Varia Psychiatrie

Systematisches AAN-Review
Cannabis in der Neurologie
In einem Report des Guideline Development Subcommittee der American Academy of Neurology (AAN) wurden jüngst die Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis-Präparaten bei ausgewählten neurologischen Erkrankungen untersucht.
Koppel BS et al.: Systematic review: efficacy and safety of medical marijuana in selected neurologic disorders: report of the Guideline Development Subcommittee of the American Academy of Neurology., Zeitschrift: NEUROLOGY, Ausgabe 17 (2014), Seiten: 1556-1563
Kinder nach familiärem Todesfall
Je jünger desto höher das Psychose-Risiko
Inwieweit sich durch einen Todesfall im Familienkreis das Psychose-Risiko im späteren Leben erhöht, wurde in einer schwedischen populationsbasierten Kohortenstudie untersucht. Geprüft wurde dabei auch, ob eine derartige Traumatisierung auch die psychische Entwicklung von noch Ungeborenen beeinträchtigt.
Abel KM et al.: Severe bereavement stress during the prenatal and childhood periods and risk of psychosis in later life: population based cohort study., Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe (2014)
Anorexia nervosa: 3 statt 2 Subgruppen beachten?
Zwischen den beiden nach dem Essverhalten definierten Untergruppen der Anorexia nervosa (AN), dem restriktiven Typus (A-R) und dem sog. Binge/ Purging-Typus mit Essattacken/herbeigeführtem Erbrechen (AN-BP), variieren psychosomatische Symptome wie Alexithymie, Somatisierung etc. stark. Italienische Psychiater identifizieren nun anhand dieser Faktoren erstmals drei AN-Subgruppen.
Abbate-Daga G1 et al.: Psychosomatic syndromes and anorexia nervosa., Zeitschrift: BMC psychiatry, Ausgabe (2013)
Psychiatrische Erkrankungen
Schlafstörungen erhöhen die Suizidalität
Lassen sich Faktoren identifizieren, die das Suizidrisiko psychiatrischer Patienten erhöhen? Den Zusammenhang mit Schlafstörungen bei Patienten mit verschiedenen häufigen psychiatrischen Krankheiten prüfte ein Wissenschaftlerteam in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse.
Malik S et al.: The association between sleep disturbances and suicidal behaviors in patients with psychiatric diagnoses: a systematic review and meta-analysis., Zeitschrift: HEALTH SYSTEMS REVIEW, Ausgabe 1 (2014)
Guillian-Barré-Syndrom
Relatives Risiko nach Grippeimpfung verdoppelt
Es bestehen Hinweise darauf, dass eine Influenza-Impfung das Auftreten eines Guillain-Barré-Syndroms (GBS) fördern kann, doch wird der Zusammenhang noch kontrovers diskutiert. In sieben italienischen Bezirken wurde zu der Frage von dem ITAlian Network for the study of GBS (ITANG) eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt
Galeotti F et al.: Risk of Guillain-Barré syndrome after 2010-2011 influenza vaccination., Zeitschrift: EUROPEAN JOURNAL OF EPIDEMIOLOGY, Ausgabe 5 (2013), Seiten: 433-444.
PRIMA-Studie
Polyvalentes Immunglobulin auch bei CIPD erfolgreich
Bei der Chronisch Inflammatorischen Demyelinisierenden Polyneuropathie (CIPD) handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung, die die Nerven schädigen und die motorischen Funktionen beeinträchtigen kann. Eine neue Therapieoption stellt das polyvalente Immunglobulin zur intravenösen Anwendung (IVIG)IgPro10 dar, das bereits für die Substitutionstherapie bei primären und sekundären Immundefekten zugelassen war. Die Zulassung für die CIPD basiert auf den positiven Ergebnissen der PRIMA-Studie.
Elterliche Kindstötung
Welche psychiatrischen Erkrankungen dominieren?
