerung meist unerlässlich. Nun hat die Initiative Schlaganfallvorsorge – ein Zusammenschluss der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren- Organisationen e.V. (BAGSO), der Stiftung Deutsche ...

Ischämischer Schlaganfall bei Kindern
Inzidenz epileptischer Anfälle und die wichtigsten Risikofaktoren

Wie häufig kommt es nach einem arteriellen ischämischen Schlaganfall (AIS) pädiatrischer Patienten zu epileptischen Anfällen bzw. zu einer Epilepsie-Erkrankung? Die Studienlage dazu ist mit Inzidenzen von 13% bis 67%, die zudem stark vom Lebensalter abhängen, sehr heterogen. Außerdem ist unklar, welche Prädiktoren es für die oft dramatischen Folgen gibt. Diese Fragen beantworteten jetzt US-Neurologen anhand einer retrospektiven Analyse von mehr als 200 Kindern. Im Fokus stand das Outcome der Patienten nach zwei Jahren.

Quelle: Billinghurst LL et al.: Incidence and predictors of epilepsy after pediatric arterial ischemic stroke. Neurology 2017; 88(7): 630-7

Schlaganfallrisiko bei dissezierendem Carotis-Aneurysma
Ergebnisse der CADISS-Studie und mehr...

Eine Dissektion zervikaler Arterien (CAD) ist eine wichtige Ursache für Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen. Bei 13% bis 49% der CAD-Patienten liegt ein angiographisch nachweisbares dissezierendes Aneurysma (DA; auch „Pseudoaneurysma“) vor, dessen Bedeutung für das Schlaganfallrisiko allerdings unklar ist. Wie der natürliche Verlauf ist und welche Prognose die Patienten hinsichtlich eines Schlaganfalls haben, wurde anhand der Ergebnisse der CADISS-Studie und einer systematischen Literaturübersicht geprüft.

Quelle: Larsson SC et al.: Prognosis of carotid dissecting aneurysms: Results from CADISS and a systematic review. Neurology 2017; 88(7): 646-52

Arbeitstagung NeuroIntensivmedizin (ANIM), 16. bis 18. Feb. 2017, Wien
Viele neue und wichtige Impulse

Zur Arbeitstagung NeuroIntensivmedizin (ANIM) der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) kamen Mitte Februar rund 1400 Teilnehmer ins Austria Center nach Wien. Die ANIM gab in etwa 70 Einzelveranstaltungen erneut wichtige Impulse für die Neurologie, Neurointensivmedizin und Neurochirurgie in den deutschsprachigen Ländern.

Bis zu 25 Jahre nachbeobachtet
Was bringt die Sekundärprophylaxe bei TIA und Schlaganfall?

Schwedische Neurologen untersuchten in einer Langzeitstudie über bis zu 25 Jahre, wie wirksam die sekundärprophylaktische Behandlung nach transitorisch ischämischer Attacke (TIA) bzw. Schlaganfall und damit die Langzeitprognose der Patienten ist. Sie prüften insbesondere, wie stark beide Geschlechter von der Therapie mit Antikoagulanzien versus Aggregationshemmern profitieren.

Quelle: Eriksson SE: Secondary prophylactic treatment and ... Brain Behav 2016; 7(1): e00603 [Epub 28. Nov.; doi: 10.1002/brb3.603]

Vulnerable Patienten
Frakturrisiko nach Schlaganfall erhöht

Patienten nach Schlaganfall sind in ihrem Alltagsleben oft bewegungsbeinträchtigt, dabei treten gehäuft Stürze auf. Wie häufig es dabei zu Knochenbrüchen kommt und welche Risikofaktoren dafür eine Rolle spielen, wurde nun detailliert anhand des Ontario Stroke Registry untersucht.

