Multiple Sklerose

Ocrelizumab verringert MS-Aktivität und Progression
Viele RMS und PPMS-Patienten erreichen neuen Endpunkt NEPAD

Ocrelizumab wurde in den USA zur Therapie der schubförmigen und progressiven MS zugelassen und befindet sich derzeit im EU-Zulassungsverfahren. Auf einem Satellitensymposium von Roche auf dem diesjährigen EAN-Kongress wurde die Wirksamkeit des monoklonalen Anti-CD20-Antikörpers u. a. anhand des neuen kombinierten Endpunktes NEPAD (No Evidence of Progression [NEP] und Active Disease [AD]) vorgestellt.

Quelle: Satellitensymposium: „From candle to lightbulb: How has innovation defined our understanding of multiple sclerosis?“, 3. Kongress der European Academy of Neurology (EAN), Amsterdam, 24. Juni 2017. Veranstalter: Roche Pharma Ocrelizumab: Ocrevus®

KIS: Minocyclin verhindert die Konversion zur MS – aber nicht auf Dauer

Positive Wirksamkeitshinweise aus ersten Studien haben das Minocycline in MS Study Team bewogen, eine randomisierte Placebo-kontrollierte Studie bei Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom (KIS) durchzuführen. Wird die MS-Konversionsrate reduziert?

Quelle: Metz LM et al. für das Minocycline in MS Study Team: Trial of Minocycline in a Clinically Isolated Syndrome of Multiple Sclerosis. N Engl J Med 2017; 376(22): 2122-33; Xia Z, Friedlander RM: Minocycline in Multiple Sclerosis – compelling results but too early to tell. ebda: 2191-93

tDCS des dorsolateralen Präfrontalkortex
Neuer Ansatz gegen die Fatigue?

Es ist leider offensichtlich, dass die Fatigue von MS-Patienten nicht nur eine überaus starke Belastung darstellt, sondern auch nur sehr unzureichend behandelt werden kann. Jetzt erprobten Neurologen in einer Doppelblindstudie die direkte transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) des linken dorsolateralen Präfrontalkortex (DLPFC).

Quelle: Chalah MA et al.: Effects of left DLPFC versus right PPC tDCS on multiple sclerosis fatigue. J Neurol Sci 2017; 372: 131-7

Individualisierte Therapie der MS
Reversible Modulation des Immunsystems mit Daclizumab

Jegliche Krankheitsaktivität langfristig zu vermeiden, ist heute das übergeordnete Ziel der MS-Therapie. Neue hochwirksame Behandlungsoptionen mit innovativem Wirkmechanismus wie der nur einmal im Monat subkutan angewendete monoklonale Antikörper Daclizumab ermöglichen es, dieses Ziel bei einem Großteil der Patienten zu erreichen. Dies wurde auf einem von Biogen unterstützen Pressegespräch in Dresden diskutiert.

Quelle: Pressegespräch: „Aktive MS frühzeitig, wirksam und individuell behandeln – Exklusive Einblicke in den Klinikalltag“, Dresden, 18. Mai 2017. Veranstalter: Biogen Daclizumab: Zinbryta®

Neue Studiendaten
Fingolimod in der „Real-World"

Beim AAN 2017 in Boston vorgestellte Studiendaten belegen für den einmal täglich oral einzunehmenden Immunmodulator Fingolimod (Gilenya®, Novartis) den Nutzen im Praxisalltag. In der Phase-IV-Studie „Multiple Sclerosis clinical outcome and MRI in the US“ (MS-MRIUS) wirkte ...

Therapie-Optionen
Therapie der CIPD mit IgPro10

Bei der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIPD) bieten polyvalente intravenöse Immunglobuline (IVIG) wie IgPro10 (Privigen®, CSL Behring) für die Induktionsund Erhaltungstherapie einen hohen Evidenzgrad (Level A). Seine Wirksamkeit bei CIPD wurde u. a. in ...

Therapie-Optionen
Einmal monatlich Daclizumab bei RMS

Mit Daclizumab (Zinbryta®, Biogen) steht ein Antikörper-Präparat zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger MS (RMS) zur Verfügung, das einmal monatlich vom Patienten selbst mittels Fertigspritze injiziert wird. Daclizumab wirkt selektiv gegen die T-Zell-...

