Morbus Alzheimer

Schon bei leichter Demenz
Erhöhen depressive Symptome die Mortalität?

Sowohl eine Depression als auch eine Demenz gehen bei älteren Menschen mit einer erhöhten Sterblichkeit einher. Wie verhält es sich bei Komorbidität beider Erkrankungen? Nun wurde die Mortalität bei Patienten mit einer erst leichten Demenz und depressiven Symptomen verschiedener Schwere untersucht. Die Ergebnisse zeigen dringenden Handlungsbedarf an.

Quelle: Petersen JD et al.: Major depressive symptoms increase 3-year mortality rate in patients with mild dementia. Int J Alzheimers Dis 2017; 7482094 [Epub 6. Apr.; doi: 10.1155/2017/7482094]

69th Annual Meeting der AAN, 22.–28. April 2017, Boston/USA
Neue Entwicklungen und Therapien

Das 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN) lockte Ende April 2017 13 000 Fachbesucher nach Boston. Neben zahlreichen Veranstaltungen und Postern zur Multiplen Sklerose wurden viele neue Entwicklungen bei Kopfschmerz, Demenz, Epilepsie, Parkinson-Syndrom und anderen, selteneren Krankheiten vorgestellt.

Für kognitive Störungen (mit)verantwortlich?
Aß-Pathologie auch bei Patienten mit geriatrischer Depression?

Amyloid(Aß)-Ablagerungen sind ein Merkmal der Alzheimer-Demenz. In einer Pilotstudie wurde mittels PET-Aufnahmen untersucht, inwieweit bei geriatrischen Patienten mit einer Depression ebenfalls Aß-Deposite vorliegen – und ob diese mit spezifischen kognitiven Defiziten in Zusammenhang stehen.

Quelle: Kim HG et al.: Association between cerebral amyloid deposition and clinical factors including cognitive function in geriatric depression: pilot study using amyloid positron emission tomography. Clin Psychopharmacol Neurosci 2016; 14(4): 378-82

Mild Cognitive Impairment
Hippokampus-Volumen sagt DLB-Risiko voraus

Patienten mit einer Mild Cognitive Impairment (MCI) haben ein erhöhtes Risiko für demenzielle Erkrankungen. Dies betrifft auch das Risiko für eine Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB). Nun wurde in einer Bildgebungsstudie von Neurologen, Radiologen und Psychologen der Mayo Clinic in Rochester untersucht, ob neben dem MCI-Subtyp auch neuroanatomische Veränderungen das DLB-Risiko voraussagen können. Dies scheint auf das Volumen des Hippokampus, der ja stark in die Gedächtnisfunktionen eingebunden ist, tatsächlich zuzutreffen.

Quelle: Kantarci K et al.: Hippocampal volumes predict risk of dementia with Lewy bodies in mild cognitive impairment. Neurology 2016; 87(22): 2317-23

Demenz, Parkinson, Multiple Sklerose
Inzidenz durch Straßenverkehr erhöht?

Es mehren sich Hinweise, dass sich das Wohnen an vielbefahrenen Straßen negativ auf die Kognition auswirkt. Nun wurde in einer kanadischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie nach einer Relation zur Inzidenz von Demenz-Erkrankungen, Morbus Parkinson und MS gesucht. Im Fall der Demenz wurden die Forscher tatsächlich fündig.

Quelle: Chen H et al.: Living near major roads and the incidence of dementia, Parkinson's disease, and multiple sclerosis: a population-based cohort study. Lancet 2017; pii: S0140-6736(16)32399-6 [Epub 4. Jan.; doi: 10.1016/S0140-6736(16)32399-6]

Alzheimer, DBL, VaD und FTLD
Psychische und Verhaltensprobleme bei den vier häufigsten Demenzen

Ausgeprägte Verhaltensprobleme und psychische/psychiatrische Symptome können die Prognose von Demenzkranken verschlechtern und die Belastung der pflegenden Angehörigen massiv erhöhen. Wie sich diese Symptomatiken bei Patienten mit den vier häufigsten Formen der Demenz darstellen, wurde jetzt in einer Studie untersucht.

