Dementielle Syndrome

„Lancet Commission" zur Demenz
Synopsis zu Prävention, Interventionen und Pflege

Weltweit leiden derzeit knapp 50 Millionen Menschen unter einer Demenz. Obwohl sich die Inzidenz in einigen Ländern in letzter Zeit verringert hat, wird sich diese Zahl bis zum Jahre 2050 verdreifachen. In einer Übersichtsarbeit formulieren Demenzexperten einer „Lancet Commission“ Empfehlungen zur Prävention, zu Interventionen und zur Pflege demenzkranker Menschen.

Quelle: Livingston G et al.: Dementia prevention, intervention, and care. Lancet 2017 [Epub 19. Juli; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31363-6]

Perspektive
Alzheimer-Liqui-Patch

Das Berliner Unternehmen epinamics hat mit dem Liqui-Patch das weltweit erste Wirkstoff- Sprühpflaster entwickelt, das den Wirkungsgrad und die Hautverträglichkeit gegenüber konventionellen Wirkstoffpflastern deutlich erhöht. Auf die Haut gesprüht, bildet sich in 90 Sek. ein...

European Academy of Neurology, 24.–27. Juni 2017 in Amsterdam
Multiple Sklerose, Demenz und Migräne − Neues vom EAN

In Amsterdam trafen sich die europäischen Neurologen zu ihrem Jahreskongress − mehr als 6000 Besucher kamen. Das übergreifende Thema des 3rd Congress der European Academy of Neurology (EAN) war „Outcome measures in Neurology“. Die Sessions umfassten das gesamte Spektrum der neurodegenerativen, entzündlichen, traumatischen und übrigen neurologischen Erkrankungen

Digitalisierter Uhrenzeichnen-Test
Demenz-Screening deutlich verbessert

Der Uhrenzeichen-Test (Clock Drawing Test, CDT) ist ein im klinischen Alltag seit langem zum Demenz-Screening eingesetztes Instrument. Er ist einfach und unaufwändig, weist aber Nachteile wie Ungenauigkeit, eine niedrige Interrater-Zuverlässigkeit und eine mangelnde Änderungssensitivität auf. Kann die digitalisierte Form des Tests (dCDT) die kognitiven Beeinträchtigungen besser erfassen?

Quelle: Müller S et al.: Increased diagnostic accuracy of digital vs. conventional clock drawing test for discrimination of patients in the early course of Alzheimer‘s disease from cognitively healthy individuals. Front Aging Neurosci 2017; 9: 101 [Epub 11. Apr.; doi: 10.3389/ fnagi.2017.00101]

Schon bei leichter Demenz
Erhöhen depressive Symptome die Mortalität?

Sowohl eine Depression als auch eine Demenz gehen bei älteren Menschen mit einer erhöhten Sterblichkeit einher. Wie verhält es sich bei Komorbidität beider Erkrankungen? Nun wurde die Mortalität bei Patienten mit einer erst leichten Demenz und depressiven Symptomen verschiedener Schwere untersucht. Die Ergebnisse zeigen dringenden Handlungsbedarf an.

Quelle: Petersen JD et al.: Major depressive symptoms increase 3-year mortality rate in patients with mild dementia. Int J Alzheimers Dis 2017; 7482094 [Epub 6. Apr.; doi: 10.1155/2017/7482094]

69th Annual Meeting der AAN, 22.–28. April 2017, Boston/USA
Neue Entwicklungen und Therapien

Das 69th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN) lockte Ende April 2017 13 000 Fachbesucher nach Boston. Neben zahlreichen Veranstaltungen und Postern zur Multiplen Sklerose wurden viele neue Entwicklungen bei Kopfschmerz, Demenz, Epilepsie, Parkinson-Syndrom und anderen, selteneren Krankheiten vorgestellt.

a-Synucleinopathien
Neuropathologie beeinflusst Demenz- Entstehung und das Überleben

Die strukturellen Veränderungen bei den großen neurodegenerativen Erkrankungen wie den verschiedenen Demenzformen und Parkinson-Syndromen werden im Hinblick auf die Pathogenese und ihren Nutzen als Biomarker intensiv beforscht. Eine US-Arbeitsgruppe befasste sich jetzt mit den Einflüssen verschiedener histopathologischer Befunde auf die Genese von a-Synucleinopathien und den klinischen Verlauf. Sie fanden u. a. Korrelation mit dem Überleben der Patienten.

