Multiple Sklerose

90. Kongress der DGN, 20.–23. September 2017 in Leipzig
Update des Neurologie-Spektrums

Zum 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Leipzig kamen rund 6000 deutsche und internationale Besucher. Die vier Tage waren dem Update des gesamten Spektrums der Neuromedizin gewidmet – von Schlaganfall über Demenzen, Bewegungsstörungen, MS etc. bis zu seltenen Erkrankungen.

„Innenwahrnehmung"
Fatigue und autonome Symptome korrelieren

Die Annahme, dass die bei MS-Patienten häufigen subjektiven kognitiven Fatigue-Erscheinungen und Symptome des autonomen Nervensystems auf dem gemeinsamen interozeptiven Netzwerk beruhen, untersuchte jetzt ein deutsch-niederländisches Team.

Quelle: Sander C et al.: Subjective cognitive fatigue ... Front Neurol 2017; 8: 475 [Epub 13. Sept.; doi:10.3389/ fneur.2017.00475]

MS-Behandlung mit Ocrelizumab
Behinderungsprogression schon früh gebremst

Sowohl bei der schubförmig-remittierenden MS (RRMS) als auch bei der primär und sekundär progredienten MS (PPMS, SPMS) ist das zentrale Behandlungsziel, die Behinderungsprogression möglichst früh im Verlauf zu verlangsamen. Dass das in klinischer Prüfung befindliche Ocrelizumab die Krankheitsprogression zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung bremsen kann, berichten jetzt Experten auf einem Satellitensymposium des Unternehmens Roche beim diesjährigen DGN-Kongress in Leipzig.

Quelle: Satellitensymposium: „RMS und PPMS – Gemeinsamkeiten und Unterschiede“, 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Leipzig, 21. Sept. 2017. Veranstalter Roche Ocrelizumab: voraussichtl.Handelsname Ocrevus®

Drei Fallberichte
CAVE: Leberschäden nach Kortikosteroidpuls

Hochdosiertes Methylprednisolon i.v. (IVMP) für drei oder fünf Tage ist die Standardbehandlung eines akuten MS-Schubes. Jetzt berichten spanische Neurologen von drei Fällen einer schwerer Hepatotoxizität – und machen Vorschläge für das Management dieser vielleicht doch nicht so seltenen Komplikation.

Quelle: Hidalgo de la Cruz M et al.: Hepatotoxicity after high-dose intravenous methylprednisolone in multiple sclerosis patients. Clin Case Rep 2017; 5(8): 1210-12

Anti-CD52-Antikörper Alemtuzumab
Auch die Hirnatrophie-Zunahme wird verlangsamt

Ohne eine kontinuierliche MS-Medikation kann mit einer Impulstherapie mit Alemtuzumab den klinischen Studien zufolge eine anhaltende klinische Wirksamkeit erzielt werden. Diese umfasst sowohl eine anhaltende Schubratenreduktion als auch die Verlangsamung der Behinderungsprogression. Diese Effekte einschließlich der positiven Wirkungen des monoklonalen CD52-Antikörpers auf die Hirnatrophie, schilderten nun MS-erfahrene Neurologen auf einem von Sanofi Genzyme unterstützten Satellitensymposium beim 90. DGN-Kongress in Leipzig.

Quelle: Satellitensymposium: „Der sichere Umgang mit Multiple Sklerose-Patienten“, 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Leipzig, 21. Sept. 2017. Unterstützt von Sanofi Genzyme Alemtuzumab: Lemtrada®

Azathioprin, Mitoxantron, Cyclophosphamid
CAVE: Krebsrisiko unter Immunsuppressiva

Die Studienlage ist uneinheitlich: Entwickeln MS-Patienten gehäuft maligne Neubildungen oder nicht? Und hat die Behandlung, besonders mit klassischen Immunsuppressiva, auf das Krebsrisiko einen Einfluss? Diese Zusammenhänge wurden jetzt in einer großen italienischen Kohortenstudie untersucht.