Quelle: Kazui H et al.: Differences of behavioral and psychological symptoms of dementia in disease severity in four major dementias. PLoS One 2016; 11(8): e0161092 [Epub 18. Aug.; doi: 10.1371/journal.pone.0161092]

89. Kongress der DGN, Mannheim, 21. bis 24. Sept. 2016
Aktuelle Neuro-Themen und -Trends

Auch dieses Jahr stellte die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) auf dem größten deutschsprachigen Neurologie-Kongress ein umfangreiches – sowohl fachlich vertieftes, als auch interdisziplinäres – Programm an Vorträgen, Symposien, Postern und Fortbildungen vor. Etwa 6000 Fachbesucher zog es nach Mannheim.

2. Jahrestreffen der EAN, 28. bis 31. Mai in Kopenhagen
Das interessierte die europäische Neurologen-Community

Der 2. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) fand Ende Mai 2016 in Kopenhagen statt. Mehr als 6000 Teilnehmer aus europäischen und auch nicht-europäischen Ländern kamen. Internationale Experten präsentierten wichtige Trends und Highlights der modernen neurologischen Forschung und Therapie. Wie immer wurden die Ergebnisse vieler aktueller Studien präsentiert.

Kognition und Hirn-Metabolismus geprüft
THS nun auch bei Alzheimer-Demenz?

Die Einsatzgebiete der Tiefen Hirnstimulation (THS) weiten sich aus. In einer randomisierten, kontrollierten Phase-II-Studie wurde untersucht, inwieweit die Stimulation des Fornix bei Patienten mit einer leichten Alzheimer-Demenz die kognitiven Funktionen und den Hirnstoffwechsel beeinflusst.

Quelle: Lozano AM et al.: A phase II study of fornix deep brain stimulation in mild Alzheimer's disease. J Alzheimers Dis 2016; [Epub 18. Juli; doi: 10.3233/JAD-160017]

Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT)
Blut-Hirn-Schranke früh durchlässig

Mithilfe Kontrastmittel-verstärkter MRT wurde in einer niederländischen Studie nachgewiesen, dass die Blut-Hirn-Schranke bei DAT-Patienten schon im Frühstadium der Erkrankung undicht ist. Diese Lecks könnten in der Pathologie-Kaskade der DAT eine entscheidende Rolle spielen, zumindest mitverantwortlich für den kognitiven Abbau sein.

Quelle: van de Haar JH et al.: Blood-brain barrier leakage in patients with early Alzheimer disease. Radiology 2016:152244 [Epub 31. Mai; doi: 10.1148/radiol. 2016152244]

68th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN)
Hot topics vom Neurologen-Gipfel

Die 68. Jahrestagung der AAN vom 15. bis 21. April 2016 lockte mehr als 11 000 Teilnehmer in das kanadische Vancouver. Unter dem Motto „Experience the Excellence“ fanden an vollen sieben Tagen hunderte von Scientific Sessions, Workshops und Kurse statt, die praktisch alle neurologischen Erkrankungen abdeckten. Insgesamt wurden mehr als 2700 Arbeiten eingereicht. Neben der MS, zu der gegenwärtig wohl weltweit am meisten geforscht wird, waren Demenz und Schlaganfall sehr stark vertreten.

Leichte Alzheimer-Demenz
Senkt moderater Alkoholkonsum die Mortalität?

Ein moderater(!) Alkoholkonsum scheint generell lebensverlängernd zu sein, doch gilt dies auch für Demenzkranke? Eine dänische Forschergruppe untersuchte nun in einer prospektiven Kohortenstudie bei Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz den Zusammenhang zwischen konsumierter Alkoholmenge und der Sterblichkeit über drei Jahre.

Quelle: Bentsen S et al.: Alcohol consumption and mortality in patients with mild Alzheimer's disease: a prospective cohort study. BMJ Open 2015; 5(12): e007851 [Epub 11. Dez.; doi: 10.1136/bmjopen- 2015-007851]

Depression plus kognitive Beeinträchtigung
Alzheimer mit COGNISTAT erkennen?

Die Abgrenzung (mit kognitiven Beeinträchtigungen einhergehenden) depressiver Störungen von echten demenziellen Veränderungen kann schwierig sein. In einer japanischen Studie wurde geprüft, inwieweit sich kognitive Dysfunktionen älterer depressiver Menschen mithilfe der Neurobehavioral Cognitive Status Examination (COGNISTAT) von frühen bzw. leichten Stadien einer Late-onset-Alzheimer-Demenz unterscheiden lassen.