In Großbritannien sterben pro Jahr 0,9 von 100 000 Kindern nach einer Misshandlung; dies entspricht etwa zwei Kindern pro Woche. Wissenschaftler beschäftigten sich nun in einer großen bevölkerungsbasierten Studie mit der Frage, ob in Fällen der Kindstötung psychiatrische Erkrankungen der Täter, meist Mutter oder Vater, eine maßgebliche Rolle spielen und um welche Störungen es sich ggf. handelt.
Flynn SM et al.: Filicide: mental illness in those who kill their children., Zeitschrift: PLoS ONE, Ausgabe 4 (2013)
Frühzeitig erkennen und EET einleiten
Bei der lysosomalen Speichererkrankung Morbus Fabry können frühzeitige Diagnose und die früh begonnene – lebenslange – Enzymersatztherapie (EET) mit Algasidase beta nicht nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch die Progression verlangsamen und multiplen Organschäden vorbeugen.
Antipsychotika bei Delir älterer Menschen
Auf diese Nebenwirkungen achten!
Eine Forschergruppe befasste sich anhand einer prospektiven Studie mit den speziellen Nebenwirkungen gebräuchlicher Antipsychotika zur Behandlung eines Delirs bei älteren Menschen und ermittelte das Nutzen-Risiko-Verhältnis.
Hatta K et al.: Antipsychotics for delirium in the general hospital setting in consecutive 2453 inpatients: a prospective observational study., Zeitschrift: INTERNATIONAL JOURNAL OF GERIATRIC PSYCHIATRY, Ausgabe (2013)
Amyotrophe Lateralsklerose
Kann Lithium die ALS-Therapie mit Riluzol verbessern?
Die ALS ist nicht heilbar und die neuroprotektive Therapie mit Riluzol verlängert das Überleben der Erkrankten nur geringfügig, ohne die Progression zu stoppen. Eine kleine Studie fand Hinweise auf einen therapieverstärkenden Effekt von Lithium, der nun erstmals in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-III-Studie überprüft wurde.
UKMND-LiCALS Study Group et al.: Lithium in patients with amyotrophic lateral sclerosis (LiCALS): a phase 3 multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled trial., Zeitschrift: The Lancet neurology, Ausgabe 4 (2013), Seiten: 339-345
Spinale und paraspinale MP-Injektionen
Der Pilz kam in der Spritze
In den USA erlitten Patienten, die gegen Rückenschmerz oder neuropathische Beschwerden spinale oder paraspinale Injektionen mit einem Methylprednisolon (MP)-Präparat erhalten hatten, ZNS-Infektionen mit dem Pilz Exserohilum rostratum. Die Eindämmung der US-weiten Infektionswelle war mit enormem Aufwand verbunden.
Malani AN et al.: Magnetic resonance imaging screening to identify spinal and paraspinal infections associated with injections of contaminated methylprednisolone acetate., Zeitschrift: JAMA : THE JOURNAL OF THE AMERICAN MEDICAL ASSOCIATION, Ausgabe 23 (2013), Seiten: 2465-2472
Phase-I-Pilotstudie
Tiefe Hirnstimulation auch bei Magersucht
Neurochirurgen des Toronto Western Hospital untersuchten im Rahmen einer ersten Pilotstudie bei Patienten mit chronischer, therapierefraktärer Anorexia nervosa die Sicherheit und Verträglichkeit einer subkallösen Zingulum-Stimulation.
Lipsman N et al.: Subcallosal cingulate deep brain stimulation for treatment-refractory anorexia nervosa: a phase 1 pilot trial., Zeitschrift: THE LANCET, Ausgabe (2013), Seiten: 1361-1370
Traumagedächtnis bei PTBS
Ursprung für Flashbacks im retro­- splenialen Kortex?
Über die bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) beteiligten neuronalen Schaltkreise herrscht weitgehend Einigkeit. Welche Hirnregionen jedoch beim Wiedererleben der traumatischen Ereignisse als dem PTBS-Hauptsymptom maßgeblich beteiligt sind, wurde bisher nur in kleinen Studien untersucht. Eine an der Universität Wuppertal durchgeführte Metaanalyse fasste jetzt die Erkenntnisse zusammen.
Sartory G et al.: In search of the trauma memory: a meta-analysis of functional neuroimaging studies of symptom provocation in posttraumatic stress disorder (PTSD)., Zeitschrift: PLoS ONE, Ausgabe 3 (2013)
