Sucht

Gewalttätigkeit nach Entlassung aus der Psychiatrie
Ärger droht, wenn die Patienten weiter kiffen

Substanzkonsum kann sowohl psychiatrische Symptome als auch Gewalttätigkeit fördern. Anders als für Alkohol und Kokain ist die Studienlage zu dem – allgemein eher friedfertig stimmenden – Cannabis dürftig. Ob ein fortgesetzter Konsum von psychiatrischen Patienten nach deren Entlassung einen Einfluss auf gewalttätiges Verhalten hat, prüften prospektiv jetzt kanadische Psychiater.

Kleine Fallserie zu RLS-Beschwerden
Cannabis lässt Beschwerden „verschwinden"

Ein Teil der RLS-Patienten spricht auf die medikamentöse Therapie nicht ausreichend an, toleriert die Nebenwirkungen nicht oder entwickelt Komplikationen. Nun berichten zwei Neurowissenschaftler aus Bordeaux über sechs Patienten mit schwerem, therapierefraktärem RLS, die sich erstaunlich erfolgreich mit Cannabis selbst behandelten.

Quelle: Megelin T, Ghorayeb I: Cannabis for restless legs syndrome: a report of six patients. Sleep Med 2017; 36: 182-3

Alkohol doch schädlicher als gedacht?
Hirnstruktur und Kognition schon bei moderatem Konsum beeinträchtigt

Epidemiologischen Studien zufolge geht ein geringer bis moderater Alkoholkonsum gegenüber einer Abstinenz mit diversen Gesundheitsvorteilen wie z. B. einer verringerten Inzidenz von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Demenz einher. Nun spricht eine viel beachtete britische Langzeitstudie über 30 Jahre schon bei „normalen“ Trinkmengen für relevante Hirnveränderungen und kognitive Beeinträchtigungen.

Quelle: Topiwala A et al.: Moderate alcohol consumption as risk factor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study. BMJ 2017; 357: j2353 [Epub 6. Juni; doi: 10.1136/bmj.j2353]

EMCDDA-Übersicht zum Cannabis-Konsum
Immer mehr Therapiesuchende in Europa

Der Cannabis-Konsum in Europa nimmt zu. Es wird geschätzt, dass etwa jeder zehnte Konsument eine Abhängigkeit entwickelt. Das in Lissabon ansässige European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) hat nun die europäischen und nationalen Trends für die Behandlung Cannabis-assoziierter Probleme untersucht.

Quelle: Montanari L et al.: Cannabis use among people entering drug treatment in Europe: a growing phenomenon? Eur Addict Res 2017; 23(3): 113-21

APA-Vorschlag: „Internet Gaming Disorder"
Wirklich ein relevantes Problem?

Mit dem Siegeszug von Smartphones und Tablets sind offenbar auch die nichtsubstanzgebunden Süchte auf dem Vormarsch. Wie häufig ist eine von der American Psychiatric Association (APA) vorgeschlagene „Internet Gaming Disorder“ (IGD), und inwieweit wirkt sie sich auf das Alltagsleben der Betroffenen aus?

Quelle: Przybylski AK et al.: Internet gaming disorder: investigating the clinical relevance of a new phenomenon. Am J Psychiatry 2016: appiajp201616020224 [Epub 4. Nov.; doi: 10.1176/appi.ajp.2016.16020224]

Krebs durch Alkohol
Sieben Malignom-Arten sind bei erhöhtem Konsum deutlich häufiger

Neben den eigentlichen Suchtfolgen geht übermäßiger Alkoholkonsum auch mit einer Vielzahl von Begleiterkrankungen einher, die zu der erhöhten Mortalität beitragen. Die Höhe des Konsums spielt dabei eine wesentliche Rolle. In einer Übersichtsarbeit beleuchtete ein Schweizer Experte die Zusammenhänge mit Krebserkrankungen. Danach sind die Risiken für einige maligne Neubildungen um den Faktor 4 bis 7 erhöht.

Quelle: Connor J: Alcohol consumption as a cause of cancer. Addiction 2016; [Epub 21. Juli; doi:

Substitutionstherapie
Mit retardiertem Morphin zurück ins normale Leben

Die Substitution ist die weltweit am stärks ten verbreitete und erfolgreichste Behandlung der Opioidabhängigkeit. Die Einführung von retardiertem Morphin stellt aus Expertensicht eine deutliche Bereicherung in der Behandlung Opioidabhängiger dar. Dies wurde auf einem Pressegespräch von Mundipharma im Rahmen des 17. Interdisziplinären Kongresses für Suchtmedizin in München deutlich.

