Epilepsie

Original Pressemitteilung
Lacosamid in der Monotherapie fokaler Epilepsien
Standortbestimmung in der Epilepsietherapie

Am 16. Dezember 2016 erhielt Lacosamid die Zulassung zur Monotherapie fokaler
Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei erwachsenen und jugendlichen
(16 − 18 Jahren) Epilepsiepatienten [1]. Aus diesem Anlass wurde eine
Standortbestimmung der Behandlungsoptionen in der Monotherapie vorgenommen.
Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen und Österreichischen Gesellschaften für
Epileptologie und der Schweizerischen Epilepsie-Liga 2017 wurden unter der Leitung
von Prof. Dr. Eugen Trinka, Salzburg, die entscheidenden Kriterien für die
Therapiewahl diskutiert.

Von DESITIN gesponsort: Wissenschaftspreis der GNP 2017
Neuropädiatrie-Preis für die Erforschung des mTOR1-Signalwegs bei der Tuberösen Sklerose

Die Gesellschaft für Neuropädiatrie e.V. (GNP) verleiht jedes Jahr den von der DESITIN Arzneimittel GmbH in Hamburg gesponserten Wissenschaftspreis. In diesem Jahr wurde Dr. Darius Ebrahimi-Fakhari für die Arbeit „Impaired Mitochondrial Dynamics And Mitophagy In Neuronal Models Of Tuberous Sclerosis Complex“* ausgezeichnet. Die Preisübergabe erfolgte auf der 43. Jahrestagung der GNP in Bad Nauheim am 28.4.2017.

Erwachsene mit refraktärem Status epilepticus
Tod und Behinderung nach einem Jahr?

Ein refraktärer bzw. superrefraktärer Status epilepticus (rSE bzw. srSE) geht erfahrungsgemäß mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher. In einer retrospektiven populationsbasierten Studie prüften finnische Mediziner an erwachsenen, auf einer Intensiv- Station behandelten Patienten, wie das Outcome über ein Jahr ist.

Quelle: Kantanen AM et al.: Long-term outcome of refractory status epilepticus in adults: A retrospective population- based study. Epilepsy Res 2017;133: 13-21

Frontale Lobektomie bei Pharmakoresistenz
Wie ist das neuropsychologische und motorische Outcome?

Bei Patienten mit mehrfacher Therapieresistenz werden auch frontale Lobektomien durchgeführt. Nach diversen Berichten über negative Folgen untersuchten Epileptologen aus Cleveland/USA anhand einer größeren retrospektiven Kohortenstudie, welche neuropsychologischen und motorischen Folgen zu erwarten sind.

Quelle: Busch RM et al.: Neuropsychological outcome following frontal lobectomy for pharmacoresistant epilepsy in adults. Neurology 2017; 88(7): 692-700

Epileptische Anfälle bei MS
Große Metaanalyse: Welche Risikofaktoren gibt es?

Im Krankheitsverlauf kann es bei MS-Patienten gar nicht so selten auch zu epileptischen Anfällen kommen, doch die Risikofaktoren für diese schwerwiegende Komplikation sind weitgehend unbekannt. Mit dieser Thematik befasste sich nun ein italienisches Teams anhand einer Metaanalyse.

Quelle: Gasparini S et al.: Risk factors for unprovoked epileptic seizures. Neurol Sci 2017 Epub 04.01.2017; doi: 10.1007/s10072-016-2803-7

Pharma-NEU
Everolimus bei TSC-assoziierter Epilepsie

Die Tuberöse Sklerose (TSC) ist eine relativ seltene genetische Systemerkrankung. Etwa 85% der Patienten entwickeln eine Epilepsie, meist im ersten Lebensjahr, die ohne adäquate Behandlung zu Entwicklungsverzögerungen führen kann. Unter Antiepileptika erreichen nur ca. 60% ...

CAVE teratogenes Potenzial
Kein Pregabalin bei Schwangeren?

Vor knapp einem Jahr wurde erstmals eine Studie zu einem erhöhten teratogenen Potenzial von Pregabalin veröffentlicht. Jetzt fassten zwei US-Neurologen die Studienevidenz zusammen – und auch sie warnen vor dem Einsatz bei schwangeren Frauen.

Quelle: Jutzeler CR et al.: Journal Club: Pregnancy outcome following maternal exposure to pregabalin may call for concern. Neurology 2017; 88(1): e5-e7 [Epub 3. Jan.; doi: 10.1212/WNL.0000000000003458];

Winterfeld U et al.: Pregnancy outcome following maternal exposure to pregabalin may call for concern. Neurology 2016; 14; 86(24): 2251-7

Schlafbezogene hypermotorische Anfälle
Langzeit-Outcome in großer Kohorte

Eine schlafbezogene hypermotorische Epilepsie (SHE) ist charakterisiert durch fokale Anfälle vorwiegend während des Non-REM-Schlafs. Das Langzeit-Outcome der SHEPatienten wurde in einer retrospektiven Studie über bis zu 30 Jahre untersucht.

Quelle: Licchetta L et al.: Sleep-related hypermotor epilepsy: Long-term outcome in a large cohort. Neurology 2017; 88(1): 70-7

Fallbericht: Unerwarteter Tod nach Fieberanfall
Ähnliche Pathophysiologie wie beim SUDEP?

US-Neurologen beschreiben den plötzlichen Tod eines 33 Monate alten Mädchens, das zuvor wiederholt komplexe Fieberanfälle hatte. Sie vermuten ähnliche pathophysiologische Mechanismen wie beim Sudden unexpected death in epilepsy (SUDEP).