Quelle: Ragonese P et el.: Association between multiple sclerosis, cancer risk, and immunosuppressant treatment: a cohort study. BMC Neurol 2017; 17(1): 155 [Epub 8. Aug.; doi: 10.1186/s12883-017-0932-0]

Pharma Neu
Cladribin-Tabletten zugelassen
Die Europäische Kommission hat am 25. Aug. 2017 die Marktzulassung für Cladribin-Tabletten (MAVENCLAD® 10 mg) des Unternehmens Merck für die Behandlung der schubförmigen MS bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität in den 28 Ländern der EU und in Island,
...
European Academy of Neurology, 24.–27. Juni 2017 in Amsterdam
Multiple Sklerose, Demenz und Migräne − Neues vom EAN

In Amsterdam trafen sich die europäischen Neurologen zu ihrem Jahreskongress − mehr als 6000 Besucher kamen. Das übergreifende Thema des 3rd Congress der European Academy of Neurology (EAN) war „Outcome measures in Neurology“. Die Sessions umfassten das gesamte Spektrum der neurodegenerativen, entzündlichen, traumatischen und übrigen neurologischen Erkrankungen

Oxidativer Stress bei progressiver MS
Glutathion-Mangel korreliert mit Hirnatrophie

Der Theorie nach wird die Hirnatrophie durch oxidativen Stress gefördert. Ob die Konzentrationen an Glutathion (g-L-Glutamyl-L-Cysteinylglycin; GSH) als dem wichtigsten nicht-enzymatischen Antioxidans im Hirngewebe bei Patienten mit progressiver MS verringert ist, wurde jetzt in vivo in einer US-Bildgebungsstudie geprüft.

Quelle: Choi IY et al.: In vivo evidence of oxidative stress in brains of patients with progressive multiple sclerosis. Mult Scler 2017; 1352458517711568 [Epub 1. Juni; doi: 10.1177/1352458517711568]

Teriflunomid in der MS-Therapie
Auch wichtige Effekte auf die Fatigue und die Kognition

Beim „3. MS Special(ists)-Presseworkshop“ von Sanofi-Genzyme schilderten MS-Experten in Hamburg, wie sich die orale Therapie mit Teriflunomid auf Symptombereiche wie Fatigue und kognitive Beeinträchtigungen sowie auf die Therapiezufriedenheit der Patienten auswirkt. Sie plädieren dafür, diese „unsichtbaren Symptome“ der MS von Anfang an im Blick zu haben.

Quelle: Presseworkshop: MS-Workshop „3. MS Special(ists)“, Hamburg, 09.08.2017. Veranstalter: Sanofi Genzyme Teriflunomid: Aubagio®

Ocrelizumab bei schubförmiger MS
Schnelle Kontrolle der Krankheitsaktivität

Das in den USA bereits zugelassene und in Europa im Zulassungsverfahren befindliche Ocrelizumab führt innerhalb weniger Wochen nach Behandlungsbeginn zu einer signifikanten Reduzierung der klinischen und radiologischen MS-Aktivität. Diese Daten zu dem B-Zell-depletierenden monoklonalen Anti-CD20-Antikörper wurden auf einer „Platform Presentation“ zur MS beim 69. Jahrestreffen der AAN in Boston vorgestellt.

Quelle: Scientific Presentation: Hauser SL: Rapidity of onset of ocrelizumab clinical efficacy in relapsing multiple sclerosis. Platform Presentation „MS Therapeutics and Clinical Research II“ (S31.002), 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN), Boston, 26.04.2017 Ocrelizumab

MP in der Ära der Immunmodulation
Wie wirksam ist die Therapie akuter Schübe heute?

Hochdosiertes Methylprednisolon (MP), zumeist intravenös verabreicht, ist die Standardbehandlung des akuten MS-Schubes. Einige Patienten sprechen darauf aber nicht an – und insgesamt ist die Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen nicht gut belegt. Jetzt nahmen Leipziger Neurologen die Effekte unter die Lupe – bei immunmodulatorisch behandelten und nicht-behandelten Patienten.

Quelle: Stopp M et al.: Outcome of MS relapses in the era of disease-modifying therapy. BMC Neurol 2017; 17(1): 151 [Epub 7. Aug,; doi: 10.1186/s12883-017- 0927-x]

Persistenz und Kinderwunsch:
GA bietet eine alltagstaugliche MS-Therapie

Wie sich die Adhärenz in der MS-Behandlung optimieren lässt und welche Besonderheiten bei Patientinnen mit Kinderwunsch zu beachten sind, wurde im Rahmen eines interdisziplinären Pressegespräches des Unternehmens Teva erörtert. Der Immunmodulator Glatirameracetat (GA) – seit 2015 als dreimal wöchentliche Therapie (GA40) verfügbar – erfüllt viele Anforderungen an eine alltagstaugliche Basistherapie. Seit kurzem steht auch dem Kinderwunsch unter GA nichts mehr im Wege.