Quelle: Pressegesprech: „Individuelle Substitutionstherapie: Warum wir retardiertes Morphium brauchen“, 17. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin, München, 30. Juni 2016. Veranstalter: Mundipharma Retardiertes Morphin: Substitol®

Online-Game zur Nikotin-Abstinenz
Lindert „Crave-Out" das Rauchverlangen?

Um das Nikotin-Craving bei Rauchverzicht zu verringern, wurde ein Sucht-bezogenes Online-Game entwickelt, das einerseits der Ablenkung von der Sucht und andererseits der Motivation zum Abstinenzerhalt dient. Ließen sich damit Erfolge erzielen?

Quelle: DeLaughter KL et al.: Crave-out: a distraction/ motivation mobile game to assist in smoking cessation. JMIR Serious Games 2016; 4(1): e3 [Epub 26. Mai; doi: 10.2196/games.4566]

Medizinisches und nicht-medizinisches Cannabis
Legalize it! Oder doch lieber nicht?

Für schwer kranke Patienten ohne Therapiealternativen soll medizinisches Cannabis hierzulande ab 2017 erhältlich sein (und erstattet werden). Zu „Genuss- und Rauschzwecken“ soll es tabu bleiben. Nach einigen US-Bundesstaaten ist nun Kanada im Begriff, Cannabis als Genussdroge zu legalisieren. Worum kreist die aktuelle Diskussion?

Quelle: Leyton M: Legalizing marijuana. J Psychiatry Neurosci 2016; 41(2): 75-6]

Primärprävention per Internet
Verhindert „IBI" den Konsumanstieg?

Wie wirksam ist eine kurze Internet-basierte Intervention (IBI) als primärpräventive Maßnahme zur Verhinderung eines Konsumanstiegs bei jungen Menschen, die (noch) nicht übermäßig trinken? Dies wurde jetzt in einer kontrollierten Studie untersucht.

Quelle: Bertholet N et al.: Internet-based brief intervention to prevent unhealthy alcohol use among young men: a randomized controlled trial. PLoS One 2015;10(12): e0144146. [Epub 7. Dez.; doi: 10.1371/journal.pone.0144146]

Jeden Tag eine „Tüte"
Schlecht für das verbale Gedächtnis

Menschen, die viele Jahre lang fast täglich Marihuana rauchen, können bereits im mittleren Lebensalter unter erheblichen Gedächtnisproblemen leiden. Dies zeigt die US-amerikanische Studie CARDIA (Coronary Artery Risk Development in Young Adults).

Quelle: Auer R et al.: Association between lifetime marijuana use and cognitive function in middle age: The Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA) Study. JAMA Intern Med 2016 [Epub 1. Feb.; doi:10.1001/jamainternmed.2015.7841]

Längsschnittstudie bei Jugendlichen
„Heavy drinking" stört die Hirnentwicklung – bei Jungen und bei Mädchen

Dass jeder Vollrausch Hirnzellen kostet, ist eine Volksweisheit. Kalifornische Psychiater fanden nun in einer Längsschnitt-MRT-Studie heraus, dass ein „Heavy drinking“ bei Jugendlichen die normale Hirnentwicklung beeinträchtigt und zu beträchtlichen morphologischen Veränderungen führt. Betroffen waren in verschiedenen Regionen und Strukturen sowohl die graue als auch die weiße Substanz.

Quelle: Squeglia LM et al.: Brain development in heavydrinking adolescents. Am J Psychiatry 2015; 172(6): 531-42

Überraschend häufig
Zu viel Alkohol Schwangerschaft

Commonwealth-Länder untersuchten den Alkoholkonsum schwangerer Frauen und kamen zu „ernüchternden“ Ergebnissen. Gibt es Prädiktoren für das risikoreiche Verhalten, anhand derer sich gefährdete Frauen rechtzeitig erkennen lassen?

Quelle: O'Keeffe LM et al.: Prevalence and predictors of alcohol use during pregnancy: findings from international multicentre cohort studies. BMJ Open 2015; 5(7): e006323 [Epub: 6. Juli; doi: 10.1136/bmjopen-2014-006323]

„stop-cannabis"
Hilft eine APP Cannabis-Konsumenten?

Für Menschen mit Substanzmissbrauch werden immer mehr internetbasierte Selbsthilfeangebote angeboten. Mit einer für Smartphones neu entwickelten interaktiven App soll Cannabis-Konsumenten geholfen werden, ihren Konsum zu verringern oder zu beenden bzw. einen Rückfall zu vermeiden. Eine Online-Umfrage bei den Nutzern ergab Verbesserungsvorschläge, doch mehrheitlich wurde die App als hilfreich empfunden.