69th Annual Meeting der AAN, 22.–28. April 2017, Boston/USA
Neue Entwicklungen und Therapien

Das 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN) lockte Ende April 2017 13 000 Fachbesucher nach Boston. Neben zahlreichen Veranstaltungen und Postern zur Multiplen Sklerose wurden viele neue Entwicklungen bei Kopfschmerz, Demenz, Epilepsie, Parkinson-Syndrom und anderen, selteneren Krankheiten vorgestellt.

AAN 2017: Teriflunomid in der TOPIC-Studie
Positive Effekte auf die kortikale Atrophie

Eine jetzt auf der 69. Jahrestagung der AAN vorgestellte Auswertung der Phase-III-Studie TOPIC zeigt, dass die einmal tägliche orale Therapie mit Teriflunomid die Atrophie der kortikalen grauen Substanz der Patienten mit einem klinisch isoliertem Syndrom (KIS) positiv beeinflussen kann. Eine kortikale Atrophie scheint u. a. mit der Behinderungsprogression und mit einer Verschlechterung der kognitiven Funktion einherzugehen.

Quelle: Posterpräsentation: Zivadinov R et al.: Evaluating the Effect of Teriflunomide on Cortical Gray Matter Atrophy in the Phase 3 TOPIC Study. Poster P6.334, 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN), Boston/ USA, 28. April 2017. Poster unterstützt von Sanofi Genzyme Terifunomid: Aubagio®

Klinisch isoliertes Syndrom (KIS)
Schon früh kognitive Defizite und Hirnatrophie nachweisbar?

Ein klinisch isoliertes Syndrom (KIS) stellt sich sehr häufig als Erstmanifestation einer schubförmigen MS dar. Nun prüften tschechische Forscher anhand der Voxel-basierten Morphometrie, inwieweit sich auch bei diesen Patienten schon ein spezielles Muster kognitiver Beeinträchtigungen und struktureller Hirnveränderungen finden lässt, und ob es sich von dem bei einer MS unterscheidet.

Quelle: Hyncicová E et al.: Cognitive impairment and structural brain changes in patients with clinically isolated syndrome at high risk for multiple sclerosis. J Neurol 2017; 264(3): 482-93

Epileptische Anfälle bei MS
Große Metaanalyse: Welche Risikofaktoren gibt es?

Im Krankheitsverlauf kann es bei MS-Patienten gar nicht so selten auch zu epileptischen Anfällen kommen, doch die Risikofaktoren für diese schwerwiegende Komplikation sind weitgehend unbekannt. Mit dieser Thematik befasste sich nun ein italienisches Teams anhand einer Metaanalyse.

Quelle: Gasparini S et al.: Risk factors for unprovoked epileptic seizures. Neurol Sci 2017 Epub 04.01.2017; doi: 10.1007/s10072-016-2803-7

Perspektive
FDA: Ocrelizumab bei PPMS zugelassen

Die US-amerikanische FDA hat mit dem monoklonalen Antikörper Ocrelizumab (Ocrevus®, Roche) jetzt das erste Medikament zugelassen, das in den USA sowohl bei schubförmigen als auch fortschreitenden Verlaufsformen der MS wie der primär progredienten MS (PPMS) eingesetzt werden kann. ...

Impulstherapie der schubförmigen MS mit Alemtuzumab
„Time is Brain" – die Lebensqualität im Fokus

Wie sich die Impulstherapie mit dem humanisierten monoklonalen Antikörper Alemtuzumab auf Patienten mit einer schubförmigen MS (RRMS) auswirkt, wurde jüngst auf einer Presseveranstaltung von Sanofi Genzyme in München erläutert. In Studien wurden alle wichtigen MS-Parameter signifikant gebessert – und die Patienten benötigen nach den ersten beiden Behandlungsphasen mehrheitlich auf Jahre keine weitere Therapie.

Quelle: Pressegespräch: „MS Inside(r)“: Time is brain – und Lebensqualität! Die Impulstherapie mit Alemtuzumab“, München, 4. April 2017. Veranstalter Sanofi Genzyme Alemtuzumab: Lemtrada®

Neue Perspektiven in der MS-Therapie
Cladribin bremst auch die Hirnatrophie-Rate

Patienten mit schubförmig remittierender MS (RRMS) scheinen von einer Behandlung mit Cladribin-Tabletten (in klinischer Prüfung) mehrfach zu profitieren. In klinischen Studien verringerte die Substanz bei nur zwei kurzen Behandlungsphasen neben der Schubrate und der Behinderungsprogression auch die Hirnatrophie-Rate. Diese Erkenntnisse erläuterten MS-Experten auf einem Pressegespräch von Merck in Frankfurt.

Quelle: Pressegespräch: „Vielfalt in der MS-Therapie – neue Chancen für individuelle Therapiestrategien“ NeuroInteraktiv kompakt, Frankfurt/Main, 10. März 2017. Veranstalter: Merck

Internationale MS-Übersicht
Sexuelle Probleme bei der Mehrheit

Schwierigkeiten mit der Sexualität belasten gerade jüngere MS-Patienten. In einer Querschnittsstudie wurden nun mehrere tausend MS-Patienten zu sexuellen Funktionsstörungen und ihrer Zufriedenheit mit ihrem Sexualleben befragt. Für die häufigen sexuellen Problemen wurden assoziierter Faktoren identifiziert, u. a. Depression und Fatigue.

Quelle: Marck CH et al.: Sexual function in multiple sclerosis and associations with demographic, disease and lifestyle characteristics: an international cross-sectional study. BMC Neurol 2016; 16(1): 210 [Epub 4. Nov.; doi: 10.1186/s12883-016-0735-8]

Nach der BtmG-Änderung
Cannbinoide qualifiziert einsetzen

Um ihre spastischen Beschwerden und Schmerzen zu lindern, greifen nicht wenige MS-Patienten zu Cannabis, einige durften die Droge sogar selbst anbauen. Am 19. Jan. 2017 hat der Bundestag das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ (BtMG) zur erleichterten Versorgung „schwerkranker“ Patienten mit Cannabis in Form getrockneter Blüten oder Extrakte beschlossen. Welche Chancen, aber auch Gefahren damit für die Patienten und das Gesundheitssystem einhergehen, wurde vor kurzem auf einem Pressegespräch von Almirall in Berlin erörtert.

Quelle: Pressegespräch: „Cannabinoidtherapie nach aktueller Gesetzesänderung: Optionen und Ausblick“ Berlin, 16. März 2017. Veranstalter: Almirall Hermal cannabinoidhaltiges Oromukosalspray: Sativex®

Kognitive Beeinträchtigungen bei MS
Computer-Training verbessert die Kognition

Wie wirkt sich ein dreimonatiges computergestützes Übungsprogramm – kombiniert mit einem zuhause durchgeführten neuropsychologischen Training – auf die bei MS-Patienten häufig beeinträchtigte Kognition aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer randomisierten kontrollierten Studie einer spanischen Arbeitsgruppe.

Quelle: Pérez-Martin MY et al.: Efficacy of a short cognitive training program in patients with multiple sclerosis. Neuropsych Dis Treatm 2017; 13: 245-52

Pharma Neu
Gravidität bei MS: Label-Änderung für GA

Für den Immunmodulator Glatirameracetat (GA, Copaxone®, Teva) zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose umfassen die Erfahrungen mehr als zwei Millionen Patientenjahre. Während bislang ausnahmslos alle zugelassenen MS-Medikamente während einer Schwangerschaft ...

Therapie-Optionen
THC/CBD verbessert auch das Gangbild

Spastische Beschwerden sind bei Patienten mit Multipler Sklerose häufig und oft sehr belastend, gut verträgliche Therapieoptionen aber rar. Studien zufolge lässt sich mit dem Oromukosalspray Sativex® (Almirall), das in definiertem Verhältnis Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC)...

Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie
Ocrelizumab auch bei PPMS wirksam

Für die von Anfang schleichend, d. h. ohne nennenswerte Schubaktivität, verlaufende primär progrediente MS (PPMS) existieren keine zugelassenen Medikamente. In einer Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie war der humanisierte monoklonale Antikörper Ocrelizumab, der zu einer selektiven Depletion CD20-positiver B-Zellen führt, auch bei PPMS-Patienten wirksam: Wie in anderen Studien bei Patienten mit schubförmiger MS (RRMS) konnte das noch im Zulassungsprozess befindliche Ocrelizumab die Behinderungszunahme der Patienten signifikant reduzieren.

Quelle: Montalban X et al. für die ORATORIO Clinical Investigators: Ocrelizumab versus placebo in primary progressive Multiple ... N Engl J Med 2017; 376(3): 209-20. Studie unterstützt von Hoffmann-La Roche Ocrelizumab: vorraussichtl. Handelsname Ocrevus®

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