Quelle: Irwin DJ et al.: Neuropathological and genetic correlates of survival and dementia onset in synucleinopathies: a retrospective analysis. Lancet Neurol 2017; 16(1): 55-65

Langzeitstudie über zwölf Jahre
CAVE: Polypharmazie erhöht das Demenz-Risiko

In einer Fallkontrollstudie, die in eine zwölfjährige Längsschnittstudie eingebettet war, wurde in Südkorea untersucht, ob Mehrfachmedikationen das Risiko älterer Menschen erhöhen, an einer Demenz zu erkranken. Berücksichtigt wurde auch der Einfluss häufiger potenziell ungeeigneter, also kognitionsverschlechternder Medikamente.

Quelle: Park HY et al.: The association between polypharmacy and dementia: a nested case-control study based on a 12-year longitudinal cohort database in South Korea. PLoS One 2017; 12(1): e0169463. [Epub 5. Jan.; doi: 10.1371/journal.pone.0169463]

Für kognitive Störungen (mit)verantwortlich?
Aß-Pathologie auch bei Patienten mit geriatrischer Depression?

Amyloid(Aß)-Ablagerungen sind ein Merkmal der Alzheimer-Demenz. In einer Pilotstudie wurde mittels PET-Aufnahmen untersucht, inwieweit bei geriatrischen Patienten mit einer Depression ebenfalls Aß-Deposite vorliegen – und ob diese mit spezifischen kognitiven Defiziten in Zusammenhang stehen.

Quelle: Kim HG et al.: Association between cerebral amyloid deposition and clinical factors including cognitive function in geriatric depression: pilot study using amyloid positron emission tomography. Clin Psychopharmacol Neurosci 2016; 14(4): 378-82

Mild Cognitive Impairment
Hippokampus-Volumen sagt DLB-Risiko voraus

Patienten mit einer Mild Cognitive Impairment (MCI) haben ein erhöhtes Risiko für demenzielle Erkrankungen. Dies betrifft auch das Risiko für eine Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB). Nun wurde in einer Bildgebungsstudie von Neurologen, Radiologen und Psychologen der Mayo Clinic in Rochester untersucht, ob neben dem MCI-Subtyp auch neuroanatomische Veränderungen das DLB-Risiko voraussagen können. Dies scheint auf das Volumen des Hippokampus, der ja stark in die Gedächtnisfunktionen eingebunden ist, tatsächlich zuzutreffen.

Quelle: Kantarci K et al.: Hippocampal volumes predict risk of dementia with Lewy bodies in mild cognitive impairment. Neurology 2016; 87(22): 2317-23

Demenz, Parkinson, Multiple Sklerose
Inzidenz durch Straßenverkehr erhöht?

Es mehren sich Hinweise, dass sich das Wohnen an vielbefahrenen Straßen negativ auf die Kognition auswirkt. Nun wurde in einer kanadischen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie nach einer Relation zur Inzidenz von Demenz-Erkrankungen, Morbus Parkinson und MS gesucht. Im Fall der Demenz wurden die Forscher tatsächlich fündig.

Quelle: Chen H et al.: Living near major roads and the incidence of dementia, Parkinson's disease, and multiple sclerosis: a population-based cohort study. Lancet 2017; pii: S0140-6736(16)32399-6 [Epub 4. Jan.; doi: 10.1016/S0140-6736(16)32399-6]

Alzheimer, DBL, VaD und FTLD
Psychische und Verhaltensprobleme bei den vier häufigsten Demenzen

Ausgeprägte Verhaltensprobleme und psychische/psychiatrische Symptome können die Prognose von Demenzkranken verschlechtern und die Belastung der pflegenden Angehörigen massiv erhöhen. Wie sich diese Symptomatiken bei Patienten mit den vier häufigsten Formen der Demenz darstellen, wurde jetzt in einer Studie untersucht.

Quelle: Kazui H et al.: Differences of behavioral and psychological symptoms of dementia in disease severity in four major dementias. PLoS One 2016; 11(8): e0161092 [Epub 18. Aug.; doi: 10.1371/journal.pone.0161092]

Große Registerauswertung
CAVE: BZD erhöhen das Demenzrisiko

Auf der Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren für eine Demenz stehen neben komorbiden Krankheiten auch verschiedene Medikamente auf der „Fahndungsliste“. Anhand zweier großer Register wurde untersucht, ob die Einnahme von Benzodiazepinen (BZD) das spätere Demenzrisiko maßgeblich beeinflusst.