Quelle: Kapral MK et al.: Risk of fractures after stroke: Results from the Ontario Stroke Registry. Neurology 2017; 88(1): 57-64

Schlaganfall: Spezifisches Dabigatran-Antidot
Akutmanagement im Notfall verbessert

Für Patienten, die mit dem Nicht-Vitamin-K-Antagonisten oralen Antikoagulans (NOAK) Dabigatran behandelt werden, steht seit Januar 2016 mit Idarucizumab in Deutschland flächendeckend ein Antidot zur Verfügung, das EU-weit für das Management von kritischen Notfallsituationen zugelassen ist. Auf einem Satellitensymposium von Boehringer Ingelheim schilderten Schlaganfallexperten die aktuelle Studienlage zu dem Antidot.

Quelle: Satellitensymposium: „Innovation in der Schlaganfalltherapie", 89. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Mannheim, 23.09.2016. Veranstalter: Boehringer Ingelheim Dabigatran: Pradaxa® Idarucizumab: Praxbind®

Sehr frühe Reha nach Schlaganfall
Wie ist die gängige Praxis in Deutschland?

Seit die Studie AVERT ergab, dass die innerhalb von 24 h begonnene Rehabilitation in schweren Fälle Schlaganfallpatienten mehr schaden als helfen kann, herrscht eine gewisse Unsicherheit bei der sehr frühen Reha. Anhand des Baden-Württembergeschen Schlaganfallregisters wurde die klinische Praxis hierzulande unter die Lupe genommen.

Quelle: Reuter B et al.: Access, timing and frequency of very early stroke rehabilitation – insights from the S Baden-Wuerttemberg stroke registry. BMC Neurol 2016; 16: 222 [Epub 16. Nov.; doi: 10.1186/ s12883-016-0744-7]

89. Kongress der DGN, Mannheim, 21. bis 24. Sept. 2016
Aktuelle Neuro-Themen und -Trends

Auch dieses Jahr stellte die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) auf dem größten deutschsprachigen Neurologie-Kongress ein umfangreiches – sowohl fachlich vertieftes, als auch interdisziplinäres – Programm an Vorträgen, Symposien, Postern und Fortbildungen vor. Etwa 6000 Fachbesucher zog es nach Mannheim.

Thrombektomie nach Schlaganfall
Metaanalyse belegt den beträchtlichen Nutzen

Die mechanische endovaskuläre Thrombektomie mittels Katheter stellt sich – nach sehr wechselvollen Bewertungen in der Vergangenheit – heute als eine hervorragende Option für viele Patienten dar. Dies bestätigt eine Metaanalyse von fünf randomisierten, kontrollierten Studien. Danach können von der Intervention viele, sehr unterschiedliche Patientengruppen profitieren.

Quelle: Goyal M et al.: Endovascular thrombectomy after large-vessel ischaemic stroke: a meta-analysis of individual patient data from five randomised trials. Lancet 2016; 387(10029): 1723-31

Thrombolyse nach Schlaganfall
Profitieren auch die über 90-Jährigen?

Im Allgemeinen erhöht ein höheres Alter die Mortalität nach einem Schlaganfall und verschlechtert die Prognose. Nun wurden die Wirksamkeit und Sicherheit einer intravenösen Thrombolyse in einer Gruppe sehr alter Patienten untersucht.

Quelle: Sagnier S et al.: The impact of intravenous thrombolysis on outcome of patients with acute ischemic stroke after 90 years old. BMC Geriatrics 2016; 16: 156 [Epub 25. Aug.; doi 10.1186/s12877-016-0331-1]

2. Jahrestreffen der EAN, 28. bis 31. Mai in Kopenhagen
Das interessierte die europäische Neurologen-Community

Der 2. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) fand Ende Mai 2016 in Kopenhagen statt. Mehr als 6000 Teilnehmer aus europäischen und auch nicht-europäischen Ländern kamen. Internationale Experten präsentierten wichtige Trends und Highlights der modernen neurologischen Forschung und Therapie. Wie immer wurden die Ergebnisse vieler aktueller Studien präsentiert.

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