Nach Pandemie-Impfung
Erhöhtes Narkolepsie-Risiko bestätigt
Impfungen werden von den Menschen immer kritischer betrachtet. Fast immer überwiegt der Nutzen mögliche Risiken, andererseits werden seltene, teils schwere Komplikationen oft erst spät erkannt. Dies zeigt der Fall einer Vakzine gegen die pandemische Influenza A/H1N1 2009 mit Adjuvans, die bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für eine Narkolepsie massiv erhöhte.
Miller E et al.: Risk of narcolepsy in children and young people receiving AS03 adjuvanted pandemic A/H1N1 2009 influenza vaccine: retrospective analysis., Zeitschrift: BRITISH MEDICAL JOURNAL, Ausgabe (2013)
Morbus Pompe
Enzymersatz – die einzige kausale Behandlung
Beim 21. Kongress des Wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V. (DGM) wurden im Rahmen der Fortbildungsreihe „Neurologie im Dialog“ anhand eines Fallbeispiels Diagnostik und Therapie des Morbus Pompe erläutert. Die Enzymersatztherapie mit rekombinanter humaner alpha-Glukosidase stellt die einzige verfügbare Therapie dar.
Pilotstudie zeigt:
tVNS verursacht keine Arrhythmien
Die Vagusnervstimulation (VNS) wird erfolgreich bei pharmakoresistenten Patienten mit Epilepsie oder affektiven Störungen eingesetzt. In einer Pilotstudie stand nun die kardiale Sicherheit der transkutanen VNS (tVNS) im Fokus. Die neue nicht-invasive Stimulationstechnik wurde bei Tinnitus-Patienten geprüft.
Kreuzer PM et al.: Transcutaneous vagus nerve stimulation: retrospective assessment of cardiac safety in a pilot study., Zeitschrift: Frontiers in psychiatry, Ausgabe (2012)
Supplementation in der Frühschwangerschaft
Schützt Folsäure auch vor autistischen Störungen?
Eine optimale Folat-Versorgung in der Schwangerschaft beugt nicht nur Neuralrohrdefekten vor. Wie eine norwegische Studie zeigt, könnte sie außerdem das Risiko für Erkrankungen aus dem autistischen Spektrum vermindern.
Surén P et al.: Association between maternal use of folic acid supplements and risk of autism spectrum disorders in children, Zeitschrift: JAMA : THE JOURNAL OF THE AMERICAN MEDICAL ASSOCIATION, Ausgabe 6 (2013), Seiten: 570-577
4. Deutscher Botulinumtoxin-Kongress
Behandlungszufriedenheit unter BoNT
Zur Therapiezufriedenheit mit Botulinumtoxin (BoNT) legten führende Experten beim 4. Deutschen Botulinumtoxin-Kongress in München die Datenlage dar. Mit dem komplexproteinfreien BoNT/A wird derzeit bei Patienten mit Spastik der unteren und oberen Extremität die Hochdosis-Studie TOWER durchgeführt.
„Frailty Intervention Trial“
Gesundheit der Pflegenden gefördert?
Bei einer ausgeprägten Gebrechlichkeit, dem „Frailty-Syndrom“, leiden nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Pflegende – physisch wie psychisch. In einer Langzeitstudie wurde nun untersucht, inwieweit eine bestimmte Pflegeintervention den Betreuern gebrechlicher alter Menschen helfen kann.
Aggar C et al.: Reactions to caregiving during an intervention targeting frailty in community living older people, Zeitschrift: BMC Geriatrics, Ausgabe (2012), Seiten: 1471-2318
Suizid bei Borderline-Patienten
Die sozialen Beziehungen schützen
Suizidgedanken und -absichten sind bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung alles andere als selten, bis zu 10% setzen ihrem Leben selbst ein Ende. In einer Längsschnittstudie in den USA über sechs Jahre wurde nun nach Risikofaktoren gesucht, um stark gefährdete Borderline-Patienten zu identifizieren.
Soloff PH et al.: Prospective predictors of suicidal behavior in borderline personality disorder at 6-year follow-up, Zeitschrift: AMERICAN JOURNAL OF PSYCHIATRY, Ausgabe 5 (2012), Seiten: 484-490