Quelle: Takada M et al.: Association between benzodiazepine use and dementia: data mining of different medical databases. Int J Med Sci 2016; 13(11): 825-34

89. Kongress der DGN, Mannheim, 21. bis 24. Sept. 2016
Aktuelle Neuro-Themen und -Trends

Auch dieses Jahr stellte die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) auf dem größten deutschsprachigen Neurologie-Kongress ein umfangreiches – sowohl fachlich vertieftes, als auch interdisziplinäres – Programm an Vorträgen, Symposien, Postern und Fortbildungen vor. Etwa 6000 Fachbesucher zog es nach Mannheim.

Demenz-Patienten
APA-Guidelines zu Antipsychotika bei Agitation und Psychose

Neuropsychiatrische Symptome wie Depression, Psychose, Agitation, diverse Verhaltensstörungen etc. komplizieren die Versorgung von Demenz-Patienten und belasten die Angehörigen oft sehr stark. Wie der nicht seltene Einsatz von Antipsychotika bei agitierten oder psychotischen Patienten zu handhaben ist, legte nun die American Psychiatric Association (APA) in aktuellen Praxis-Guidelines dar.

Quelle: Reus VI et al.: The American Psychiatric Association practice guideline on the use of antipsychotics to treat agitation or psychosis in patients with dementia. Am J Psychiatry 2016; 173(5): 543-6

2. Jahrestreffen der EAN, 28. bis 31. Mai in Kopenhagen
Das interessierte die europäische Neurologen-Community

Der 2. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) fand Ende Mai 2016 in Kopenhagen statt. Mehr als 6000 Teilnehmer aus europäischen und auch nicht-europäischen Ländern kamen. Internationale Experten präsentierten wichtige Trends und Highlights der modernen neurologischen Forschung und Therapie. Wie immer wurden die Ergebnisse vieler aktueller Studien präsentiert.

Kognition und Hirn-Metabolismus geprüft
THS nun auch bei Alzheimer-Demenz?

Die Einsatzgebiete der Tiefen Hirnstimulation (THS) weiten sich aus. In einer randomisierten, kontrollierten Phase-II-Studie wurde untersucht, inwieweit die Stimulation des Fornix bei Patienten mit einer leichten Alzheimer-Demenz die kognitiven Funktionen und den Hirnstoffwechsel beeinflusst.

Quelle: Lozano AM et al.: A phase II study of fornix deep brain stimulation in mild Alzheimer's disease. J Alzheimers Dis 2016; [Epub 18. Juli; doi: 10.3233/JAD-160017]

Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT)
Blut-Hirn-Schranke früh durchlässig

Mithilfe Kontrastmittel-verstärkter MRT wurde in einer niederländischen Studie nachgewiesen, dass die Blut-Hirn-Schranke bei DAT-Patienten schon im Frühstadium der Erkrankung undicht ist. Diese Lecks könnten in der Pathologie-Kaskade der DAT eine entscheidende Rolle spielen, zumindest mitverantwortlich für den kognitiven Abbau sein.

Quelle: van de Haar JH et al.: Blood-brain barrier leakage in patients with early Alzheimer disease. Radiology 2016:152244 [Epub 31. Mai; doi: 10.1148/radiol. 2016152244]

68th Annual Meeting der American Academy of Neurology (AAN)
Hot topics vom Neurologen-Gipfel

Die 68. Jahrestagung der AAN vom 15. bis 21. April 2016 lockte mehr als 11 000 Teilnehmer in das kanadische Vancouver. Unter dem Motto „Experience the Excellence“ fanden an vollen sieben Tagen hunderte von Scientific Sessions, Workshops und Kurse statt, die praktisch alle neurologischen Erkrankungen abdeckten. Insgesamt wurden mehr als 2700 Arbeiten eingereicht. Neben der MS, zu der gegenwärtig wohl weltweit am meisten geforscht wird, waren Demenz und Schlaganfall sehr stark vertreten.

Schmerz, Psychose und Agitation
Hilft eine gestufte Schmerztherapie?

Demenz-Patienten leiden nicht nur unter kognitiven Einschränkungen, im Alltag oft viel problematischer sind neuropsychiatrische Symptome. Die Sekundärauswertung einer Cluster-randomisierten klinischen Studie zufolge interagieren diese Symptome mit dem Schmerz. Was kann eine systematische schrittweise Schmerztherapie bewirken?

Quelle: Habiger TF et al.: The interactive relationship between pain, psychosis, and agitation in people with dementia: results from a cluster-randomised clinical trial. Behav Neurol 2016; 7036415 [Epub 9. Mai; doi: 10.1155/2016/7036415]

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