Quelle: Mooney G et al.: mHealth app for cannabis users: satisfaction and perceived usefulness. Front. Psychiatry 2015; 6: 120 [Epub: 27 August 2015; doi: 10.3389/fpsyt.2015.00120

„Problem-Gamer"
Drei Viertel mit psychiatrischer Komorbidität

Suchtkranke weisen im Allgemeinen eine extrem hohe Rate an komorbiden psychiatrischen Erkrankungen wie Substanzmissbrauch, Angst und Depression auf. Anhand eines systematischen Review und anschließender Metaanalyse befassten sich Psychiater des Royal Australian and New Zealand College of Psychiatrists nun mit der Komorbidität bei Problemspielern.

Quelle: Dowling NA et al.: Prevalence of psychiatric comorbidity in treatment-seeking problem gamblers: A systematic review and meta-analysis. Aust N Z J Psychiatry 2015; 49(6): 519-39

Problematischer Alkoholkonsum
Auch besondere Trinkanlässe erfassen

Bei Befragungen zum Trinkverhalten bleibt der Konsum alkoholischer Getränke bei besonderen Gelegenheiten wie Feiern, Wochenenden, Ferien etc. oft unberücksichtigt, kann aber maßgeblich zum Gesamtkonsum beitragen. So klafft zwischen der herkömmlichen Erfassung des Alkoholkonsums und den Verkaufszahlen in England eine Lücke von mehr als 40%. Dort wurde nun untersucht, inwieweit dieser „außerordentliche“ vom „typischen“ Konsum abweicht.

Quelle: Bellis MA, et al.: Holidays, celebrations, and commiserations: measuring drinking during feasting and fasting to improve national and individual estimates of alcohol consumption. BMC Med 2015; 13: 113 [Epub 22. Mai; doi: 10.1186/s12916-015- 0337-0]

Internet-Befragung im UK
Auch Z-Drugs haben Missbrauchspotenzial

Z-Substanzen wie Zopiclon, Zaleplon etc. weisen weniger Nachteile auf als Benzodiazepine. Die Ergebnisse einer Internet-basierten Befragung deuten nun darauf hin, dass auch diese Wirkstoffgruppe ein Missbrauchspotenzial haben könnte.

Quelle: Kapil V et al.: Misuse of benzodiazepines and Zdrugs in the UK. Br J Psychiatry 2014; 205(5): 407-8

Vareniclin bei Nikotinabhängigen
Wirklich Suizid, Psychose und Straftaten als Nebenwirkung?

Das zur Rauchentwöhnung eingesetzte Vareniclin steht seit einiger Zeit in Verdacht, eine Reihe von psychischen Nebenwirkungen wie Depression und Suizidalität zu induzieren und das Unfallrisiko zu erhöhen. In einer populationsbasierten Studie untersuchten schwedische und britische Wissenschaftler nun anhand verschiedener Register etwaige Zusammenhänge. Sie kamen zu klaren, differenzierten Ergebnissen.

Quelle: Molero Y et al.: Varenicline and risk of psychiatric conditions, suicidal behaviour, criminal offending, and transport accidents and offences: population based cohort study. BMJ 2015; 350: h2388. [Epub 2. Juni; doi: 10.1136/bmj.h2388]

Crack-Abhängigkeit
tDCS verringert das Craving und mindert die Angst

Der Konsum von Crack grassiert – weltweit und auch in Deutschland. Die Therapie ist erfahrungsgemäß noch schwieriger als die von Kokain-Abhängigen. In einer placebokontrollierten Pilotstudie prüfte jetzt ein internationales Ärzteteam die Effekte einer transkranialen direkten Stimulation (tDCS) des Dorsolateralen Präfrontalkortex (DLPFC) auf die Abhängigkeitssymptomatik undandere klinische Variablen.

Quelle: Batista EK et al.: A randomized placebo-controlled trial of targeted prefrontal cortex modulation with bilateral tDCS in patients with crack-cocaine dependence. Int J Neuropsychopharmacol 2015; pii: pyv066 [Epub: 10. Juni; doi: 10.1093/ijnp/pyv066]

Analgetika-Kopfschmerz
Lebensqualiät prädiziert Therapierfolg

Bei Patienten mit Analgetika-induziertem Kopfschmerz („Medication-overuse headache", MOH) kommt es nach einem Entzug in 24% bis 43% der Fälle zu einem Rückfall. Valproat (VPA) kann dem entzugsbedingten Kopfschmerz vorbeugen und die Rückfallwahrscheinlichkeit reduzieren. Italienische Forscher versuchten jetzt, die VPA-Responder bzw. -Non- Responder vorab zu identifizieren.

Quelle: Caproni S et al.: Migraine-specific quality of life questionnaire and relapse of medication overuse headache. BMC Neurol 2015; 15: 85 [Epub 21. Mai; doi: 10.1186/s12883-015-0339-8]

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