Internationale MS-Übersicht
Sexuelle Probleme bei der Mehrheit

Schwierigkeiten mit der Sexualität belasten gerade jüngere MS-Patienten. In einer Querschnittsstudie wurden nun mehrere tausend MS-Patienten zu sexuellen Funktionsstörungen und ihrer Zufriedenheit mit ihrem Sexualleben befragt. Für die häufigen sexuellen Problemen wurden assoziierter Faktoren identifiziert, u. a. Depression und Fatigue.

Quelle: Marck CH et al.: Sexual function in multiple sclerosis and associations with demographic, disease and lifestyle characteristics: an international cross-sectional study. BMC Neurol 2016; 16(1): 210 [Epub 4. Nov.; doi: 10.1186/s12883-016-0735-8]

Deutsche Kohortenstudie
Starker Vitamin-D-Mangel auch bei Schizophrenie und Autismus?

Verschiedene Studien haben Zusammenhänge zwischen einem Vitamin-D-Mangel und (neuro)psychiatrischen Erkrankungen gezeigt. Nun wurden in Freiburg die Serumkonzentrationen des Vitamins bei Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophreniformen und autistischen Formenkreis untersucht.

Quelle: Endres D etal.: Vitamin D deficiency in adult patients with schizophreniform and autism ... Front Psychiatry 2016; 7: 168. [Epub 6. Okt.; doi: 10.3389/fpsyt.2016.00168]

Wirksamkeit, Verträglichkeit und Adhärenz
Atypika bei psychotischer Erstepisode

Gerade bei Patienten mit erster psychotischer Episode kommt es auf die ersten Behandlungserfahrungen an, um eine günstige Bedingung für eine anhaltende Adhärenz zu schaffen. In einer retrospektiven Kohortenstudie untersuchten britische Forscher die Adhärenz mit den Atypika und die Abbruchgründe in der Praxis.

Quelle: Whale R et al.: Effectiveness of antipsychotics used in first-episode psychosis: a naturalistic cohort study. BJPsych Open 2016; 2: 323–29

Rettungskräfte begleitet
Risikofaktoren für PTBS und Depression

Britische Psychologen fanden in einer prospektiven Studie an Rettungssanitätern, dass bestimmte Denkmuster das Risiko erhöhen, nach Extremsituationen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine Major Depression (MD) zu entwickeln. Die Erkenntnisse könnten für die Entwicklung gezielter Trainingsprogramme genutzt werden.

Quelle: Wild J et al.: A prospective study of pre-trauma risk factors for post-traumatic stress disorder and depression. Psychol Med 2016 [Epub: 28. Juni; doi: 10.1017/ S0033291716000532]

Spielt die Stellung der Frau eine Rolle?
Mädchen-Suizide in der östlichen Türkei

In einer kleinen deskriptiven Studie beschreibt eine Gruppe türkischer Forensiker die näheren Umständen von – zumeist sehr jungen – Frauen bzw. Mädchen in einer Stadt im östlichen Anatolien. Sie befassen sich mit zugrundeliegenden psychischen Störungen wie Depressionen, weisen aber explizit auf den Einfluss der geringen gesellschaftlichen Stellung der Frau und die Verheiratungspraktiken in den traditionellen Strukturen hin.

Quelle: Hekimoglu Y et al.: A descriptive study of female suicide deaths from 2005 to 2011 in Van city, Turkey. BMC Womens Health 2016; 16: 20 [Epub: 23. April; doi: 10.1186/s12905-016-0299-1]

Verwirrung nach der Anschlagsserie in Deutschland
Terror, Amok oder psychische Krankheit?

Axt-Attacke in der Regionalbahn, Suizidattentat auf Musikfest, zehn Erschossene im Einkaufszentrum – in den Medien wird kaum mehr zwischen psychischen Erkrankungen und religiös-fanatisch motivierter Gewalt unterschieden – mit der Gefahr, dass psychisch Kranke als potenzielle Gewalttäter unter Generalverdacht gestellt werden. Forensische Experten beschäftigten sich auf einem Presseworkshop der DGPPN in Berlin mit den Mechanismen, die hinter Radikalisierungsprozessen und schwerer Gewalttätigkeit stehen.