Quelle: Tsuruoka Y et al.: Utility of the Neurobehavioral Cognitive Status Examination (COGNISTAT) in differentiating... Ann Gen Psychiatry 2016; 15: 3 [Epub 20. Jan.; doi: 10.1186/s12991-016-0091-5]

Web-Suchen sagen Demenz-Diagnosen voraus

Durch Auswertung der Suchanfragen bei Google lassen sich in gewissem Rahmen Influenza- Epidemien vorhersagen. Nun versuchten taiwanesische Forscher, mithilfe des Webtools „Google Trends“ in die Zukunft der Demenzinzidenz zu blicken.

Quelle: Wang HW et al.: Forecasting the incidence of dementia and dementia-related outpatient visits with google trends: evidence from Taiwan. J Med Internet Res 2015; 17(11): e264 [Epub 19. Nov.; doi: 10.2196/jmir.4516]

PET-Studie zu Faktoren des Alzheimer-Risikos
ß-Amyloid-Last korreliert signifikant mit der Gehgeschwindigkeit

Eine verringerte Gehgeschwindigkeit älterer Menschen ist mit einer hohen Komorbidität an verschiedenen Krankheiten assoziiert. Bei praktisch asymptomatischen Älteren mit hohem Alzheimer-Risiko untersuchte jetzt die internationale MAPT/DSA Study Group die Relation zwischen regionaler ß-Amyloid (Aß)-Last in verschiedenen Hirnregionen und der Gehgeschwindigkeit. Die Fortscher fanden signifikante Zusammenhänge.

Quelle: Del Campo N et al.: Relationship of regional brain ß\uDBC0\uDC00-amyloid to gait speed. Neurology 2016; 86(1): 36- 43

Metaanalyse bei Demenzkranken
Helfen Psychotherapien gegen Angst und Depression?

Bei Patienten mit manifester Demenz wurde anhand einer Metaanalyse untersucht, ob bzw. in welchem Umfang psychologische Therapien die häufig begleitende Angst und Depression verringern können.

Quelle: Orgeta V et al.: Psychological treatments for depression and anxiety in dementia and mild cognitive impairment: systematic review and meta-analysis. Br J Psychiatry 2015; 207(4): 293-8

Neuropsychologische Tests und MRT-Befunde
Resilienzfaktoren gegen Kognitionsabbau

Eine „kognitive Reserve“ scheint vor einer Demenzentstehung zu schützen. Britische Forscher untersuchten nun bei älteren Menschen, ob sich Zusammenhänge zwischen einer Resilienz gegenüber kognitiven Verschlechterungen und verschiedenen Bildgebungsbefunden erkennen lassen.

Quelle: Topiwala A et al.: Resilience and MRI correlates of cognitive impairment in community-dwelling elders. Br J Psychiatry 2015; 207(5): 435-9

88. Kongress der DGN, Düsseldorf, 23. bis 26. 9. 2015
Aktuelle Themen der Neurologie

Beim 88. Kongress des Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Düsseldorf trafen sich etwa 6000 Neurologen und fachverwandte Berufe aus rund 20 Ländern. Unter dem Motto „Mensch im Blick – Gehirn im Fokus“ umfasste das wissenschaftliche Programm 500 Vorträge in 91 Symposien und 320 Poster, die DGN-Fortbildungsakademie 45 Kurse mit 270 Vorträgen. Diskutiert wurden aktuelle Etwicklungen im gesamten neurologischen Themenfeld, darunter bei Demenz, Epilepsie, MS, Morbus Parkinson und Schlaganfall.

Perspektiven
In Prüfung bei Morbus Alzheimer erfolgreich

Biogen besitzt mit Tysabri®, Tecfidera®, Avonex®, Plegridy® und Fampyra® ein großes Portfolio im Bereich der MS. Nun legte das Unternehmen neue Daten zur Alzheimer- Prüfsubstanz Aducanumab vor. Die Interimsanalyse von PRIME, einer Phase-Ib-Studie bei Patienten mit ...

Ernährung, Bewegung und kognitives Training
Multimodale Intervention verbessert die Kognition

In der randomisierten, kontrollierten Zweijahresstudie FINGER untersuchte ein internationales Forscherteam, inwieweit eine Intervention, die u.a. Ernährungs-, Bewegungsund Kognitionstrainingsmaßnahmen umfasste, die Verschlechterung kognitiver Fähigkeiten von demenzgefährdeten älteren Menschen verringern kann. Mit Erfolg!

Quelle: Ngandu T et al.: A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER): a randomised controlled trial. Lancet 2015; pii: S0140- 6736(15)60461-5. [Epub ahead of print 11. März 2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)60461-5]

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