Quelle: Pressegespräch: „Perspektivwechsel: Erfahrungshorizonte in der Behandlung der Multiplen Sklerose“, Berlin, 17.07.2017. Veranstalter: Teva Glatirameracetat: Copaxone®

Ocrelizumab verringert MS-Aktivität und Progression
Viele RMS und PPMS-Patienten erreichen neuen Endpunkt NEPAD

Ocrelizumab wurde in den USA zur Therapie der schubförmigen und progressiven MS zugelassen und befindet sich derzeit im EU-Zulassungsverfahren. Auf einem Satellitensymposium von Roche auf dem diesjährigen EAN-Kongress wurde die Wirksamkeit des monoklonalen Anti-CD20-Antikörpers u. a. anhand des neuen kombinierten Endpunktes NEPAD (No Evidence of Progression [NEP] und Active Disease [AD]) vorgestellt.

Quelle: Satellitensymposium: „From candle to lightbulb: How has innovation defined our understanding of multiple sclerosis?“, 3. Kongress der European Academy of Neurology (EAN), Amsterdam, 24. Juni 2017. Veranstalter: Roche Pharma Ocrelizumab: Ocrevus®

KIS: Minocyclin verhindert die Konversion zur MS – aber nicht auf Dauer

Positive Wirksamkeitshinweise aus ersten Studien haben das Minocycline in MS Study Team bewogen, eine randomisierte Placebo-kontrollierte Studie bei Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom (KIS) durchzuführen. Wird die MS-Konversionsrate reduziert?

Quelle: Metz LM et al. für das Minocycline in MS Study Team: Trial of Minocycline in a Clinically Isolated Syndrome of Multiple Sclerosis. N Engl J Med 2017; 376(22): 2122-33; Xia Z, Friedlander RM: Minocycline in Multiple Sclerosis – compelling results but too early to tell. ebda: 2191-93

tDCS des dorsolateralen Präfrontalkortex
Neuer Ansatz gegen die Fatigue?

Es ist leider offensichtlich, dass die Fatigue von MS-Patienten nicht nur eine überaus starke Belastung darstellt, sondern auch nur sehr unzureichend behandelt werden kann. Jetzt erprobten Neurologen in einer Doppelblindstudie die direkte transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) des linken dorsolateralen Präfrontalkortex (DLPFC).

Quelle: Chalah MA et al.: Effects of left DLPFC versus right PPC tDCS on multiple sclerosis fatigue. J Neurol Sci 2017; 372: 131-7

Individualisierte Therapie der MS
Reversible Modulation des Immunsystems mit Daclizumab

Jegliche Krankheitsaktivität langfristig zu vermeiden, ist heute das übergeordnete Ziel der MS-Therapie. Neue hochwirksame Behandlungsoptionen mit innovativem Wirkmechanismus wie der nur einmal im Monat subkutan angewendete monoklonale Antikörper Daclizumab ermöglichen es, dieses Ziel bei einem Großteil der Patienten zu erreichen. Dies wurde auf einem von Biogen unterstützen Pressegespräch in Dresden diskutiert.

Quelle: Pressegespräch: „Aktive MS frühzeitig, wirksam und individuell behandeln – Exklusive Einblicke in den Klinikalltag“, Dresden, 18. Mai 2017. Veranstalter: Biogen Daclizumab: Zinbryta®

Neue Studiendaten
Fingolimod in der „Real-World"

Beim AAN 2017 in Boston vorgestellte Studiendaten belegen für den einmal täglich oral einzunehmenden Immunmodulator Fingolimod (Gilenya®, Novartis) den Nutzen im Praxisalltag. In der Phase-IV-Studie „Multiple Sclerosis clinical outcome and MRI in the US“ (MS-MRIUS) wirkte ...

Therapie-Optionen
Therapie der CIPD mit IgPro10

Bei der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIPD) bieten polyvalente intravenöse Immunglobuline (IVIG) wie IgPro10 (Privigen®, CSL Behring) für die Induktionsund Erhaltungstherapie einen hohen Evidenzgrad (Level A). Seine Wirksamkeit bei CIPD wurde u. a. in ...

Therapie-Optionen
Einmal monatlich Daclizumab bei RMS

Mit Daclizumab (Zinbryta®, Biogen) steht ein Antikörper-Präparat zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger MS (RMS) zur Verfügung, das einmal monatlich vom Patienten selbst mittels Fertigspritze injiziert wird. Daclizumab wirkt selektiv gegen die T-Zell-...

GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum