Kopfschmerz/Schmerz

59th Annual Scientific Meeting der AHS in Boston, 8.–11. Juni 2017
Prävention der Migräne im Fokus

Auf dem 59th Annual Scientific Meeting der American Headache Society (AHS) im Juni dieses Jahres wurden mit etwa 1000 Fachbesuchern die neuen Entwicklungen bei den verschiedenen Kopfschmerzformen diskutiert. Neben einigen Beiträgen zur Akuttherapie standen die neuen Daten zu den vier neuen, noch in klinischer Prüfung befindlichen Antikörpern gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bzw. dessen Rezeptor im Vordergrund: Erstmals gibt es spezifische Medikamente zur Migräne-Prävention.

Akuttherapie bei Analgetika-induziertem Kopfschmerz (MOH)
Nach dem Entzug: Helfen Methylprednisolon und Paracetamol?

Bei Analgetika-induziertem Kopfschmerz (Medication Overuse Headache, MOH) ist der Entzug im Allgemeinen der erste Schritt, doch über das Vorgehen im Einzelnen herrscht Unsicherheit, insbesondere über den Stellenwert der Gabe von Steroiden. In einer Pilotstudie untersuchten italienische Neurologen jetzt, ob und wie wirksam nach dem Entzug die Kurzzeittherapie mit Methylprednisolon (MP) und Paracetamol ist.

Quelle: Cevoli S et al.: Treatment of withdrawal headache in patients with medication overuse headache: a pilot study. J Headache Pain 2017; 18(1): 56 [Epub 12. Mai; doi: 10.1186/s10194-017-0763-9]

69th Annual Meeting der AAN, 22.–28. April 2017, Boston/USA
Neue Entwicklungen und Therapien

Das 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN) lockte Ende April 2017 13 000 Fachbesucher nach Boston. Neben zahlreichen Veranstaltungen und Postern zur Multiplen Sklerose wurden viele neue Entwicklungen bei Kopfschmerz, Demenz, Epilepsie, Parkinson-Syndrom und anderen, selteneren Krankheiten vorgestellt.

CAVE: Carotis-Endarteriektomie
Neuer Cluster-Kopfschmerz nach Eingriff

Ein Cluster-Kopfschmerz (CK) hat jüngeren Studien zufolge einen zentralen Ursprung und entsteht normalerweise ohne einen signifikanten äußeren Einfluss. Nun berichteten niederländische Ärzte von zwei Schlaganfall-Patienten, die diesen schweren Kopfschmerztyp nach einer Carotis- Endarteriektomie entwickelten. Wie kommt es zu solch einem sekundären CK?

Quelle: Dirkx TH, Koehler PJ: Post-operative cluster headache following carotid endarterectomy. Eur Neurol 2017; 77(3-4): 175-79

Menstruelle Migräne
Hilft ein multidisziplinärer Ansatz besser?

Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen dem Menstruationszyklus und Migräneattacken. In einer retrospektiven Studie wurde jetzt in den Niederlanden untersucht, inwieweit eine multidisziplinäre Behandlung bei Frauen mit menstrueller Migräne die Symptomatik gegenüber einer Therapie durch Neurologen allein verringern kann.

Quelle: Witteveen H et al.: Treatment of menstrual migraine; multidisciplinary or mono-disciplinary approach. J Headache Pain 2017; 18(1): 45 [Epub 17. April; doi: 10.1186/s10194-017-0752-z]

Therapie-Optionen
CK-Akuttherapie mit Sumatriptan-Fertigpen

Cluster-Kopfschmerz (CK) gilt als die stärkste Kopfschmerzform. Zur Akuttherapie in der Attacke wird in der Leitlinie der DMKG Sumatriptan (6 mg subkutan) als Mittel der ersten Wahl empfohlen. Der sofort gebrauchsfertige Sumatriptan- Hormosan Inject Fertigpen (Hormosan) bietet eine ...

Netzwerk-Metaanalyse
Wie wirksam sind eigentlich Migräne- Prophylaktika?

Migräne-Patienten können von der Einnahme geeigneter prophylaktischer Medikamente erheblich profitieren. Doch für welche Wirkstoffe ist die Evidenz für Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit am größten? Nun wurde zu den gängigsten Prophylaktika eine Netzwerk-Metaanalyse durchgeführt.

Quelle: He A et al.: Unveiling the relative efficacy, safety and tolerability of prophylactic medications for migraine: pairwise and network-meta analysis. J Headache Pain 2017; 18(1): 26 [Epub 20. Feb.; doi: 10.1186/ s10194-017-0720-7]

Migräne-Patienten
Schlaganfall-Risiko nach chirurgischen Eingriffen verdoppelt

Mehrere experimentelle und Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen Migräne und ischämischen Schlaganfällen. In einer Krankenhausregisterstudie wurde nun bei Migräne-Patienten erstmals das Risiko im zeitlichen Zusammenhang mit einer Operation untersucht. Offenbar treten perioperative Schlaganfälle besonders bei Migräne-Kranken mit Aura gehäuft auf.

Quelle: Timm FP et al.: Migraine and risk of perioperative ischemic stroke and hospital readmission: hospital based registry study. BMJ 2017; 356: i6635. [Epub 10. Jan.; doi: 10.1136/bmj.i6635]

Migräne-Patienten mit Aura
Die RLS-Prävalenz steigt mit der Attacken-Häufigkeit

An einer hohen RLS-Migräne-Komorbidität ist kaum zu zweifeln, doch genaue Zahlen sind nicht verfügbar. Diese wurden nun bei Patienten mit episodischer oder chronischer Migräne mit und ohne Aura erfasst.

Quelle: Lin GY et al.: Prevalence of restless legs syndrome in migraine patients with and without aura: a crosssectional, case-controlled study. J Headache Pain 2016; 17(1): 97 [Epub 21. Okt.; doi: 10.1186/s10194-016-0691-0]

Prophylaxe bei chronischer Migräne
Wie sicher und verträglich ist die nicht-invasive VNS?

In der doppelblinden kontrollierten EVENT-Studie wurden neben der Machbarkeit (Feasibility) vor allem die Verträglichkeit und Sicherheit der nicht-invasiven Vagusnerv- Stimulation (nVNS) bei Patienten mit chronischer Migräne geprüft. Wurde durch die Behandlung auch die Zahl der Tage mit Migräneattacken verringert?

Quelle: Silberstein SD et al.: Chronic migraine headache prevention with noninvasive vagus nerve stimulation: The EVENT study. Neurology 2016; 87(5): 529-38

Praktische Erfahrungen
Medizinisches Cannabis bei Migräne?

Die Anwendung von Cannabis weitet sich über die klassischen Indikationen wie MS-bedingte Spastik etc. aus. Bei weitgehendem Fehlen kontrollierter Studien fassten US-Experten jetzt ihre Erfahrungen zu medizinischem Cannabis bei Migräne-Patienten zusammen. Kann Marihuana die Attackenfrequenz maßgeblich senken?

Quelle: Rhyne DN et al.: Effects of medical marijuana on migraine headache frequency in an adult population. Pharmacotherapy 2016; 36(5): 505-10

Neue Studiendaten
nVNS mit gammaCore®

Die nichtinvasive Vagusnervstimulation (nVNS) wurde jüngst in die aktualisierte Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaf (DMKG) zum Clusterkopfschmerz (CK) aufgenommen. Eine neue, auf dem 58th Annual Scientific Meeting der AHS vorgestellte Zusatzauswertung der PREVA-...

Migräne bei Frauen
Hirn und Herz massiv gefährdet

Dass Frauen mit Migräne ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle aufweisen, wurde jetzt in einer Auswertung der großen prospektiven Kohortenstudie Nurses’ Health Study II bestätigt. Die massiv erhöhten Risiken für zerebro- bzw. kardiovaskuläre Komplikationen und Tod sprechen für einen dringenden Handlungsbedarf.

Quelle: Kurth T et al.:Migraine and risk of cardiovascular disease in women: prospective cohort study. BMJ 2016; 353: i2610 [Epub 25.04.2016 doi: 10.1136/bmj.i2610]

Rechts-links-Shunt
Migräne-Aktivität und ischämische Läsionen

Inwieweit hängt ein systemischer Rechts-links-Shunt bei Migräne-Patienten mit ischämischen Läsionen bzw. Hirninfarkten und der Kopfschmerzaktivität zusammen? Ein internationales Team wertete dazu die bevölkerungsbasierte Studie Epidemiological Risk Analysis Part 2 (CAMERA-2) aus.

Quelle: Koppen H et al.: Systemic right-to-left shunts, ischemic brain lesions, and persistent migraine activity. Neurology 2016; 86(18): 1668-75

RLS bei Migräne-Patienten
Doppelt so häufig – und schwerer im Verlauf

In einer großen niederländischen Beobachtungsstudie wurde die aus vergangenen Studien berichtete erhöhte RLS-Prävalenz bei Migräne-Patienten überprüft. Zudem wurde geklärt, welche Rolle die Schlafqualität spielt. Die Ergebnisse waren eindeutig.

Quelle: van Oosterhout WP et al.: Restless legs syndrome in migraine patients: prevalence and severity. Eur J Neurol 2016 [Epub 21. März; doi: 10.1111/ene.12993]

Medikamenten-induzierter Kopfschmerz
Zehnminuten-Intervention in kontrollierter Studie effektiv

Die Problematik eines Analgetika-induzierten Kopfschmerzes ist schwer in den Griff zu bekommen, Entzug ist die Therapie der Wahl. Nun prüften skandinavische Spezialisten unter kontrollierten Bedingungen, ob sich auch eine sehr einfache Kurzintervention bei diesen Patienten hilfreich auswirkt.

Quelle: Kristoffersen ES et al.: Brief intervention by general practitioners for medication-overuse headache, followup after 6 months: a pragmatic cluster-randomised controlled trial. J Neurol 2016; 263(2): 344-53]

Lifestyle-Interventionen bei Migräne
Hoch effektiv – wenn sie durchgehalten werden

Lifestyle-Faktoren im Sinne einer regelmäßigen Lebensführung (Schlaf, körperliche Übungen, Mahlzeiten) können das Auftreten einer Migräne unabhängig von anderen Faktoren beeinflussen. Die Relevanz dieser „Regular lifestyle behaviors” wurde bei Patienten mit chronischer und episodischer Migräne im Rahmen einer Fall-Referenz-Studie untersucht.

Quelle: Woldeamanuel YW, Cowan RP: The impact of regular lifestyle behavior in migraine: a prevalence case-referent study. J Neurol 2016 [Epub 25. Jan.; doi:10.1007/s00415-016-8031-5]

Neue Studiendaten
Analgetika-Fixkombi

Bei chronischen Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente war retardiertes Oxycodon/ Naloxon (Targin®, Mundipharma) der Vergleichstherapie Tapentadol in der Studie OXYNTA deutlich überlegen: Signifikant mehr Patienten erreichten den kombinierten Response-Endpunkt (Odds Ratio: 1,...

Nichtinvasive Vagusnervstimulation (nVNS) bei primären Kopfschmerzen
gammaCore® gegen Clusterkopfschmerz

gammaCore® (Desitin) ist ein modernes Therapiegerät für die nichtinvasive elektrische Vagusnervstimulation (nVNS) bei Erwachsenen. Das Medizinprodukt der Klasse IIa weist die CE-Kennzeichnung für die Behandlung und/oder Vorbeugung der primären Kopfschmerzarten Clusterkopfschmerz, Migräne und Hemicrania continua sowie des Medikamenten- induzierten Kopfschmerzes auf. Eine aktuell publizierte kontrollierte Studie belegt eindrucksvoll die vorbeugende Wirksamkeit der nVNS mit gammaCore® bei den schwer betroffenen Patienten mit chronischem Clusterkopfschmerz.

Quelle: Quellen: 1. Barbanti P et al., J Headache Pain 2015; 16: 61 (DOI: 10.1186/s10194-015-0542-4); 2. Nesbitt AD et al., Neurology 2015; 84: 1249-53; 3. Kinfe TM et al., J Headache Pain 2015; 16: 101 (DOI: 10.1186/s10194-015-0582-9) 4. Gaul C et al., Cephalalgia 2015; pii: 0333102415607070 (DOI: 10.1177/0333102415607070) [Epub 21. Sept., 2015]

Migräne bei älteren Frauen
Vermehrt Attacken in der späten Perimenopause

Vergangene Studien haben gezeigt, dass die Perimenopause mit einer erhöhten Migräneprävalenz einhergeht, besonders bei Frauen mit vorherigem prämenstruellem Syndrom. In der American Migraine Prevalence and Prevention Study wurde nun bei Migräne-Patientinnen untersucht, ob die hormonellen Umstellungen in der Perimenopause bzw. Menopause die Kopfschmerzhäufigkeit beeinflussen.

Quelle: Martin VT et al.: Perimenopause and menopause are associated with high frequency headache in women with migraine: results of the American migraine prevalence and prevention study. Headache 2016 [Epub: 21. Jan.; doi: 10.1111/head.12763]

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