Quelle: Presseworkshop der DGPPN „Gewalt und Terrorismus: das Unbegreifliche begreifen“, Berlin, 8. Juli 2016, und weitere DGPPN-Materialien

Kooperation
deprexis®24 von SERVIER und GAIA

deprexis®24 ist ein interaktives web-basiertes Psychotherapie-Programm auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie zur Unterstützung der Behandlung von Patienten mit depressiven Störungen. Seine Wirksamkeit wurde bislang in acht Studien mit mehr als 4000 Patienten nachgewiesen. Im ...

Multimodales Antidepressivum Vortioxetin
Trotz Wirksamkeits- und Verträglichkeitsnachweis kein Zusatznutzen?

Die breite Wirksamkeit des multimodal wirkenden Antidepressivums Vortioxetin und sein vorteilhaftes Verträglichkeitsprofil sind durch viele klinische Studien belegt, erläuterten namhafte Psychiater auf einem Satellitensymposium beim DGPPN-Kongress 2015. Sie diskutierten auch den aktuellen, problematischen Stand des AMNOG-Prozesses.

Quelle: Satellitensymposium: „Brintellix®: Innovation in der Psychopharmakotherapie“, DGPPN-Kongress, Berlin, 26. Nov. 2015. Veranstalter: Lundbeck Vortioxetin: Brintellix®

88. Kongress der DGN, Düsseldorf, 23. bis 26. 9. 2015
Aktuelle Themen der Neurologie

Beim 88. Kongress des Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Düsseldorf trafen sich etwa 6000 Neurologen und fachverwandte Berufe aus rund 20 Ländern. Unter dem Motto „Mensch im Blick – Gehirn im Fokus“ umfasste das wissenschaftliche Programm 500 Vorträge in 91 Symposien und 320 Poster, die DGN-Fortbildungsakademie 45 Kurse mit 270 Vorträgen. Diskutiert wurden aktuelle Etwicklungen im gesamten neurologischen Themenfeld, darunter bei Demenz, Epilepsie, MS, Morbus Parkinson und Schlaganfall.

Welche Optionen gibt es?
Pharmakotherapie der Narkolepsie

Die Narkolepsie (mit oder ohne Kataplexie) ist eine noch immer unzureichend behandelbare Erkrankung. Welche Medikamente wirksam sind, fassten nun ein Team von Schlafforschern zusammen.

Quelle: Thorpy MJ, Dauvilliers Y: Clinical and practical considerations in the pharmacologic management of narcolepsy. Sleep Med 2015; 16(1): 9-18

Hoher BMI: Schützt er vor Suizidalität?

Anscheinend schützt ein hoher Body Mass Index (BMI) vor Suizidalität. Ein direkter Zusammenhang wurde für erhöhten BMI und Depression aufgezeigt, keine Korrelation ergab sich in einer aktuellen Studie jedoch zwischen erhöhtem BMI und Angststörungen.

Quelle: Bjørngaard JH et al.: Association of body mass index with depression, anxiety and suicide — an instrumental variable analysis of the HUNT study. PLoS ONE 2015; 10(7): [Epube: 13. Juni 2015, e0131708, doi:10.1371/journal.pone.0131708]

Personal View
„Cognitive enhancement" nicht tabuisieren

Mit diversen Medikamenten lässt sich die kognitive Leistungsfähigkeit – zumindest in Teilaspekten – erhöhen. Sie werden nicht nur von Ärzten eingesetzt, immer mehr gesunde Menschen benutzen sie als „Cognitive enhancer“. Mit den medizinischen und ethischen Aspekten befassten sich jetzt Psychiater in der Rubrik des BMJ „Personal View“.

Quelle: Sahakian BJ, Morein-Zamir S: Pharmacological cognitive enhancement: treatment of neuropsychiatric disorders and lifestyle use by healthy people. Lancet Psychiatry 2015; 2(4): 357-62

Wenn Eltern ihre Kinder positiv sehen
Später deutlich seltener psychisch krank

Am britischen Royal College of Psychiatrists wurde untersucht, ob bzw. inwieweit die Wahrnehmung positiver Eigenschaften der Kinder durch die Eltern das spätere Risiko für psychiatrische Symptome bzw. Erkrankungen beeinflusst.