Quelle: Dlouhy BJ et al.: Unexpected death of a child with complex febrile seizures – pathophysiology similar to sudden unexpected death in epilepsy? Front Neurol 2017; 8: 21 [Epub 1. Feb.; doi: 10.3389/fneur.2017.00021]

Pharma Neu
ESL jetzt für Kinder

Seit 2009 ist Eslicarbazepinacetat (Zebinix®, Eisai; Lizenzgeber BIAL) als Zusatztherapie für Erwachsene mit fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung zugelassen. Die Europäische Kommission hat der Indikationserweiterung auf die einmal tägliche ...

Antiepileptika-Therapie
Das sind die wesentlichen Prädiktoren für die Nicht-Adhärenz

Antiepileptika werden von vielen Patienten nicht zuverlässig eingenommen oder wieder abgesetzt. Wie groß das Problem ist und welche Merkmale die Betroffenen kennzeichnen, zeigt jetzt ein Forscherteam in einer Querschnittsstudie in Äthiopien auf.

Quelle: Getnet A et al.: Antiepileptic drug nonadherence and its predictors among people with epilepsy. Behav Neurol 2016; 3189108 [Epub 8. Dez.; doi: 10.1155/201 6/3189108]

Ketogene Diät bei Kindern
Weniger Notaufnahmen und weniger Klinikaufenthalte

Etwa ein Drittel aller Epilepsie-Patienten erweist sich gegenüber der Antiepileptika-Behandlung als refraktär. Besonders für die Kinder unter ihnen kommt die ketogene Diät in Frage. In den USA wurde nun anhand retrospektiver Daten geprüft, ob und inwieweit diese Therapie die Notaufnahmen und die stationären Klinikaufenthalte sowie die entsprechenden Kosten reduzieren kann.

Quelle: Kayyali HR et al.: Ketogenic diet decreases emergency room visits and hospitalizations related to epilepsy. Epilepsy Res Treat 2016: 5873208 [Epub 26. Sept.; doi: 10.1155/2016/5873208]

Neue Studiendaten
ESL in EU-Vergleichsstudie nicht unterlegen

Eslicarbazepinacetat (ESL, Zebinix®; Eisai) ist in der EU seit 2009 als Kombinationstherapie bei Erwachsenen mit fokalen Anfällen (mit oder ohne sekundäre Generalisierung) zugelassen. Die EMA hat im Mai 2016 den Zulassungsantrag für ESL als Monotherapie fokaler Anfälle ...

Natürlichen Verlauf beobachtet
Was zeichnet eine „Oligoepilepsie" aus?

Epilepsie-Patienten haben eine unterschiedliche Krankheitsaktivität, die von einem Anfall in Jahren bis hin zu zig Anfällen am Tag reicht. Auf der Suche nach der besonders benignen „Oligoepilepsie“ (ILAE 2001) und deren Merkmalen untersuchten italienische Wissenschaftler in einer Gruppe von Epilepsie-Patienten die natürlichen Verläufe.

Quelle: Gasparini S et al.: The natural history of epilepsy in 163 untreated patients: looking for „oligoepilepsy“. PLoS One 2016; 11(9): e0161722 [Epub 22. Sept.; doi: 10.1371/journal.pone.0161722

Pharma News
G-BA zu Brivaracetam: kein Zusatznutzen

Als drittem Antiepileptikum in Folge hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der frühen Nutzenbewertung einem neuen Epilepsie-Medikament den Zusatznutzen abgesprochen. Diesmal traf es das zur Zusatzbehandlung fokaler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen...

Refraktärer Status epilepticus
STESS hilft bei der frühen Bestimmung des Outcome

Nach welcher Zeit ein Status epilepticus (SE) beendet wird, kann über Wohl und Wehe des Patienten entscheiden. Ein Neurologenteam untersuchte nun, wie SE-Dauer und -schwere das Langzeit-Outcome bei therapierefraktärem SE beeinflussen. Sie prüften insbesondere den prognostischen Wert des Status Epilepticus Severity Score (STESS).

Quelle: Madžar D et al.: Association of seizure duration and outcome in refractory status epilepticus. J Neurol 2016; 263(3): 485-91

CAVE: Gingiviahyperplasie unter Antiepileptika

Eine Hyperplasie des Zahnfleisches ist eine bekannte Nebenwirkung unter einer fortgesetzten Therapie mit Phenytoin, kommt allerdings auch unter anderen Antiepileptika vor. Wie häufig diese Komplikation unter Phenytoin, Valproat und Carbamazepin bei Kindern im Praxisalltag ist, untersuchte jetzt eine indische Forschergruppe.

Quelle: Suneja B et al.: A clinical evaluation of gingival overgrowth in children on antiepileptic drug therapy. J Clin Diagn Res 2016;10(1): ZC32-6 [Epub 1. Jan,; doi: 10.7860/JCDR/2016/16443.7069]

Pharmakotherapie der Epilepsie
Spezifische Nebenwirkungen erkennen und vermeiden

Nicht-tolerierte Nebenwirkungen können die Epilepsie-Behandlung torpedieren. In einer Studie „aus dem echten Leben“ wurden am Epilepsiezentrum Berlin-Brandenburg der Charité ambulant behandelte Epilepsie-Patienten auf das Auftreten spezifischer Nebenwirkungen unter verschiedenen Antiepileptika-Monotherapien untersucht. Zudem wurde versucht, Prädiktoren für eine hohe Nebenwirkungslast zu identifizieren.

Quelle: Kowski AB et al.: Specific adverse effects of antiepileptic drugs - a true-to-life monotherapy study. Epilepsy Behav 2016; 54: 150-7

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