Quelle: Vidal-Ribas P et al.: Positive attributes in children and reduced risk of future psychopathology. Br J Psychiatry 2015; 206(1): 17-25

Pharma Neu
Kostengünstiger SNRI

Seit Juni 2015 bietet 1 A Pharma mit Duloxetin – ein kostengünstiges Antidepressivum zur Behandlung der unipolaren Depression und der Angststörung sowie zur Linderung neuropathischer Schmerzen an. Duloxetin wirkt als Wiederaufnahmehemmer für Serotonin und Noradrenalin (SNRI) im ...

Therapie-Optionen
Anti-anhedones Antidepressivum

Die reine Reduktion der depressiven Symptome verbessert die Lebenssituation der Patienten oft nicht maßgeblich. Das Antidepressivum Agomelatin (Valdoxan®, Servier) hat aktuellen Metaanalysen zufolge nicht nur eine den SSRI und SNRI vergleichbare antidepressive Wirksamkeit, es führte ...

STRIDE-Intervention bei Antipsychotika-Therapie
Gewicht reduziert, bessere metabolische Werte

Gewichtszunahmen können dazu führen, dass eine wirksame antipsychotische Medikation gewechselt werden muss. US-Forscher untersuchten nun bei Patienten mit Schizophrenie, ob sich diese problematische Nebenwirkung durch die multimodale Intervention STRIDE in den Griff bekommen lässt. Offenbar ist das der Fall.

Quelle: Green CA et al.: The STRIDE weight loss and lifestyle intervention for individuals taking antipsychotic medications: a randomized trial. Am J Psychiatry 2015; 172(1): 71-81

CAVE: Suizidalität unter Antidepressiva
Besonders auf jüngere Frauen achten!

Die Therapie Jugendlicher mit Antidepressiva, insbesondere SSRI, wurde in der Vergangenheit mit gehäuftem suizidalen Verhalten assoziiert. In einer pharmakoepidemiologischen Studie untersuchten niederländische Wissenschaftler nun retrospektiv, ob in der Suizidalität zwischen der Zeit vor und nach Behandlungsbeginn ein Unterschied besteht, und ob dieser möglicherweise altersabhängig ist.

Quelle: Termorshuizen F et al.: Suicide behavior before and after the start with antidepressants: a high persistent risk in the first month of treatment among the young. Int K J Neuropsychopharmacol 2015; pii: pyv081 [Epub 18. Juli; doi: 10.1093/ijnp/pyv081]

Antidepressiva-Effekte
Gesunde Mutter, glückliches Kind?

Die Stimmung einer depressiven Mutter kann sich auf das Kind übertragen –, und bei einer Remission der Mutter nehmen auch die psychiatrischen Symptome der Kinder ab. Welche medikamentöse Therapie nutzt beiden am meisten?

Quelle: Weissman MM et al.: Treatment of maternal depression in a medication clinical trial and its effect on children. Am J Psychiatry 2015; 172(5): 450-9

IPT bei posttraumatischer Belastungsstörung
Reexposition doch nicht zwingend notwendig?

Mit der (antidepressiv wirksamen) interpersonellen Psychotherapie (IPT) lässt sich eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) effektiv behandeln, ohne dass die Betroffenen sich ihrem Traumageschehen direkt erneut aussetzen müssen. Dies berichten jetzt amerikanische und britische Forscher aus einer „Non-Inferiority“-Studie.

Quelle: Markowitz JC et al.: Is exposure necessary? A randomized clinical trial of interpersonal psychotherapy for PTSD. Am J Psychiatry 2015; 172(5): 430-40

Aripiprazol-Depot bei Schizophrenie

Die zumeist chronisch-rezidivierend verlaufende und mit häufigen Hospitalisierungen und persistierenden kognitiven und funktionellen Defiziten einhergehende Schizophrenie bedarf einer zuverlässigen antipsychotischen Therapie. Depot- Antipsychotika können über eine Förderung der ...

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